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Presserat-Entscheidung : Germanwings-Kopilot durfte benannt werden

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Eine „Tat, die in ihrer Art und Dimension einzigartig ist“, habe Andreas Lubitz begangen. Daher darf man ihn auch abbilden. Bild: AP

Die Tat ist so außergewöhnlich, dass das öffentliche Interesse überwiegt: Der Presserat entschied, dass der Kopilot Lubitz in der Berichterstattung abgebildet und identifiziert werden durfte. Die Abbildung der Opfer hingegen verstieß gegen die Richtlinien.

          Der Kopilot des Germanwings-Flugs 4U9525 durfte nach Ansicht des Deutschen Presserats in den allermeisten Fällen benannt und abgebildet werden. Die Abbildung von Opfern und deren Angehörigen war jedoch in der Regel unzulässig. Zu diesem Ergebnis kamen am Donnerstag die Beschwerdeausschüsse des Presserats. Insgesamt hatten 430 Menschen die Berichterstattung beanstandet. Das ist die höchste Zahl an Beschwerden zu einem einzelnen Ereignis seit Gründung der Freiwilligen Selbstkontrolle der Presse.

          Es handele sich, so die Begründung, um eine außergewöhnlich schwere Tat, die in ihrer Art und Dimension einzigartig sei. Das rechtfertige sowohl die Nennung des Nachnamens als auch des Wohnortes des Kopiloten, selbst wenn dadurch die Eltern identifiziert werden könnten. Ab der Pressekonferenz der Staatsanwaltschaft Marseille am 26. März habe man davon ausgehen können, das es sich um eine vorsätzliche Tat und nicht um ein Unglück gehandelt habe. Nicht entscheidend war hingegen die Nennung des Namens durch internationale Medien, da man sich an die Maßstäbe im eigenen Land zu richten habe.

          Das Klassenfoto durfte nicht gezeigt werden

          Eine Rüge gegen die „Bild-Zeitung“ und deren Online-Pendant sprach der Beschwerdeausschuss hingegen aus, weil sie mehrfach Namen und Bilder der Opfer veröffentlicht hat. Auch das Foto einer Schulklasse, zu der Opfer des Unglücks gehörten, verstieß gegen den Persönlichkeitsschutz – auch dann, wenn Gesichter unkenntlich gemacht worden waren. Auch der Nachdruck einer Todesanzeige mit dem Namen eines der Schüler, insbesondere in Kombination mit dem Klassenfoto, wurde als unzulässig gerügt.

          An den Flughäfen in Düsseldorf und Barcelona wurden Angehörige der Opfer fotografiert. Die Veröffentlichung dieser Bilder wurde nur missbilligt und nicht gerügt, da sie sehr schnell wieder von der Seite gelöscht worden seien. 

          Nicht für Geschmacksfragen zuständig

          Eine Rüge erging an die Rheinische Post, weil diese zu detailliert über die Freundin des Piloten berichtet hatten, so dass diese für einen erweiterten Personenkreis identifizierbar war. Die „Bild“ musste sich eine weitere Rüge für ihre Berichterstattung über die Eltern gefallen lassen. Auch die Abbildung des Elternhauses mit Umgebung waren nicht zulässig.

          Die Kolumne in der “Bild-Zeitung“ „Post von Wagner: Liebe Absturzopfer“ in der „Bild“ stellte laut Presserat keinen Verstoß gegen den Pressekodex dar – er fügt hinzu, dass der Rat zu Entscheidungen über guten oder schlechten Geschmack nicht berufen sei.

          Insgesamt sprach der Deutsche Presserat im Zusammenhang mit dem Germanwings-Unglück 2 öffentliche Rügen, 6 Missbilligungen und 9 Hinweise aus. Es lagen 50 Fälle mit 359 Beschwerden vor. Einige Beschwerden wurden darüber hinaus nicht behandelt, weil sie allgemeine Medienkritik betrafen oder sich gegen den Rundfunk richteten, für den der Presserat nicht zuständig ist.

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