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Erdogans hetzerische Rhetorik : „Hey Faschisten, hey Nazi-Überbleibsel!“

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einem Auftritt am Mittwoch in der Provinz Afyonkarahisar Bild: AP

Erdogans Propaganda hat alle Qualitäten kriegerischer Hetze. Dabei kann er auf seine Minister zählen und auf Presseorgane, die gerne Feindbilder entwerfen: Schlagzeilen von Tobsüchtigen.

          Mit der auf höchste Eskalation angelegten Propaganda der türkischen Regierung umzugehen, ist für Journalisten die Aufgabe der Stunde. Die Parolen des Staatspräsidenten Erdogan und seiner Minister klingen in den Ohren des verständigen Publikums beleidigend und hohl, doch scheinen sie bei der eigenen Anhängerschaft zu verfangen. Erdogans Opferlegende, die zu stricken er überall in Europa, vor allem in Deutschland und in den Niederlanden, „Faschisten“ und „Nazis“ verorten muss, kommt an, da kann die derart verunglimpfte Bundesregierung tun, was sie will.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Für Erdogan gibt es keine Deeskalation, er braucht Feindbilder, koste es, was es wolle. Und wenn er nichts selbst hetzt, dann übernehmen das seine Minister oder regierungshörige Presseorgane wie die Zeitung „Sabah“. In der klingt das dann – eigens formuliert auf deutsch – auf der Titelseite von Donnerstag so: „Ihr kämpft umsonst. Eure Macht reicht nicht, um die Türkei aufzuhalten. Hey Europa ... Hey Deutschland ... Hey Holland ... Hey Faschisten... Hey Nazi-Überbleibsel ... Hey Bild ... Glaubt Ihr, dass wir uns vor eurem Geschrei, eurer Aufregung und euren unmoralischen Verleumdungen fürchten werden?“

          Die Tiraden werden immer hysterischer

          Das ist die Antwort auf die Titelseite der „Bild“-Zeitung vom Tag zuvor, auf der es hieß: „Bild sagt Erdogan die Wahrheit ins Gesicht: Sie sind kein Demokrat! Sie schaden Ihrem Land! Sie sind hier nicht willkommen!“ Der Konter auf den Vorwurf, Erdogan sei kein Demokrat, lautet also auf ein hysterisches „Faschisten“. Die sitzen nach dem Verständnis der „Sabah“ offenbar auch in den Redaktionen der „Kreuzfahrerpresse“. Wer bei solchen Tiraden nicht ahnt, welches zerstörerische Potential von Erdogan und seinen Helfern nicht nur für die Türkei, sondern auch für andere Länder, in denen er Wahlkampf macht oder machen will, ausgeht, muss sich schon taub und blind stellen.

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          Das türkische Außenministerium teilt derweil mit, die „Bild“-Zeitung habe den Präsidenten Erdogan beleidigt, ihre Schlagzeile spiegele „Hass“ wieder. Artikel wie diese ignorierten „die Presseethik“ und befeuerten Fremdenfeindlichkeit. Sie gehörten „in den Mülleimer der Geschichte“. Derlei Vorgehen – andere an Maßstäben zu messen, die man selbst mit dem Stiefel zermalmt –, ist zurzeit auch in den Talkshows des deutschen Fernsehens zu bezeugen: Da sitzen Erdogan-Vertreter, machen einen möglichst aufgeräumten Eindruck und diskutieren mit den anderen scheinbar auf Augenhöhe.

          Anschwellendes „Nazi“-Gebrüll

          Dass es einen Dialog von Gleich zu Gleich unter den Vorzeichen der Demokratie und der Meinungsfreiheit aber gar nicht mehr gibt, demonstriert nicht nur das Gegeifer Erdogans und der Zeitung „Sabah“. Es zeigt sich auch, wenn der türkische Jugendminister Akif Cagatay Kilic bei Anne Will dem Kanzleramtsminister Peter Altmaier gegenübersitzt und nicht in der Lage ist, sich von Erdogans „Nazi“-Gebrüll zu distanzieren. Es war dieser Jugendminister, der dem Journalisten Michel Friedman im vergangenen Jahr gewaltsam die Aufzeichnung eines Interviews entreißen ließ, das Friedman mit ihm gerade für die Deutsche Welle geführt hatte.

          Vor rund einem Jahr begann die Affäre um das Gedicht „Schmähkritik“ des ZDF-Moderators Jan Böhmermann. Der erste Akt war eine Satire des NDR-Magazins „Extra3“ mit dem Titel „Erdowie, Erdowo, Erdogan“, wobei das „g“ als „w“ ausgesprochen wurde. Das war schon damals sehr treffend.

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