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Pannen beim „heute journal“ Wie kleine Tricks die Botschaft vergrößern

 ·  Zum wiederholten Mal hat des ZDF journalistisch gepatzt. Aktuell geht es um das „heute journal“ und den Vorwurf einer Hoeneß-Manipulation in einem CSU-Film. Immerhin: Claus Kleber entschuldigt sich.

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© dpa Vergrößern Das „heute journal“ pfuscht, Claus Kleber entschuldigt sich.

Wenn Claus Kleber im „heute journal“ zu seiner Moderation ansetzt, scheint er sich seiner Sache stets besonders sicher zu sein. Als Welterklärer gibt er sich, jovial, in eben jenem Überlegenheitsgestus, den auch andere Moderatoren pflegen. Dabei bewegen sie sich auf dünnem Eis. Wie dünn, das konnte man am 3. Mai sehen, als das „heute journal“ vom Parteikonvent der CSU berichtete. „Selbst bei schummrigster Beleuchtung würde niemand Barack Obama mit Horst Seehofer verwechseln. Dafür sind die beiden doch auf zu unterschiedliche Weise schwarz“, witzelte Kleber zu Beginn und verwies darauf, dass aus Werbevideos der Partei eilig Bezüge zu Uli Hoeneß herausgeschnitten worden seien.

Die CSU erlebt keine Tage des Jubels, sollte das heißen, im Gegenteil - sie muss sich mit den Themen Steuerhinterziehung und der anrüchigen Verwandtenversorgung im bayerischen Landtag plagen. Diesem Tenor folgte dann auch der Filmbeitrag, in dem ein „Eventmanager“ namens Alexander Wolfrum die Veranstaltung begutachtete, „künstliche Dunsterzeuger“ erwähnte, die Atmosphäre schaffen sollten - da sehe es dann so aus, „als seien Emotionen unterwegs“, dabei sei es von Maschinen gemacht. Das Ganze erinnerte den vom ZDF berufenen Fachmann an eine Casting-Show oder einen Boxkampf im Fernsehen und nicht an eine Parteiveranstaltung.

Ein Fazit im Voraus?

Wunderbar analysiert, könnte man meinen. Wenn es denn stimmte. Die Sache mit dem herausgeschnittenen Hoeneß zum Beispiel stimme nicht, schreibt der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt in einem offenen Brief ans ZDF. Das habe man umgehend dementiert, und das hätte dem ZDF bekannt sein müssen. Aufgrund welcher Recherche Kleber zu seiner Aussage komme und ob dem ZDF das Dementi nicht bekannt gewesen sei, will der CSU-Generalsekretär wissen. Das Fazit des „Eventmanagers“, der zu Beginn und zum Ende des ZDF-Beitrags zur Wort kam, sei zudem erkennbar am Anfang der Veranstaltung aufgenommen worden (im Hintergrund ist Dobrindt bei seiner Rede zu sehen). „Kann das ZDF erklären, warum ein Resümee über eine Veranstaltung nebst Bewertung ihres Ablaufes bereits kurz nach deren Eröffnung erfolgt?“

Das kann das ZDF nicht wirklich: Das Interview mit dem „Eventmanager“ habe in der Eröffnungsphase des Konvents stattgefunden, sich aber „lediglich um Fragen der Inszenierung“ gedreht, sagte ein ZDF-Sprecher auf Anfrage dieser Zeitung. Eine politische Analyse habe es danach im Gespräch mit dem CSU-Kenner Heinrich Oberreuter gegeben. Das stimmt, beantwortet aber nicht die Frage, auf die das ZDF der CSU noch förmlich antworten will: Das Fazit war im Voraus aufgezeichnet.

Nicht zum ersten Mal

Claus Kleber wenigstens ist sich für ein mea culpa nicht zu schade. Für den Hinweis auf „Umschnitte“ in den Parteivideos mit Bezug auf Uli Hoeneß habe es nur eine Quelle gegeben - den Deutschlandfunk -, das Dementi sei nicht bekannt gewesen. Es sei ein Fehler gewesen, die Reaktion der Partei nicht einzuholen, so das ZDF. „Ich habe die Darstellung einiger Medien, nach der die CSU einen Video-Film in letzter Minute noch umarbeiten ließ, in meiner Moderation aufgegriffen und ungeprüft übernommen. Das hätte mir nicht passieren dürfen“, sagte Kleber.

Zum ersten Mal sind derlei Dinge im ZDF allerdings nicht passiert. Erst kürzlich war dem „Stern“ aufgefallen, dass die „heute“-Nachrichten die Stellungnahme des stellvertretenden Chefredakteurs der türkischen Zeitung „Sabah“ zu einer Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Vergabe von Presseplätzen beim sogenannten NSU-Prozess zu einem Zeitpunkt aufgezeichnet hatten, zu dem der Spruch noch gar nicht ergangen war. Das konnte man an der Zeit erkennen, die eine Uhr anzeigte: Sie war bei den Aufnahmen im Hintergrund zu sehen.

Manipulationskünstlerpech oder: Kleine Tricks erhalten die Botschaft, könnte man da sagen. Und sich über die im Fernsehnachrichtengeschäft so verbreitete Selbstgewissheit dann doch ein wenig wundern. Erinnern kann man sich zudem an die absurde Posse in Sachen Pressefreiheit, die das ZDF nach dem Anruf eines CSU-Sprechers inszenierte, der vielleicht hatte Einfluss auf die Berichterstattung über die SPD nehmen wollen.

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13.05.2013, 17:27 Uhr

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