09.12.2008 · Thomas Ebeling folgt Guillaume de Posch als Vorstandsvorsitzender von Pro Sieben Sat.1. Auf das Rezept des gelernten Pharmamanagers darf man gespannt sein. Er tritt an das Lager eines Patienten, den es vor Fieberschüben schüttelt.
Von Michael HanfeldAm 1. Januar wird der Sender Sat.1 fünfundzwanzig Jahre alt. Doch Grund zu feiern hat niemand. Denn den Sender wird es dann in seiner bisherigen Form nicht mehr geben. Äußerlich geht es dem Schein nach nur um einen Umzug, allerdings vor dem Hintergrund, dass im gesamten Konzern von Pro Sieben Sat.1 225 Stellen gestrichen werden. Dreimal darf man raten, welchen Sender das besonders trifft. Eine Stelle im Konzern musste zum Jahreswechsel aber ganz dringend besetzt werden - die des Vorstandsvorsitzenden.
Der Amtsinhaber Guillaume de Posch hatte im Sommer seinen Rückzug angekündigt. Einen Nachfolger hatte man nicht gefunden - bis zu diesem Dienstag, da der Konzern die Personalie endlich verkünden konnte. Und siehe da: Pro Sieben Sat.1 wird künftig von jemandem geführt, der im Mediengeschäft auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen kann, dem aber ein schillernder Ruf vorauseilt, so dass man meinen könnte: Das passt.
Thomas Ebeling heißt der Mann, zum 1. März 2009 tritt er an, bis dahin führt das Vorstandsmitglied Axel Salzmann die Geschäfte. Ebeling ist in der Pharma-Branche ein Begriff, bis Oktober 2007 war er Pharma-Chef von Novartis, wurde dann abgeschoben zur minder bedeutsamen Sparte „Rezeptfreie Medikamente/Tiergesundheit“, vor sechs Wochen verließ er das Unternehmen. Als „ruppig“ hat ihn die F.A.Z. bezeichnet , was nicht übertrieben sein dürfte, ist von dem studierten Psychologen doch unter anderem eine Rede vor Mitarbeitern überliefert, die man der Wortwahl nach eher einem Heerführer vor der Schlacht zuschreiben würde.
Sollte den Eigentümern von ProSieben Sat.1, den Finanzinvestoren Permira und KKR, so etwas passend erscheinen, darf man für die Zukunft der Sendergruppe nichts Gutes erwarten. Sie pressen den Laden schon jetzt nach allen Regeln der Kunst aus, sie haben die Sender durch die auf Pump finanzierte Fusion mit der skandinavischen SBS-Gruppe mit der gigantischen Schuldensumme von inzwischen 3,7 Milliarden Euro belastet. Und sie demotivieren ihre Mitarbeiterschaft Tag für Tag, als Zuschauer meint man die Tristesse dem Programm von Sat.1 geradezu ansehen zu können. Die wenigen selbst produzierten Serien floppen und werden abgesetzt („Plötzlich Papa“ und „Dr. Molly & Karl“ verschwinden zum Jahreswechsel), der Rest des Programms sieht allzu oft aus wie die Garagenproduktionen aus der Frühzeit des privaten Fernsehens.
Dass selbst ein loyaler Vorstandschef wie de Posch das nicht mehr mitmacht und man für ihn aus der Branche partout keinen Nachfolger fand - es wurden viele Namen gehandelt -, das spricht Bände. Auf das Rezept des gelernten Pharmamanagers Ebeling darf man gespannt sein. Er tritt an das Lager eines Patienten, den es vor Fieberschüben schüttelt.
dieser Pleiteladen zieht sich jetzt die peinlichste Nummer von Novartis an
rene dustmann (reduma)
- 09.12.2008, 20:12 Uhr
Schade eigentlich...
Thomas Minnich (tmin260872)
- 10.12.2008, 08:53 Uhr
Programme mancher Sender sind "zum sich Uebergeben".Wozu braucht man so etwas?
Daniel Kleiner (kleinermannwasnun)
- 10.12.2008, 09:41 Uhr
eine Pleite waere ein Segen
Lukas Werth (lukaswerth)
- 10.12.2008, 10:54 Uhr
Was ist nur mit dem Fernsehen los ?
Dirk Walbrühl (Kelen)
- 10.12.2008, 16:19 Uhr