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Palästina-Beitrag der ARD : Streit um das Wasser

Knappe Ressource: Im Westjordanland wird Wasser aus Kanistern umgefüllt. Bild: dpa

Die ARD sorgt mit einem Bericht über Wasserknappheit in den palästinensischen Gebieten, der am Sonntag in der „Tagesschau“ und in den „Tagesthemen“ lief, für eine Kontroverse.

          Der umstrittene Korrespondentenbeitrag handelte davon, dass es in dem Ort Salfit im Westjordanland zu wenig Wasser gebe und dass Israel dafür verantwortlich sei. Stimmen aus Israel zu diesem Vorwurf kamen in dem in zwei Versionen gesendeten Beitrag nicht oder nur ganz am Rande vor. In Frage gestellt wird auch die Ursache fehlenden Wassers in dem im Beitrag vorgestellten Haushalt einer palästinensischen Familie - in dem Haus soll es zuvor einen Wasserrohrbruch gegeben haben, der als Ursache in Frage kommt. Dieser „galt“ aber als behoben, teilte der Bayerische Rundfunk mit, der sich mit der vor allem im Internet formulierten Kritik an dem Beitrag befasst.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Der Sender verwahrt sich vor allem gegen den Vorwurf, es seien in dem Beitrag Bilder manipuliert worden. Auch sei man von der Glaubwürdigkeit des als Zeugen herangezogenen Hydrogeologen Clemens Messerschmid, der in der Gegend lebt, überzeugt. Er arbeite seit fast zwanzig Jahren für internationale Organisationen und habe sich mit der Wasserproblematik intensiv auseinandergesetzt. Messerschmid wird aufgrund früherer Einlassungen eine Parteinahme gegen Israel angelastet. Was man aufrichtig bedauere, schreibt der BR, sei, „dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen“. Grund dafür sei einer hoher jüdischer Feiertag gewesen, der verhinderte, dass man in einer israelischen Siedlung drehen durfte, und aufgrund dessen angefragte Experten abgesagt hätten. Mit einem umfassenderen und abgesicherteren Bild der Problematik der Wasserknappheit hätte sich die ARD sicherlich einen Gefallen getan.

          Keine Zusammenarbeit im Ausschuss

          Dass es in diesem Sommer abermals zu einer akuten Wasserknappheit im Westjordanland kam, wurde auch in Israel nicht bestritten. Israelis in den Siedlungen hatten sich ebenfalls darüber beklagt. Der israelische Infrastrukturminister Juval Steinitz legte einen Notfallplan vor, um die Versorgung der Siedlungen wie der palästinensischen Orte zu verbessern.

          Nach einer Schätzung der israelischen Wasserversorgungsgesellschaft Mekorot fehlen im Westjordanland jeden Tag zwischen 7000 und 9000 Kubikmeter Wasser. Das israelische Verteidigungs- und das Infrastrukturministerium haben deshalb damit begonnen, einen Rahmenplan vorzubereiten, der die jährliche Wassermenge verdoppeln soll. Zwei Drittel des Wassers soll den Palästinensern zugutekommen. Die Finanzierung des rund 300 Millionen Euro teuren Projekts ist aber noch nicht gesichert. Ein Termin für den Baubeginn steht ebenfalls noch nicht fest. Erschwerend kommt hinzu, dass sich die Palästinenser seit längerer Zeit weigern, mit Israel im zuständigen gemeinsamen Ausschuss über Wasserfragen zu beraten.

          Vor zweieinhalb Jahren hatte der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, mit Äußerungen über die Wasserknappheit vor dem israelischen Parlament einen Sturm der Entrüstung hervorgerufen. „Wie kann es sein, dass Israelis siebzig Liter Wasser am Tag benutzen dürfen und Palästinenser nur siebzehn?“, habe ihn ein Palästinenser während seines Besuchs in Ramallah gefragt, berichtete Schulz in seiner Knesset-Rede. Eigene Zahlen nannte er nicht; er zog auch keine Schlussfolgerungen aus den Worten des anonymen Palästinensers. Am Ende kritisierte sogar Ministerpräsident Benjamin Netanjahu Schulz dafür, dass er Israel beschuldigt habe, ohne sich mit den Fakten vertraut zu machen.

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