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Philipp Rösler bei Markus Lanz Das ist das Ende des Journalismus

Philipp Rösler hat im ZDF bei Markus Lanz erzählt, wie er den Bundespräsidenten gemacht hat: Ein Lehrstück über Propaganda im Gewand der Familienunterhaltung.

© ZDF/Wolfgang Lehmann Vergrößern Die Richtigen haben sich gefunden: Markus Lanz „talkt“ mit Philipp Rösler. Am Ende wird Lakritz gereicht.

Dieses Datum muss man sich merken: Es ist der späte Abend des 23.Februar 2012, wir sind im ZDF. Der Mann, der die ehedem wichtigste Unterhaltungssendung im deutschen Fernsehen übernehmen soll, trifft auf den Mann, der den neuen Bundespräsidenten bestimmt haben will und am Tag darauf Geburtstag hat (da er ein im Vietnamkrieg geborenes Findelkind ist, weiß man das aber nicht so genau) - Markus Lanz meets Philipp Rösler.

Gemeinsam ziehen sie eine Show ab, die den „tiefsten Tiefpunkt“ (Rudi Völler) des deutschen Journalismus und den Marianengraben politischer Wahrhaftigkeit markiert. Es ist ein sagenhaftes Theater, Rösler gibt den Parzival, der den Gral endlich gefunden hat, ins Narrenkleid ist derweil der steigbügelhaltende Moderator Lanz gerückt.

Machbar, Herr Nachbar

Röslers Gral, das ist die Festlegung auf Joachim Gauck als Bundespräsidentenkandidat. War zu keinem einzigen Thema eine inhaltliche Festlegung der FDP in den vergangenen Monaten noch erkennbar, jetzt hat sie ihr Momentum gefunden: Nur weil die Bundeskanzlerin Gauck als Präsidenten nicht will, muss die FDP für ihn sein. Nur so kommt sie jemals wieder über die Fünf-Prozent-Hürde. Und so winkt sie mit der Ampel: Rot-gelb-grün ist im Zweifel machbar, Herr Nachbar.

Das ist eigentlich eine Tragödie, das übliche Geschacher in Reinkultur, ein Kräftemessen zwischen Regierung und Opposition und in der Koalition, ein Wiederauferstehungstrick der Liberalen. Die Kandidaten für das höchste Amt im Staate - Klaus Töpfer, Klaus von Dohnanyi oder eben Gauck - taugen nur für eine Nummernrevue der Parteien, in deren Folge Fronten gewechselt und neue aufgebaut werden.

Mehr zum Thema

Das wäre das Thema gewesen. Auch für eine Talksendung. Doch bei Markus Lanz wird es zum Kasperltheater, zur großen Sause, zum Jux. Das Textbuch dafür gibt die „Bild“-Zeitung vor. Wer dazu den passenden Auftritt im Fernsehen sucht, der geht zum netten Herrn Lanz, der sich so schlau dünkt.

Denn bei ihm wird das Machtkalkül zum gespielten Witz. Er redet so süß über „die Angela“ und „den Philipp“, dass einem schlecht wird. Erst fasst Rösler Lanz am Arm, wie Gauck es mit ihm gemacht habe, dann Lanz „den Philipp“. „Jetzt mal ehrlich,“ sagt der Markus dann, „die Angela“, die „ham Sie doch über den Tisch gezogen.“ Über den Tisch gezogen werden an diesem Abend aber alle, die diese Sendung sehen. Denn es wird ihnen eine Heldengeschichte erzählt, die von vorn bis hinten nicht stimmt. Hintergründe und Handlungsmaximen werden hier in ihr Gegenteil verkehrt.

Vor johlender Bierzeltmenge

Dass die ach so prinzipientreue FDP Gauck als Bundespräsidenten schon vor zwei Jahren hätte haben können, aber eben für Christian Wulff war, erwähnt Lanz erst nach einer halben Stunde en passant. Da hat er schon lauter lustige Videos eingespielt, die zeigen sollen, dass Philipp Rösler nicht nur ein liberaler Held, sondern auch ein Witzbold von Gnaden ist.

Erzählt er doch vor johlender Bierzeltmenge, dass es „die Angela“ inzwischen auch als Barbie-Puppe gebe, für dreihundert Euro. Die Puppe selbst sei preiswert, aber die vierzig Hosenanzüge kämen teuer. Für eine solchen Gag würde man selbst bei der Mainzer Fastnacht ausgebuht. Im Mainzer Spätabendprogramm gilt das hingegen als kolossal.

Man muss sich dazu noch Lanzens verbogene Gestik und Mimik vorstellen, gepaart mit seinen eigenen schlechten Witzen („War das dieses Bosbach-Pofalla-Ding? Haben Sie ihr auf die Mailbox gesprochen? Wann hat Frau Merkel gemerkt: Ich bin der Frosch? Diese Norbert-verblümte Sprache.“) und fertig ist die Propaganda im Gewand der Familienunterhaltung.

Wie man ihn denn „kriegen“, im Sinne von korrumpieren könne, will Lanz an einer Stelle von Rösler wissen. KGB-Agenten meinten ja, jeder Mensch habe mindestens eine Schwäche: Geld, Eitelkeit oder Sex. „Wenn Sie mal was vom Wirtschaftsminister wollen: Lakritz,“ sagt Rösler, natürlich wieder im Scherz.

Im Insert wird eingeblendet: „Philipp Rösler: Man kann Ämter verlieren, man kann Wahlen verlieren, aber eben nicht seine Überzeugung.“ Zum Schluss werden ihm sogar zwei Sorten Lakritz gereicht. Nach der Bundespräsidentenwahl will der Philipp wieder zum Markus kommen. Zum Lakritzessen. Ohne Witz.

Quelle: F.A.Z.

 
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