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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

„Pillen für den Störenfried“ im Ersten Mein Kopf sagt mir keine dummen Dinge mehr

 ·  Geben wir dem Kleinen Ritalin oder nicht? Das ist für viele Eltern von wilden Jungs die Frage. Der Film „Pillen für den Störenfried“ zeigt auf, woran nicht die Kinder, sondern Erwachsene kranken.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (16)

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Andreas Stadelmann

Mädchen werden gar nicht erwähnt

Ich habe mir am späten Abend diese Sendung angesehen und bin enttäuscht über diese schwache Reportage. Meine 8jährige Tochter hat selbst ADHS - in sehr stark ausgeprägter Form. Seit ihrem 4. Lebensjahr haben wir die Diagnose schwarz auf weiss. Aus eigener Erfahrung weiss ich nur zu gut, wie die Umwelt dieses Thema stigmatisiert. Nach nun mehr 4 Jahren wissen wir, dass das ADHS unserer Tochter genetisch bedingt ist (vererbt von der Großmutter) und dass die Ergotherapie nur eine Zeitlang hilft (je nach Engagement der Therapeutin). Im 1. Kindergarten musste sie auf den stillen Stuhl, im 2. Kindergarten gabs keine Probleme danke einer starken Kindergärtnerin. In der 1. Grundschule wollte man sie auf die Förderschule abschieben, auf der Gastschule nun klappt es wunderbar dank einer respektvollen Lehrerin. Ja, meine Tochter bekommt Methylphenidat (Ritalin verträgt sie nicht). Von Erziehungs- bis Ernährungsumstellung hatten wir vorher alles durch. Die Realität ist viel komplexer ...

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Helga Zießler

Noch ein paar Worte zum "Betreuungsgeld", das in dem hervorragenden Artikel

... von Herrn Hanfeld auch angesprochen wird.

Vor ein paar Tagen hat Frau Merkel bei einer Veranstaltung in Hamburg das Thema ebenfalls angeschnitten und zu dieser umstrittenen Alimentierung folgendes gesagt:
"Jeder soll frei wählen können. Ich bin der tiefen Überzeugung, die Menschen können das, und man sollte sie dabei ernstnehmen", sagte die Kanzlerin wörtlich.

Als ich diese Sätze in einer Zeitung las, traute ich erst meinen Augen nicht. Was ist in diese Frau gefahren? Bin ich als deutscher Bürger etwa ein Kleinkind, dem man gut zureden und sagen muß "du kannst das schon!"?? Wieso betont Merkel, dass "man" mich "ernstnehmen sollte"? Das ist doch wohl eine Selbstverständlichkeit! Oder nimmt Frau Merkel mich nur ernst, wenn ich ihr bei Wahlen meine Stimme gebe, und hält mich ansonsten für geistig behindert?
Nun, Frau Kanzlerin, SO geistig behindert bin ich wirklich nicht, dass ich SIE wählen würde. Denn leider kann ich weder ernstnehmen, was Sie sagen, noch was Sie politisch tun.

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Helga Zießler

Mir kann niemand einreden, dass Jungen heute anders sind als früher

...sie sind, wie schon immer, anders als Mädchen und vor allem anders, als die meisten Erwachsenen heute sie sich wünschen. Ich habe selber zwei Kinder großgezogen, Mädchen und Junge. mein Sohn war ein ganz "normales" Kind, mal lieb, mal aufsässig, gut in der Schule (bockig wurde er nur, als er in der Grundschule stricken lernen sollte). Es gab keine Verbote für "Räuber-und-Polizei"-Spiele oder das Herumballern mit (Plastik-)Pistolen, und als er etwa zehn war, brachte der Vater ihm das Schießen mit Pfeil und Bogen und - damals ein Graus - mit einem Luftgewehr bei. Dennoch wurde er nicht kriminell, sondern Jurist und hat heute vier Kinder. Bei meinem ältesten Enkel erfuhr ich dann erstmalig von der Krankheit ADHS und Ritalin. Das sollte der Junge auf Anraten von LehrerINNEN und SchulpsychologINNEN auch nehmen. Die Eltern lehnten ab. Jetzt ist der Junge 14, völlig "normal" und nicht anders als andere Jungs.
Die Jungs haben es in unserer Gesellschaft heute nur viel schwerer als früher.

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Maria Reinke

Pillen für den Störenfried

Auch ich habe einen solchen aufgeweckten Sohn. Als nichts anderes mehr ging gaben wir im Ritalin. Bis Juli 2011. Jonas ist jetzt 14 Jahre alt und nimmt seit August 2011 Vitalstoffe auf Naturbasis. Die helfen genauso gut. Schade, dass so wenige Eltern wissen, dass es diese Alternative gibt und so wenige den Mut haben, das unerforschte Medikament gegen natürliche Vitamine einzutauschen.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 08.05.2012 16:21 Uhr
Helga Zießler

Kann es nicht auch sein, Frau Reinke,

dass Ihr Sohn das Ritalin gar nicht nötig gehabt hätte und auch keine "natürlichen Vitamine"? Ich verweise auf meine Antwort an @Christian Dürig.

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Karsten Krug
Karsten Krug (kkrug) - 08.05.2012 08:54 Uhr

Angebote für schwierige Jungen fehlen

da wird jahrzehntelnag über Mädchen- und Ausländerförderung politisiert und immense Projekte dazu finanziert und wo sind dergleichen Projekte für Jungen.

Oft sind diese körperlich und geistig unterfordert und ihre ungezügelte Kraft führt zu Verhaltensauffälligkeiten.

Wichtig wäre in diesem Zusammenhang bei den Jungen den Mannschaftssport wie Fuß- oder Handball oder auch handwerkliche Arbeiten stark einzuflechten, um ihre Kraft ausleben zu können. Sie wären äußerst dankbar nicht nur als die "bösen Jungs" dazustehen sondern zu zeigen was sie können ...

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Felix Andersen

Schöne neue Welt

Ritalin ergänzt doch wunderbar die angerissene Kita-Pflicht.
Vielleicht kann man's auch gleich ins Trinkwasser einspeisen.

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Christian Duerig
Christian Duerig (crigs) - 07.05.2012 18:29 Uhr

ANPASSUNG

Es sind die Schulen, die sich dem Problem stellen müssen.
Welche Schule bietet schon eine helle Bibliothek mit Magazinen, Zeitungen, Fachbüchern, Belletristik, Lexikons usf. an ? Wo sind die Fenster bis zum Fussboden durchgezogen ? Wo fühlen sich Lernende in einer Umgebung mit dem "DA DRAUSSEN" ? Wo sind die Lernenden wirklich ins Leben eingebunden ? Wo haben wir in den Schulen Krankenschwestern vorort ? Wo haben wir Psychologen vorort ?
Ich habe in Australien an einer Privatschule Mathematik und Physik unterrichten können, und zwar bis zur Abitur. Hier war alles vorhanden. Die Lernenden konnten frei wählen, wo sie sich am Unterricht beteiligen wollten. Ab und zu taten sie es von der "Winter-Sommer-Garten" Glashaus-Bibliothek aus. Sie wollten in Ruhe nachforschen mit Referenzliteratur.
Die Regel in der Bibliothek war: Es wird kein einziges Wort gesprochen ! Schriftlich wurden Anliegen Kund getan und schriftlich wurde darauf reagiert. Ruhe und Selbstbeherrschung war oberstes Ziel.

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Antworten (8) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 10.05.2012 01:14 Uhr
Helga Zießler

Ach Herr Dürig -

Meine Erziehungsmethoden lassen also "Raum für Gewalt". Das ist schon ziemlich hart an der Grenze zur Diffamierung! Pardon - aber ich bin froh, dass meine Kinder keinen Lehrer gehabt haben, der Ihre seltsamen Erziehungsmethoden gutgeheißen hätte.
Und Selbstjustiz? Wo denn? Und was soll der Fall des armen Mädchens mit Mukoviszidose? Traurig genug, aber der Fall hat ja nun wohl rein garnichts mit dem Thema hier zu tun.

Um meine Kinder - Tochter und Sohn - brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen, beide sind längst erwachsen und zu anständigen, selbstbewußten und erfolgreichen Menschen geworden, nicht zu Gewalttätern. Und das sogar ohne die von Ihnen prophezeiten Katastrophen, obwohl ich sie nicht dauernd kontrolliert habe! Bei meinen vier Enkelkindern ist das nicht anders. Die dürfen sich auch "austoben", ohne in eine Gummizelle gesteckt zu werden, wie Sie es empfehlen. Und werden sicherlich ebenfalls zu anständigen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft - genau wie ihre Eltern!

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Christian Duerig
Christian Duerig (crigs) - 09.05.2012 17:37 Uhr

WERKZEUGKASTEN

Frau Helga Ziessler, denken Sie nach. Der Werkzeugkasten kann eine Unterstützung und Hilfe sein. Wenn aber das Moped zum Austoben benutzt werden sollte, dann sehe ich die Katastrophe auf Sie zukommen. Leicht lässst sich erworbenen Wissen missbrauchen. Seien Sie wachsam und kontrollieren Sie Ihre Tochter. Ich hoffe, Sie haben eine liebenswürdige Tochter. Viel Glück.

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Christian Duerig
Christian Duerig (crigs) - 09.05.2012 16:07 Uhr

LESEN SIE GENAU

Nur Selbstkontrolle ermöglicht Neugierde, Motivation, Konzentration und Ausdauer.
Ihr Austoben bemüht sich der Selbstjustiz. Sorry, wir leben in einem Rechtssystem. Hier entscheidet der Richter. Ihre Erziehungsmethode, Frau Helga Ziessler, lassen Raum für Gewalt. Bitte denken Sie nach.
Meine Schüler waren stolz auf ihr Erreichtes. Der Zukunft machte sie zuversichtlich. Sie wussten, dass sich das Glück einstellen wird.
Trotzdem verbuchten wir Rückschläge. Der schlimmste Fall war, ein Mädchen mit Muskivizidose musste die Matura unter künstlicher Sauerstoffzufuhr absolvieren. Das Examen war eine Leichtigkeit; aber der anschliessende Tod keine Belohnung. Heute erinnert ein Denkmal auf dem Schulgelände an dieses Mädchen.

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Helga Zießler

Danke, dass Sie sich die Mühe einer weiteren Antwort gemacht haben, Herr Dürig

Aber ich sehe nun klar, dass wir da nicht auf einen gemeinsamen Nenner kommen.
Das mit der Nachahmung nehme ich noch hin - obwohl meine Tochter, so mit 13, 14 Jahren, ihre Neigung zur Technik entdeckte und sich einen Werzeugkasten zum Geburtstag wünschte, um Fahrrad und "Mofa" selber reparieren zu können. Hätte ich ihr das verbieten sollen?
Wenn Sie dann aber behaupten, der - meiner Erfahrung nach ganz natürliche - Drang der Jungs zum gegenseitigen Kräftemessen sei "verwerflich und muss unterbunden werden" und postulieren, dieser Junge "gehört in den gepolsterten Raum" - also, dann "schnall ich ab"! Eltern, die ihrem Sohn so etwas antun würden, gehörten wegen Mißhandlung angezeigt! Ich kenne keinen Lehrer, Anwalt, Arzt oder Juristen, der solch eine "Erziehungsmaßnahme" befürworten würde. Was soll aus einem Jungen werden, der, wie Sie fordern, "diese Haltung akzeptieren MUSS"? Ein geduckter, angepasster, ängstlicher Mensch ohne jede "Neugierde, Motivation, Ausdauer und Lernerfolg".

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Christian Duerig
Christian Duerig (crigs) - 08.05.2012 22:43 Uhr

KONTROLLIERE DICH SELBST IST DAS ZIEL

Frau Helga Ziessler, des wirkungsvollste Lernen geschieht durch die Nachahmung. Mädchen spielen mit Puppen, Kleidern und Springseil. Ihr Spiel ist sehr nahe. Knaben spielen mit Bällen, Pfeilbogen, Drachen, Modellflietern, Modellautos, Modellschiffen und nehmen dabei immer eine grössere Distanz ein. Das Spielen kontrollieren die Kindern.
Das Austoben entfernt jegliche Kontrolle und ein Lerneffekt ist nicht vorhanden. Toben ist in einem ausgepolsterten Raum sicherer als im Freien. Hier wird niemand einer Gefahr ausgesetzt. Das sich gegenseitige Verprügeln ist verwerflich und muss unterbunden werden. Wer sich nicht fügen kann, der gehört in den gepolsterten Raum. Nicht einmal sein Schreien wird wahrgenommen. Ausschlafen und Nachdenken ist die Medizin für Streitigkeiten. Jeder Lehrer, Anwalt, Arzt und Jurist weiss das. Die Jungen müssen diese Haltung akzeptieren.
Nur Selbstkontrolle ermöglicht Neugierde, Motivation, Ausdauer und Lernerfolg. Zuspruch und Unterstützung bieten die Lehrer an.

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Weitere Antworten (3) zu dieser Lesermeinung anzeigen
Helga Zießler

Es fällt mir schwer, Ihnen zu antworten, Herr Dürig

...weil ich nicht weiß, ob Sie mich oder ich Sie mißverstehe. Eindeutig ist Ihre Feststellung, dass das Geschlecht der Bezugsperson keine Rolle spiele. Da bin ich gegensätzlicher Meinung. Ein männlicher Lehrer hat einen ganz anderen Einfluss auf einen Jungen, er versteht den viel besser. Und als Vorbild eignet er sich ebenfalls besser als eine Frau. "Führen", "nachahmen", "kontrollieren" - Pardon, aber diese Vokabeln gefallen mir nicht im Zusammenhang mit Kindererziehung. Von "kriegerischen Genen" habe ich bewußt in Anführungszeichen geschrieben - eben weil es die nicht gibt, aber weil man p.c. so tut, als gäbe es die. Warum muß "Kräftemessen kontrolliert ablaufen"? "Austoben ist für Verrückte"??? Das verstehe ich nun überhaupt nicht mehr. Als Mutter hätte ich mich schwer gehütet, zu kontrollieren, ob mein Sohn sich mit einem anderen Jungen mal kloppt, es sei denn, der hätte sich beschwert.
Was Sie über medizinische Hilfe und Ritalin schreiben, unterschreibe ich.

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Christian Duerig
Christian Duerig (crigs) - 08.05.2012 18:16 Uhr

BEZUGSPERSON

Das Geschlecht der Bezugsperson spielt keine Rolle. Wichtig ist: Der Lernende muss geführt werden. Die Bezugsperson wird zum Vorbild. Sie muss sich dieser Situation bewusst sein und schlicht führen. Dies auf allen Stufen. Die Nachahmung findet sogar bei den Tieren statt.
Kriegerische Gene gibt es nicht, und das Kräftemessen muss nur kontrolliert ablaufen. Das Austoben ist für Verrückte, und sie können es in einem Käfig tun. Hier geht nichts kaputt. In einem voll gepolsterten Raum können sie schreien, gegen die Wände und Decke rennen, bis sie ausgetobt ins Schlafen verfallen. Aufwachen werden sie als ruhigere Person. Sind sie angepasst genug, können sie ins Freie kommen. Hier wird kontrolliert. Der "Verrückte" bekommt nur bei Gehirnstörungen medizinische Hilfe. Dies müssen Neurowissenschaftler abklären.
Das Problem existiert nur, weil nicht professionell vorgegangen wird. Ritalin wird missbraucht.

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Helga Zießler

Eiones haben Sie vergessen, Herr Dürig

Bei uns wachsen Jungs heute in einer weiblich dominierten Umwelt auf. ErzieherINNEN in den Kindergärten, LehrerINNEN in den Schulen, SchulpsychologINNEN bei Problemfällen. Ganz selten mal eine männliche Bezugsperson - vielleicht als Fußballtrainer oder Ruder-Coach, wenn einer Glück hat. Und weil Mädchen nun mal als das sanfte, liebe Geschlecht eingeordnet werden und Jungs als Rabauken, denen man die Lust am Kräftemessen und die "kriegerischen Gene" austreiben muss, werden sie entsprechend behandelt. Am besten mit einem Medikament, dessen Spätfolgen auf die Gehirntätigkeit überhaupt nicht erforscht sind. Jungs sind zu bedauern.

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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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