27.03.2009 · Muss das Waffenrecht geändert werden, um Amokläufe zu verhindern? Auch die Medien suchen nach Antworten. Das ARD-Magazin „Panorama“ aber wusste schon vorher, was es zu finden galt - und schoss sich auf die „sogenannten Sportschützen“ ein.
Von Stefan TomikNach dem Amoklauf in Winnenden sind Rezepte gesucht, wie solche Taten in Zukunft verhindert werden können. Wie man aber nicht suchen sollte, hat das ARD-Magazin „Panorama“ am Donnerstagabend vorgeführt.
„Panorama“ wusste schon, was man finden wollte, und schoss sich auf die „sogenannten Sportschützen“ in unserer „hochgerüsteten Republik“ ein. Und das sieht dann so aus, dass auf der Internationalen Waffenmesse in Nürnberg eine aufgeregte Reporterin ihrem Gesprächspartner dauernd ins Wort fällt. „Was ist Sport daran, mit Waffen, die zum Töten gemacht sind, und nicht für den Sport ursprünglich gebaut wurden, was ist daran Sport?“ Der Präsident des Bundes Deutscher Sportschützen darf kaum einen Satz zu Ende formulieren, da setzt die Reporterin schon wieder nach, und die Selbstgerechtigkeit der ARD erreicht einen Höhepunkt.
Das Schießen mit Großkaliberwaffen soll kein Sport sein, anderen Menschen mit voller Wucht ins Gesicht und in die Rippen zu schlagen aber schon? Die ARD hat keinen Skrupel, zur besten Sendezeit live Boxkämpfe zu übertragen, bei denen zwei Sportler (?) aufeinander eindreschen und mitunter schon mal das Blut spritzt. Dass Sportschützen hingegen nicht auf Ziele schießen, „die Menschen darstellen oder symbolisieren“, weil das Waffengesetz das ausdrücklich verbietet, erwähnen die Autoren nicht.
Unerklärt bleibt auch, warum nicht statt Großkaliberwaffen vielmehr Paintball-Spiele („Gotcha“) verboten werden sollten, bei denen die Spieler zwar mit Luftdruckwaffen schießen, aber immerhin auf andere Menschen. Solche Pistolen, sogenannte Markierer, dürfen ab dem 18. Lebensjahr frei erworben werden, und das „Teamspiel“ auf umfriedetem Gelände kann sofort beginnen.
Etwas zu verbergen?
„Panorama“ führt dafür aber den Besitzer der „Rifle Ranche“ vor, einem Schießstand, auf dem Sportschützen und Polizisten schießen üben und auch Laien - unter Aufsicht - schießen dürfen. „Panorama“-Zuschauer könnten aufgrund des Berichts annehmen, diese Einrichtung befände sich in Bünde; tatsächlich liegt sie im mehr als 30 Kilometer entfernten Borgholzhausen. Und ihr Betreiber will offensichtlich nicht mit den Journalisten sprechen, wovon die sich aber nicht abschrecken lassen. Von der Grundstücksgrenze aus wird gefilmt, wie die Reporterin dem Mann auf die Pelle rückt. Unausgesprochenes Fazit der Sequenz: Wer nicht mit „Panorama“ reden will, muss etwas zu verbergen haben.
Eine Grünen-Politikerin bezeugt dann noch, dass der ganze Bundestag vor der angeblich sehr machtvollen Waffenlobby zittert. Dass aber laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage 59 Prozent der Deutschen für ein Verbot von Waffen und Munition in Privathaushalten sind und nur 40 Prozent dagegen, und sich Politiker mit entsprechenden Gesetzen also bei einer Mehrheit ihrer Wähler beliebt machen könnten, wenn sie denn nur wollten, bleibt unerwähnt.
Es gibt sicherlich viele gute Gründe, das Waffenrecht an der einen oder anderen Stelle nachzubessern. Man muss aber kein Waffennarr sein, um sich auch darüber eine unvoreingenommene Berichterstattung zu wünschen.
Stefan Tomik Jahrgang 1974, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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