Home
http://www.faz.net/-gsb-752bg
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Pro Sieben Sat.1 Das ist der Ausstieg

Die Sendergruppe Pro Sieben Sat.1 kann sich von ihren Finanzinvestoren verabschieden. Dafür müssen die skandinavischen Sender verkauft werden, denn KKR und Permira verklangen einen hohen Preis.

© ddp images/AP/CHRISTOF STACHE Vergrößern Satelllitenschüsseln spiegeln sich in Gebäudescheiben von Pro Sieben Sat.1 in Unterföhring bei München

Auf diese Nachricht hat die Branche seit langem gewartet. Sie findet sich am Ende der ellenlangen Mitteilung, ist auch verklausuliert, nichtsdestotrotz unmissverständlich: Die Finanzinvestoren KKR und Permira werden sich von der Sendergruppe Pro Sieben Sat.1 im nächsten Jahr verabschieden. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien sollen in Stammaktien verwandelt, und diese könnten dann zum Börsenhandel zugelassen werden. Das war der Plan des Pro-Sieben-Sat.1-Chefs Thomas Ebeling, und in diesem wird er von der Mehrheitsaktionärin Lavena - hinter der die Investoren KKR und Permira stecken - nun unterstützt. Sie lassen sich den Schritt vergolden, plant die Sendergruppe doch, eine Rekorddividende von 1,2 Milliarden Euro auszuschütten. Für den Ausstieg der Investoren zahlt Pro Sieben Sat.1 also einen sehr hohen Preis.

Michael Hanfeld Folgen:  

Das Geld für seinen Plan erlöst Ebeling jetzt durch den Verkauf der skandinavischen Sender, die zu Pro Sieben Sat.1 gehören, für 1,325 Milliarden Euro. Die Sender gehen an den amerikanischen Medienkonzern Discovery. So erspart Ebeling den skandinavischen Mitarbeitern, dass sie für Finanzinvestoren schuften, und wird die eigenen los. Und er reduziert die Verbindlichkeiten, 500 Millionen Euro sollen in den Schuldendienst gehen.

Kreative und finanzielle Anstrengungen sind gefragt

Damit gelingt Ebeling ein Parforceritt, er gewinnt die Oberhand in einem Ringen, in das sich nicht jeder Vorstand gegenüber den Eigentümern traut. Seit der Übernahme durch KKR und Permira, die Pro Sieben Sat.1 2006 Haim Saban und dessen Finanziers abkauften, ächzte die Sendergruppe unter dem Schuldenberg von 3,3 bis 3,4 Milliarden Euro, mit dem die Investoren sie belasteten. Zwar forderten KKR und Permira nicht bei jeder Gelegenheit - etwa dem Verkauf der niederländischen und belgischen Sender - ihren Tribut, auch drang Ebeling auf Schuldenabbau und Investitionsspielräume (Steinbrück würde sagen: „Beinfreiheit“). Doch erwirtschafteten die Sender Jahr um Jahr ansehnliche Dividenden, 245 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr.

Mehr zum Thema

Im harten Wettbewerb gegen RTL (das seinerseits die Melkkuh des Mutterkonzerns Bertelsmann ist), gegen die mit rund 7,5 Milliarden Euro Gebührengeldern pro Jahr ausgestatteten öffentlich-rechtlichen Sender sowie die neuen Megaplayer im Internet kann eine Sendergruppe aber nur bestehen, wenn sie über Eigentümer verfügt, die das Geschäft um seiner selbst und nicht um des maximalen Profits willen betreiben. Vom Erfolg des Programms, von den Inhalten hängt die Stärke der Marke ab. Und diese ist - auch wenn der Börsenkurs stimmt - im Zuschauermarkt bedroht. Der größte Sender im Verbund, Sat.1, könnte dieses Jahr erstmals seit langem mit einem Marktanteil von unter zehn Prozent abschließen. Da sind kreative und finanzielle Anstrengungen gefragt.

Der passionierte Boxer Thomas Ebeling, der Pro Sieben Sat.1 seit März 2009 führt, ist mit den Investoren über zwölf Runden gegangen. Am Ende heißt es: Sieg nach Punkten.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Private Equity Renditen unter Druck

Private Equity wird für Investoren in der Niedrigzinsphase attraktiver. Pensionskassen und Vermögensverwalter erhöhen ihr Engagement und verstärken den Anlagezwang in dem engen Markt. Mehr

25.08.2014, 11:40 Uhr | Finanzen
Abgang vom Parkett WMF verlässt die Börse

Der Kochgeschirr-Hersteller WMF, eine der ältesten deutschen Aktiengesellschaften, stellt die Börsennotierung ein. Für die Aktionäre hat sich das Engagement gelohnt. Mehr

25.08.2014, 13:35 Uhr | Finanzen
Holtzbrinck Ventures Ein neuer Investor für Rocket Internet

Holtzbrinck Ventures steigt nun auch direkt bei Rocket Internet ein. Mit 2,5 Prozent beteiligt sich die Wagniskapitalgesellschaft an dem Unternehmen der Samwer-Brüder. Mehr

22.08.2014, 12:05 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 14.12.2012, 15:53 Uhr

Weltenklang

Von Helmut Mayer

Fernsprechen ist mit der fatalen Verbreitung von Mobiltelefonen eine enervierende öffentliche Angelegenheit geworden. Bleibt einzig noch die Hoffnung, dass in Zukunft wirklich mehr getippt als laut erzählt wird. Mehr 1