http://www.faz.net/-gqz-93i5q

Polizeischutz Charlie Hebdo : Sechste Säule der Terroristen

Wegen eines Vergleichs des Schweizer Islamwissenschaftlers Tariq Ramadan mit Harvey Weinstein bedarf es erneut Polizeischutz bei „Charlie Hebdo“. Bild: AFP

Die Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ wird abermals bedroht, weil sie Tariq Ramadan als „Islam-Weinstein“ auf den Titel bringt. Eine Journalistin steht unter Polizeischutz.

          Mitten in der Nacht wurde an der Haustüre gebrüllt und gepoltert. Der Name der Journalistin, die hier wohnt, steht weder auf der Klingel noch im Telefonbuch. Auch in Deutschland ist sie nicht ganz unbekannt: Nadia Daam war regelmäßig in der Sendung „28 Minuten“ auf Arte zu sehen und wurde für ihre Schlagfertigkeit gelobt. Gegenwärtig ist sie vor allem im Morgenprogramm des Radiosenders „Europe1“ zu hören. Vergangene Woche kommentierte sie die Reaktion der Netzwerke auf eine von zwei Feministinnen lancierte App, die Frauen im Falle von sexuellen Belästigungen helfen will. Nadia Daam berichtete, was auf dem „Forum Blabla 18 – 25 Jahre“ so alles dazu gesagt wurde. Die Plattform ist ein Tummelbecken der Antifeministen und Rassisten. Sie empfahl ihnen, ihr „Gehirn der Wissenschaft zu vermachen, um zu erforschen, wie man so dumm sein und dennoch leben kann“.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

          Das „Forum Blabla“ gehört dem Milliardär Marc Ladreit de Lacharrière“, der im Wahlkampf François Fillon unterstützte und als Eigentümer der „Revue des Deux-Mondes“ dessen Frau astronomische Mitarbeiterhonorare für nie erschienene Texte auszahlen ließ. Der Shitstorm gegen Nadia Daam überstieg das übliche Maß. Ihre Mail-Konten wurden gehackt, man meldete sie auf Dating-Portalen an. Vergewaltigungs- und Morddrohungen wurden ausgesprochen und der Name ihrer Tochter erwähnt. „Europe 1“ hat Anzeige erstattet, Nadia Daam wurde unter Polizeischutz gestellt – und ist weiter im Rundfunk zu hören.

          Stand Ramadan unter Schutz des französischen Innenministeriums?

          Der Terror der Trolls gegen die Journalistin mit marokkanischen Wurzeln wird durch die Enthüllungen über Tariq Ramadan angestachelt. Ausgerechnet der umstrittene Islam-Intellektuelle entpuppt sich als „French Weinstein“. Am Wochenende berichtete die „Tribune de Genève“, dass Ramadan als Lehrer am Genfer Gymnasium systematisch minderjährige Schülerinnen verführte. Die erstaunlichste Aussage machte der französische „Monsieur Islam“ im Nachrichtenmagazin „L’Obs“, Bernard Godard. Er war zwischen 1997 und 2014 unter den Präsidenten Chirac, Sarkozy und Hollande im Innenministerium für den Islam zuständig. Über Tariq Ramadan sagte er: „Dass er viele Geliebte hatte, dass er auf Portalen surfte, dass man ihm nach den Vorträgen Frauen im Hotel zuführte. Dass er sie dazu animierte, sich auszuziehen, dass ihm einige Widerstand entgegensetzten und er aggressiv und gewalttätig werden konnte, ja. Aber nie habe ich von Klagen wegen Vergewaltigung gehört. Ich bin verblüfft.“

          Schonte das französische Innenministerium Ramadan, weil er für den Dialog mit den Jugendlichen in den Banlieues gebraucht wurde? Die Journalisten, die informiert waren, schwiegen aus Mangel an Beweisen. Die islamischen Organisationen, die Ramadan unterstützten, hüllen sich in betretenes Schweigen. Ramadan Verteidigung ist so unvorstellbar wie sein Verhalten: Es sei alles gelogen und handele sich um eine Verschwörung der französischen Juden.

          Für „Charlie Hebdo“ ist der Sündenfall des Theologen, der die islamischen Tugenden predigt, ein gefundenes Fressen. Die Satirezeitschrift brachte Ramadan mit einer Erektion in der Hose auf das Cover: „Die sechste Säule des Islams“. Am kommenden Donnerstag bringt „Charlie Hebdo“ ein Sonderheft über den ersten französischen Terrorismus-Prozess. In Toulouse wurde der ältere Bruder von Mohammed Merah, der in einer Schule drei jüdische Kinder tötete, zu zwanzig Jahren Gefängnis verurteilt. Der Karikaturist und Journalist Riss, seit dem Attentat Chef von „Charlie Hebdo“, hat die Verhandlungen verfolgt: „Ich wollte verstehen, wie diese Leute funktionieren.“ Wegen des Tariq-Ramadan-Covers wird die Zeitschrift von einer „Welle massiver Morddrohungen“ überschwemmt.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Kleiner Panda begeistert Franzosen Video-Seite öffnen

          Zoo von Beauval : Kleiner Panda begeistert Franzosen

          Der kleine Panda Yuan Meng verzückt derzeit die Besucher des Zoos Beauval im französischen Saint-Aignan. Dort wurde das Jungtier bereits Anfang August geboren. Jetzt feierte der neue Star des Zoos seinen ersten Auftritt vor den Besuchern. Seine Patin ist die Gattin des französischen Staatspräsidenten.

          Der Terroristen-Jäger

          GSG-9-Chef Fuchs : Der Terroristen-Jäger

          Seine Eliteeinheit wächst und soll einen neuen Standort in Berlin bekommen. Das ist ganz im Sinne ihres 47 Jahre alten Kommandeurs – aber auch eine große Herausforderung für Jerome Fuchs.

          Die Hightech-Gemüsekiste Video-Seite öffnen

          Spezial-Gewächshaus : Die Hightech-Gemüsekiste

          „Eden-ISS“ soll frisches Grün in der Antarktis und auch bei einer Marsmission liefern. Das Gewächshaus wurde von dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt entwickelt und bereits in Bremen getestet.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Von Darth Vader zu „Sloopy Steve“. Steve Bannon am Dienstag auf dem Kapitol in Washington

          Aussagemarathon : Wie gefährlich ist Bannon für Trump?

          Sonderermittler Robert Mueller hat Trumps ehemaligen Chefstrategen Steve Bannon vorgeladen. Beobachter spekulieren bereits, ob beide einen Handel abgeschlossen haben könnten.
          Ein Schild mit der Aufschrift „Wir streiken“ der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft GEW hängt am 02.03.2015 an einem Zaun vor der Fläming Grundschule in Berlin.

          Verfassungsbeschwerden : Dürfen Beamte bald streiken?

          Ein neuer Konflikt zwischen Karlsruhe und dem Menschenrechtsgerichtshof bahnt sich an. Vier beamtete Lehrer wollen sich vor dem Bundesverfassungsgericht das Streikrecht erkämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.