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Pro Sieben Sat.1 Die letzten Tage einer Sendergruppe

05.05.2008 ·  Die Einschläge rücken näher: Mit dem Pro-Sieben-Geschäftsführer Andreas Bartl bekommt Pro Sieben Sat.1 einen „Deutschland-Chef“. Das deutet auf eine Teilentmachtung des Vorstandsvorsitzenden Guillaume de Poschs hin und auf eine Versetzung des Senders Sat.1 ins zweite Glied.

Von Michael Hanfeld
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Die Einschläge rücken näher. Zuerst musste der Finanzvorstand Lothar Lanz verkünden, dass er sich zurückziehe, dann war der Vermarktungsvorstand Peter Christmann als Bauernopfer dran. Doch ob das den Finanzinvestoren KKR und Permira am Ende des Jahres reichen wird? Die Spatzen pfeifen von den Dächern, dass die Tage des Vorstandsvorsitzenden von Pro Sieben Sat.1, Guillaume de Posch, gezählt seien.

Wenn die Sendergruppe, wie der „Spiegel“ meldet, in dieser Woche verkündet, dass die Gruppe mit Andreas Bartl, dem Geschäftsführer des Senders Pro Sieben, einen „Deutschland-Chef“ bekommt, den es bislang noch nicht gab, kann man das für einen in einem internationalen Konzern üblichen Schritt halten. Man könnte darin aber auch eine Teilentmachtung de Poschs erkennen und selbstverständlich eine Versetzung des Senders Sat.1 ins zweite Glied.

Sensationelle Synergien

De Posch galt bislang als der Mann, der die Finanzinvestoren mit dem Geschäft der Sender versöhnt. Der eisenhart spart und zugleich den Gewinn Richtung dreißig Prozent schraubt, obgleich der Werbemarkt das nicht mehr hergibt. Die 3,3 Milliarden Euro Schulden aber, mit denen die Investoren die deutschen Sender bei der Fusion mit der skandinavischen Sendergruppe SBS an die Wand gedrückt haben, wollen abgetragen sein. Das alles sollte sich durch sensationelle Synergien beim Einkauf und bei der Produktion des Programms machen lassen. Guillaume de Posch ist derjenige, der diese Botschaft zu verkaufen hat, Andreas Bartl wird sie intern umsetzen müssen. Außer den Finanzinvestor-Eigentümern aber glaubt wohl niemand mehr, dass die Rechnung aufgeht, am wenigsten die gebeutelten Mitarbeiter der Sender, die aus dem finanziellen Nichts den Kampf um Marktanteile aufnehmen sollen, unter anderem gegen einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der über jährliche Gebühreneinnahmen von rund 7,3 Milliarden Euro verfügt.

Dass dem keinerlei Logik mehr innewohnt, nicht einmal eine kapitalistische, sondern dass das nur in einem Ausverkauf enden kann, sagen mit Blick auf das „Trauerspiel“ von Pro Sieben Sat.1 viele (siehe auch: ). Verschärft hat sich die Lage noch dadurch, dass den Sendern die Rabattierung von Werbezeiten verboten worden ist. Die Seven One Media, die für Pro Sieben Sat.1 den Werbeverkauf managt, hat dem Konzern im vergangenen Jahr eine Konventionalstrafe von 120 Millionen Euro eingetragen. Damit sanktionierte das Bundeskartellamt die sogenannten „share deals“, mit denen Großkunden Rabatte gewährt werden. Kleine Konkurrenten, so das Kartellamt, würden dadurch benachteiligt.

Die Krise schlägt durch

Die Strafe traf RTL (mit 96 Millionen Euro) fast genauso hart wie Pro Sieben Sat.1, mit dem Unterschied, dass die RTL-Gruppe dem Bertelsmann-Konzern als Geldquelle lieb und teuer ist und nicht ausgequetscht wird wie eine Zitrone. Analysten, so schrieb diese Zeitung, rechneten allein in diesem Jahr mit Zinskosten von 260 Millionen Euro, die Dividende aber steigt, wovon wiederum die Investoren Permira und KKR profitieren, die sich an der Fusion von Pro Sieben Sat.1 ohnehin schon gesundgestoßen haben, da sie die Kosten der Aktion den deutschen Sendern aufdrückten.

Wurde über das Angebot des Premiere-Chefs Michael Börnicke, Sat.1 zu übernehmen, kürzlich noch gelacht, könnte sich dies angesichts der miserablen Zahlen von Pro Sieben Sat.1 schnell ändern. Die Krise der Werbeeinnahmen nämlich schlägt durch, wobei sich der in der Branche geachtete Verkaufsvorstand Christmann gegen die mächtigen Werbeagenturen nicht damit durchsetzen konnte, die Rabatte in großem Stil zu streichen: Für das erste Quartal wird ein Verlust ausgewiesen, die Aktie ist eingebrochen, der Wert des Konzerns ist um rund ein Viertel gesunken, auf etwa zwei Milliarden Euro, und es sollen abermals siebzig Millionen Euro gespart werden. Wie da gerade der Publikumssender Sat.1 an Boden gewinnen soll, ist ein Rätsel.

Aber vielleicht soll der Sender das ja auch gar nicht. Gar nicht mehr, zumindest nicht mehr als Teil von Pro Sieben Sat.1 und vielleicht bald nicht mehr mit dem Vorstandschef Guillaume de Posch, dem Mann der Zahlen, der auch ein humanistisches Bildungsinteresse besitzt. Das allerdings dürfte bei den Finanzjongleuren von Permira und KKR erst recht nicht gefragt sein.

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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