06.08.2009 · Schrittweise aus der Geschenkökonomie: Der australische Medientycoon Rupert Murdoch kündigt den Abschied vom kostenfreiem Zugang zu seinen Produkten im Internet an. Die Umstellung auf ein Bezahlmodell soll noch in diesem Jahr beginnen. Deutsche Verlage reagieren unterschiedlich.
Der australische Medientycoon Rupert Murdoch will im Internet alle Nachrichtenangebote seines weltweiten Konzerns kostenpflichtig machen. Murdoch reagiert damit auf die heftige Werbe- und Medienkrise. Immer mehr Medienhäuser denken inzwischen über eine solche Abkehr von Gratisnachrichten im Netz nach.
Die digitale Revolution habe viele neue Vertriebswege eröffnet, sagte Murdoch. „Aber sie hat Inhalte nicht gratis gemacht. Qualitätsjournalismus ist nicht billig.“ Zu Murdochs
Medienimperium News Corporation zählen Traditionszeitungen wie die britische „The Times“ und das „Wall Street Journal“, außerdem Boulevardblätter wie die Londoner „The Sun“ und die „New York Post“.
Umsetzung noch in diesem Jahr
Auch Fernsehsender des Konzerns wie „Fox“ haben Nachrichten-Websites. Die Pläne Murdochs für ein Ende kostenloser Nachrichten im Web stellen eine Zäsur dar. Bei der Übernahme des Dow-Jones-Konzerns mitsamt dem „Wall Street Journal“ vor zwei Jahren dachte er noch laut
über völlig kostenlose, nur werbefinanzierte Nachrichtenseiten nach.
Das Wirtschafts-Flaggschiff „Wall Street Journal“ setzt im Web bereits auf ein zu großen Teilen kostenpflichtiges Abo-Angebot. Auch der britische Konkurrent „Financial Times“ fährt eine solche Misch-Strategie aus Gratis-Inhalten und einem Teil für zahlende Abonnenten. Der Chefredakteur der britischen „Financial Times“, Lionel Barber, sagte im TV-Sender Channel Four voraus, dass die meisten Nachrichtenseiten binnen Jahresfrist Geld für ihre Dienste fordern werden.
Eine Branche, die ihre Inhalte einfach weggebe, kannibalisiere ihre Fähigkeit zu gutem Journalismus, sagte Murdoch in einer Telefonkonferenz laut amerikanischen Medien. „Der tumultartige und beispiellose Wandel im gesamten Medienbereich und besonders bei Zeitungen und Sendern kann nicht ignoriert werden.“ Trotz einer weltweit intensiven Diskussion verlangen bislang eher wenige Medienhäuser für den Zugang zu ihren Online-Auftritten Geld. Die News Corp. wolle noch im laufenden Geschäftsjahr mit der Umsetzung der neuen Strategie beginnen, so Murdoch. Weitere Details der Pläne nannte er zunächst nicht.
Deutsche Reaktionen
Deutsche Verlagshäuser reagierten am Donnerstag unterschiedlich auf Murdochs Vorstoß. Mathias Döpfner, Vorstandschef des Axel Springer- Verlags („Bild, „Die Welt“), sprach sich für eine schrittweise Zurückdrängung der „Kostenlos-Kultur“ aus. Er sehe gute Chancen für Bezahlmodelle im Netz. Bei sueddeutsche.de gibt es ähnliche Überlegungen, eine Umstellung auf ausschließlich kostenpflichtige Inhalte hält man jedoch für unrealistisch.
Auch bei der „Financial Times“ und dem „Wall Street Journal“ habe sich gezeigt, dass nur eine Kombination aus bezahlten und freien Inhalten sinnvoll sei. „Wenn man Inhalte so attraktiv gestaltet und vielleicht mit Service anreichert, kann es gelingen, die Kunden zum Bezahlen zu bewegen.“ Zurückhaltender äußerte sich Christian Röpke, Geschäftsführer von „Zeit Online“: „Bei generellen Nachrichten gibt es unserer Ansicht nach keine Zahlungsbereitschaft bei den Usern“, sagte er in Hamburg. „Für „Zeit Online“ ist das eher bei sehr spezifischen Zusatzangeboten mittel- bis langfristig denkbar.“ Ein Sprecher von „Focus Online“ sagte: „Für uns kommt das im Moment nicht als Geschäftsmodell in Frage.“ Grund sei schlicht, dass gebührenpflichtige Angebote bei
Nachrichtenportalen nur schwer durchzusetzen seien.
Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) äußerste sich „sehr gespannt“, ob Murdoch mit seinem Vorstoß Erfolg haben werde. „Murdoch hat aber prinzipiell Recht“, sagte BDZV-Sprecher Hans-Joachim Fuhrmann. Es gebe aber noch keine schlüssigen Geschäftsmodelle im Internet. Die Werberlöse reichten nicht aus, um im Online-Geschäft schwarze Zahlen zu schreiben. Chancen hätten eher Spezialinformationen für bestimmte Zielgruppen. Notwendig sei vor allem eine Änderung des Urheberrechts, damit die Verlage etwa
gegenüber der Suchmaschine Google am Geschäft der Suchmaschinen beteiligt werden könnten, sagte BDZV-Sprecher Fuhrmann weiter. Mit einem Leistungsschutzrecht könnten Firmen, die wie etwa Banken für ihr Geschäft auf Nachrichten im Netz zurückgreifen, zur Kasse gebeten werden.