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Programmreform beim ZDF : Serientäter sind am Werk

Sie geht aus freien Stücken: Iris Berben als Rosa Roth Bild: Stephanie Kulbach

Auf dem Mainzer Lerchenberg geht es gewöhnlich geruhsam zu. Jetzt aber stellt das ZDF Serien en masse ein. Jüngere Zuschauer sollen her. Das ist nicht ohne Risiko.

          Beim ZDF verschwindet eine Serie nach der anderen, so dass langsam klar ist: Wir haben es mit einer Programmreform zu tun. Und zwar mit einer, die der seit April amtierende Programmdirektor Norbert Himmler im Sauseschritt vornimmt. Wobei sich der Intendant Thomas Bellut gleich eine Hintertür offenlässt. Über die Einstellung der Heimatserien „Der Landarzt“ und „Forsthaus Falkenau“ werde „sicherlich noch mal diskutiert werden“, sagte Bellut am Freitag in Mainz. Es sei noch eine komplette Jahresstaffel da, und so bleibe Zeit, über die Dinge in Ruhe nachzudenken.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Der Landarzt“ soll also weg, „Forsthaus Falkenau“ auch, „Unser Charly“ wird nicht mehr produziert, und es fallen auch die Serien „Kommissar Stolberg“ und „Rosa Roth“. Letztere wird aber offenbar auf Wunsch der Hauptdarstellerin beendet. „An der Spitze des Erfolges sollte man aussteigen“, sagt Iris Berben. „Wir haben Rosa enorm lange am Leben erhalten. Ich wollte einen klaren Strich ziehen - das hat auch etwas mit dem Respekt vor der Rolle zu tun.“

          Nicht ohne Risiko

          Iris Berben spielte Rosa Roth mehr als zwanzig Jahre lang. Sie habe den Sender über ihren Ausstieg früh informiert, so dass man die Möglichkeit hatte, über neue Stücke mit ihr zu sprechen, sagte der Fernsehspielchef Reinhold Elschot. Iris Berben werde bald wieder fürs ZDF vor der Kamera stehen. Man freue sich „auf die nächsten Filme mit ihr“. Die letzte, die einunddreißigste Folge von „Rosa Roth“ wird in Berlin und an der Ostsee noch bis Mitte November gedreht. Sie ist mit prominenten Gastrollen prall besetzt und trägt den Titel „Der Schuss“ - dann ist Schluss.

          So geschieht vieles auf einmal, was beim ZDF gleich den Eindruck einer Revolution erweckt. Doch hat der Intendant Bellut selbstverständlich recht, da er meint, nach zwanzig oder mehr Jahren eine Serie einzustellen sei völlig normal. Ohne Risiko ist das bei den in Rede stehenden Serien gleichwohl nicht, streicht das ZDF doch, um jüngere Zuschauer zu erreichen, Stücke, die das ältere Stammpublikum schätzt. Würde man die Zuseher, die man hat, verprellen und die neuen erst gar nicht bekommen, ginge die Rechnung nicht auf.

          Dagegen verblasst so manches

          Dass das ZDF den Wettbewerb momentan mit einem Marktanteil von 12,6 Prozent anführt, kann dabei keine Beruhigung sein, hat das doch mit dem immensen und immens teuren Sportprogramm zu tun (Champions League, Fußball-EM, Olympische Spiele). Mit dem aber - und da erkennt man die Strategie - sollen gerade Jüngere gelockt werden, auf die das übrige Programm nun abgestellt wird. Wobei der Umschwung in Maßen vor sich geht, etwa mit den betulichen „Rosenheim Cops“ und der inflationären Vermehrung der „Sokos“.

          „Der Alte“ ist mit dem neuen Hauptdarsteller Jan-Gregor Kremp gerade erst für die nächsten Jahre aufgestellt worden, den „Bergdoktor“ gibt es auch noch. Die wahre Zäsur kommt erst: Im Frühjahr 2013 läuft die letzte Folge von „Ein Fall für zwei“. Iris Berben hat es mit „Rosa Roth“ auf einunddreißig Folgen gebracht, der unverwüstliche Claus Theo Gärtner hat den Detektiv Josef Matula einunddreißig Jahre lang gespielt. Gegen diese Ära verblasst so manches.

          Quelle: F.A.Z.

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