In der Sendergruppe Pro Sieben Sat.1 gibt es ein großes Personalrevirement. Die beiden wichtigsten Sender, Sat.1 und Pro Sieben, bekommen neue Geschäftsführer. Bei Sat.1 hat vom 1. Oktober an Nicolas Paalzow das Sagen, der bis 2004 schon einmal Chef von Pro Sieben war. Dort wiederum tritt Wolfgang Link als Geschäftsführer an. Jürgen Hörner, der bisherige Pro-Sieben-Chef, übernimmt die Verantwortung für die gesamte deutsche Sendergruppe, die zuvor der im Frühjahr gekündigte Vorstand Andres Bartl ausübte. Den Auslöser für den Postenwechsel hat indes Joachim Kosack gesetzt: Er wechselt als Geschäftsführer zum national größten Produktionsunternehmen der Branche, der Ufa.
Deren Umbau hatte der Ufa-Vorstandsvorsitzende Wolf Bauer hatte im Gespräch mit dieser Zeitung angekündigt, dass aus vielen einzelnen Firmen und Marken, die zur Ufa zählen, drei Produktionseinheiten werden sollen. Die „digitale Transformation“ reiße alle Mediengeschäfte mit, multimediale Gesamtlösungen seien gefragt und für diese brauche es eine neue Aufstellung.
Kosack kehrt dahin zurück, wo seine Fernsehlaufbahn begann
Konkret bedeute dies, dass drei der bekanntesten Produktionsfirmen der Ufa fusionieren, an ihrer Spitze zwei der erfolgreichsten Kreativen der Branche: Die bislang getrennten Firmen Ufa Fernsehproduktion, Ufa Cinema und die Teamworx werden als „Teamworx Ufa“ eins, geleitet von dem bisherigen Teamworx-Chef Nico Hofmann. Ihm zur Seite stehen der bisherige Sat.1-Chef Kosack und Joachim Schuster.
„Nach spannenden Jahren bei Pro Sieben Sat.1 freue ich mich, dahin zurückzukehren, wo meine Fernsehlaufbahn begann – zur Ufa“, sagte Kosack zu seinem Wechsel. „Mit Nico Hofmann hat mich über all die Jahre immer die gleiche Leidenschaft für besonderes Fernsehen verbunden. Schon länger warten wir darauf, erneut zusammenzuarbeiten.“
Ein denkbar starkes Team
Hofmann und Kosack kennen sich aus gemeinsamen Tagen – von 2001 bis 2006 war Kosack Produzent bei Teamworx und zeichnete für bedeutende Stücke verantwortlich („Stauffenberg“, „Baal“, Lulu“). Davor war er als Autor, regisseur für die ebenfalls zur Ufa gehörende Grundy tätig („Gute Zeiten, schlechte Zeiten“, „Hinter Gittern“). Als Geschäftsführer und davor Fiktionschef sorgte er mit dafür, dass der Sender sich seiner einstigen Stärke – selbstproduzierte Filme und Serien –, wieder besann und mit „Der letzte Bulle“ und „Danni Lowinski“ nach Jahren der Abstinenz eigene Serien wieder ins Programm kamen. Nico Hofmann, ein Produzent mit besonderem Faible für exemplarische Geschichten, die Geschichte verarbeiten, hat Teamworx 1998 gegründet und die Firma seither zur ersten Adresse für anspruchsvolles Fernsehen auf allen Kanälen gemacht („Der Tunnel“, „Dresden“, „Mogadischu“). Hofmann hat einige der vielversprechendsten Stücke im Regal, die in der kommenden Saison laufen („Rommel“, „Der Turm“).
Mit den beiden hat die Ufa ein denkbar starkes Team am Start, wohingegen Sat.1 seinen Nimbus verteidigt, der Sender mit dem größten Geschäftsführerverschleiß zu sein – acht Namen finden sich auf der Liste seit dem Jahr 2000, die Zahl wird nur noch übertroffen durch den Numerus der Logos und der Slogans, mit denen Sat.1 für sich warb. Nicola Paalzow, der zuletzt bei der Produktionsfirma MME wirkte, ist freilich ein ausgewiesener Kenner des Geschäfts und der Sendergruppe, deren Kurs für das als Voll- und Familienprogramm aufgestellte Sat.1 indes nie eindeutig war. Zuletzt musste es einem scheinen, als setze Sat.1 nicht nur während der Fußball-EM und Olympischen Spiele auf amerikanische Kaufware und diese dann auch noch in der soundsovielten Wiederholung.