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Pro Sieben Sat.1 : Das ist der Ausstieg

Satelllitenschüsseln spiegeln sich in Gebäudescheiben von Pro Sieben Sat.1 in Unterföhring bei München Bild: ddp images/AP/CHRISTOF STACHE

Die Sendergruppe Pro Sieben Sat.1 kann sich von ihren Finanzinvestoren verabschieden. Dafür müssen die skandinavischen Sender verkauft werden, denn KKR und Permira verklangen einen hohen Preis.

          Auf diese Nachricht hat die Branche seit langem gewartet. Sie findet sich am Ende der ellenlangen Mitteilung, ist auch verklausuliert, nichtsdestotrotz unmissverständlich: Die Finanzinvestoren KKR und Permira werden sich von der Sendergruppe Pro Sieben Sat.1 im nächsten Jahr verabschieden. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien sollen in Stammaktien verwandelt, und diese könnten dann zum Börsenhandel zugelassen werden. Das war der Plan des Pro-Sieben-Sat.1-Chefs Thomas Ebeling, und in diesem wird er von der Mehrheitsaktionärin Lavena - hinter der die Investoren KKR und Permira stecken - nun unterstützt. Sie lassen sich den Schritt vergolden, plant die Sendergruppe doch, eine Rekorddividende von 1,2 Milliarden Euro auszuschütten. Für den Ausstieg der Investoren zahlt Pro Sieben Sat.1 also einen sehr hohen Preis.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das Geld für seinen Plan erlöst Ebeling jetzt durch den Verkauf der skandinavischen Sender, die zu Pro Sieben Sat.1 gehören, für 1,325 Milliarden Euro. Die Sender gehen an den amerikanischen Medienkonzern Discovery. So erspart Ebeling den skandinavischen Mitarbeitern, dass sie für Finanzinvestoren schuften, und wird die eigenen los. Und er reduziert die Verbindlichkeiten, 500 Millionen Euro sollen in den Schuldendienst gehen.

          Kreative und finanzielle Anstrengungen sind gefragt

          Damit gelingt Ebeling ein Parforceritt, er gewinnt die Oberhand in einem Ringen, in das sich nicht jeder Vorstand gegenüber den Eigentümern traut. Seit der Übernahme durch KKR und Permira, die Pro Sieben Sat.1 2006 Haim Saban und dessen Finanziers abkauften, ächzte die Sendergruppe unter dem Schuldenberg von 3,3 bis 3,4 Milliarden Euro, mit dem die Investoren sie belasteten. Zwar forderten KKR und Permira nicht bei jeder Gelegenheit - etwa dem Verkauf der niederländischen und belgischen Sender - ihren Tribut, auch drang Ebeling auf Schuldenabbau und Investitionsspielräume (Steinbrück würde sagen: „Beinfreiheit“). Doch erwirtschafteten die Sender Jahr um Jahr ansehnliche Dividenden, 245 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr.

          Im harten Wettbewerb gegen RTL (das seinerseits die Melkkuh des Mutterkonzerns Bertelsmann ist), gegen die mit rund 7,5 Milliarden Euro Gebührengeldern pro Jahr ausgestatteten öffentlich-rechtlichen Sender sowie die neuen Megaplayer im Internet kann eine Sendergruppe aber nur bestehen, wenn sie über Eigentümer verfügt, die das Geschäft um seiner selbst und nicht um des maximalen Profits willen betreiben. Vom Erfolg des Programms, von den Inhalten hängt die Stärke der Marke ab. Und diese ist - auch wenn der Börsenkurs stimmt - im Zuschauermarkt bedroht. Der größte Sender im Verbund, Sat.1, könnte dieses Jahr erstmals seit langem mit einem Marktanteil von unter zehn Prozent abschließen. Da sind kreative und finanzielle Anstrengungen gefragt.

          Der passionierte Boxer Thomas Ebeling, der Pro Sieben Sat.1 seit März 2009 führt, ist mit den Investoren über zwölf Runden gegangen. Am Ende heißt es: Sieg nach Punkten.

          Quelle: F.A.Z.

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