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Olaf Schubert im Ersten : Im Zeichen der Raute

Zu verbessern gibt es einiges, seine Garderobe zum Beispiel: Olaf Schubert. Bild: MDR/Constantin Entertainment/And

Er war schon auf fast allen Kanälen, jetzt darf er im Ersten die Welt verbessern. Seit 2008 hat Olaf Schubert in jedem Jahr den Comedy-Preis gewonnen. Was kann jetzt noch kommen?

          Beinahe könnte man denken, dass Olaf Schubert, der selbsternannte „Humorist und Weltverbesserer“, seinen Job sehr ernst nimmt. Denn die Welt ist in diesen Tagen in einem verbesserungsbedürftigen Zustand, weshalb man in bester Schubertscher Logik daraus schließen könnte, der Mann werde auf nahezu allen Kanälen dringend gebraucht. Im ZDF ist er festes Ensemble-Mitglied der „heute show“, bei RTL laufen seine Live-Programme, auf 3sat sowie ZDFkultur startete er seinen Fernseh-Erstling „Olaf TV“, er tritt beim „Satiregipfel“ und bei „Die Anstalt“ auf, und im vergangenen Jahr verbesserte er beim MDR vier Folgen lang die Welt.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Die Sendung war nach Angaben des MDR vor allem beim jungen Publikum erfolgreich, was einer der Gründe dafür ist, dass sie nun auch im Ersten läuft. Den Kollateralnutzen seines Engagements formuliert der Künstler selbstbewusst so: „Ich verbessere nicht nur die Welt, sondern die ganze ARD, einfach durch pure Präsenz.“ Mit Blick auf die Premiere ist allerdings zu konstatieren, dass da noch viel Luft nach oben ist. Zwar widmet sich Schubert, der wie immer in seiner Arbeitsuniform aus Jeans, Sneakers und blau-gelb-grünem Rautenpollunder die Bühne betritt, nichts Geringerem als der Liebe. Aber wie stets ist das Thema nur der Anlass für den Komiker, frei zu improvisieren.

          Auf einer ähnlichen Umlaufbahn

          Genau das jedoch beißt sich mit dem engen Korsett der Fernsehshow. Schon gar nicht erschließt sich, warum in der 45 Minuten währenden Sendung auch noch zwei Gäste auftauchen, mit denen Schubert sichtlich nichts anzufangen weiß. In diesem Fall sind das die „Dschungel“-Vizekönigin Larissa Marolt und das Hamburger Kiez-Faktotum Kalle Schwensen. Erstere war für die erkrankte Nina Hagen eingesprungen, die gedanklich auf einer ähnlichen Umlaufbahn wie Schubert sein dürfte und mit der es deshalb hätte lustig werden können. So aber bremsen die Gäste nur Schuberts Entfaltungsdrang, der beim Versuch, sich ihnen irgendwie zu widmen und zugleich mit seiner Spezialität, den Wortspielereien und Fehlassoziationen, zu glänzen, ermattet auf der Strecke bleibt.

          Schuberts Anliegen, das er in seinen freien Vorträgen, aufbringt, ist es, wie gesagt, die Welt zu verändern. „Meinetwegen kann sie rund bleiben, aber abgesehen davon herrscht Handlungsbedarf“, ist sein Grundsatz für die Lizenz zu allem nur denkbaren verbalen Unsinn. Wie komisch das sein kann, zeigt er in seinen Live-Programmen und bisweilen in der „heute show“, wo er als Dresdner aktuelle Lagen kommentiert. „Ohne Soli, wie soll denn das funktionieren?“, antwortete er da etwa auf die Frage nach der Abschaffung des Solidaritätszuschlags. „Sollen wir hier etwa wieder arbeiten gehen, oder was?“ Und zum Thema Pegida fiel ihm ein: „Viele haben Angst vor dem Schleier. Aber ich habe auch so manche Pegida-Anhängerin gesehen, wo ich sagen muss: Da wäre ein Schleier eine elegante Lösung.“

          Für Schubert ging es bisher stetig bergauf, seit 2008 gewann er jedes Jahr den Deutschen Comedypreis (als bester Newcomer, bester Komiker und für das beste Soloprogramm sowie viermal mit der „heute show“), im vergangenen Jahr war er Präsident der Comedypreis-Jury. Was kann da noch kommen? Oder wird ihm der ganze Rummel bald zu viel? Geht ihm seine mediale Omnipräsenz an die Substanz? Noch begreift Olaf Schubert sich selbst als Teil der Welt, die er verbessern will. Von diesem Donnerstag an können wir ihm dabei in zunächst vier Folgen im Ersten dabei zusehen.

          Olaf verbessert die Welt beginnt am Donnerstag um 22.45 Uhr im Ersten.

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