Das Leben ist ein Kompromiss. Niemand verkörpert diese Haltung im deutschen Fernsehen besser als Bastian Pastewka. Ein Wohlfühlblick aus seinen treuherzigen Augen genügt im Normalfall, um jeden Protest im Ansatz zu besänftigen. Sat.1 schickt heute die sechste Staffel der vielfach preisgekrönten Serie „Pastewka“ ins Rennen. Halb Comedy, halb Doku, bezieht das Format seinen Reiz wie gewohnt aus der Rollenbrechung. Pastewka spielt sein Alter Ego, einen tapsigen Sympathiebären, der den Alltag in Schonhaltung über die Bühne bringt und Arbeit mit großer Kreativität auf fremde Schultern verteilt, während sich benachbarte Showgrößen die Klinke in die Hand geben. Christoph Maria Herbst, Annette Frier und viele andere machten hier schon Station.
In der ersten Folge der neuen Staffel ist Prominenz aber nur in der Anspielung präsent. Oliver Pocher schläft noch, Peter Klöppel ist von Pastewka, der in seiner frisch bezogenen Kölner Altbauvilla mit einem Feldstecher die Nachbarschaft studiert, nicht zu orten. Vom Glamour verlassen, ist Pastewka auf Alltagswidrigkeiten zurückgeworfen. Zwei Lebenseinschnitte stehen an. Der Umzug in die neue Villa ist nur halb vollzogen. Fernab seiner eigentlichen Aufgabe, den Altbau auf Vordermann zu bringen, vertändelt Pastewka seine Zeit mit Digitalisierungsprojekten.
Daneben sind überschaubare Beziehungskrisen mit seiner Serienpartnerin Anne (Sonsee Neu) zu meistern, bevor den Schwiegereltern Heiratsabsichten verkündet werden sollen. Auch Beziehung, weiß Pastewka, ist ein Kompromiss. Das eigentlich handlungstreibende Element ist aber ein Magnet, den Pastewka an den Stromzähler montiert, um dessen Kreisbahn zu mäßigen. Die Krämerseele leuchtet für einen Augenblick, bevor der von Objekt zu Objekt springende Magnet die Handlungsfäden verknotet, die schnell wieder aufgelöst werden.
Aus dem doppelten Spiel mit Prominenz und Peinlichkeit, das Realität und Fiktion bisher verlässlich durcheinanderwirbelte, kann die erste Folge noch wenig Komik ziehen. Vielleicht ist man nach sieben Jahren Laufzeit den Brechungseffekt langsam gewohnt. Es sieht aber auch so aus, als könne „Pastewka“ die Anwesenheit anderer Showgrößen nicht ganz entbehren. Das Kernteam wirkt diesmal auf sich allein gestellt. Zwischen Pastewka und Sonsee Neu fehlen die Reibungsflächen.
Der Plot hangelt sich durch eine Handvoll flach angesetzter und schnell aufgelöster Pointen. Pastewkas Versöhnungsblick, in den das Eingeständnis limitierter darstellerischer Fähigkeiten immer schon eingerechnet scheint, und seine einstudiert wirkenden Gesten kommen dadurch stärker hervor, als es ihnen guttut. Für die nächste Folge ist eine Lesung mit Christoph Waltz angekündigt. Man wächst am Gegner.