Home
http://www.faz.net/-gsb-7og28
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Offener Brief an Eric Schmidt Springer-Chef Döpfner warnt vor der Macht von Google

„Wir haben Angst vor Google“, bekennt Axel Springer-Chef Mathias Döpfner als erster deutsche Manager in der F.A.Z. In einem offenen Brief an Google-Vorstand Eric Schmidt kritisiert er das globale Netzmonopol des Unternehmens.

© Reuters Vergrößern Warnt vor der wachsenden Macht von Google: Springer-Chef Mathias Döpfner

Der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, Mathias Döpfner, wirft dem Online-Konzern Google von, einen „Supra-Staat“ zu errichten. Er bekennt gleichzeitig, dass sein Verlagshaus total abhängig von Google sei. Dies schreibt Döpfner in einem Offenen Brief an den Google-Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (Mittwochsausgabe).

„Die Diskussion über die Macht von Google“ sei „keine Verschwörungstheorie von Ewiggestrigen“, schreibt Döpfner an Schmidt: „Nach Lage der Dinge wird Ihr Konzern in den verschiedensten Bereichen unseres professionellen und privaten Alltags, im Haus, im Auto, im Gesundheitswesen, in der Robotronik eine führende Rolle spielen. Das ist eine riesige Chance und eine nicht minder große Bedrohung.“ Die Macht von Google betreffe den ökonomischen und den politischen Wettbewerb. „Es betrifft unsere Werte, unser Menschenbild und unsere Gesellschaftsordnung weltweit und – aus unserer Perspektive – vor allem die Zukunft Europas.“

Google stelle ein „globales Netzmonopol“ dar, transparente und faire Kriterien im Umgang mit Wettbewerbern gebe es nicht. Eigene Produkte weise Google bei der Onlinesuche besser aus als die der Konkurrenz, der Nutzer werde nicht deutlich darauf hingewiesen, dass es sich bei den Suchergebnissen um Selbstwerbung handele. Die Europäische Kommission zeige sich dem Umgang mit diesem Problem nicht gewachsen.

Mehr zum Thema

„Wir – und viele andere – sind von Google abhängig“, schreibt Döpfner. Von Googles Algorithmen hänge der gesamte Werbemarkt im Internet ab. „Wir haben“, schreibt Döpfner in der F.A.Z. „Angst vor Google. Ich muss das einmal so klar und ehrlich sagen, denn es traut sich kaum einer meiner Kollegen, dies öffentlich zu tun. Und als Größter unter den Kleinen müssen wir vielleicht auch in dieser Debatte als Erste Klartext reden.“

Auch beunruhige ihn, dass Google, „das gerade die Übernahme des Drohnen-Herstellers „Titan Aerospace“ gemeldet hat – seit einiger Zeit als Unterstützer geplanter riesiger Schiffe und schwimmender Arbeitswelten gilt, die auf offenem Meer, also in staatenlosem Gewässer, kreuzen und operieren können. Was ist der Grund für diese Entwicklung?“ Der Google-Gründer und Großaktionär Larry Page, schreibt Döpfner, „träumt von einem Ort ohne Datenschutzgesetze und ohne demokratische Verantwortung.“ Und: „Plant Google allen Ernstes den digitalen Suprastaat, in dem ein Konzern seinen Bürgern selbstverständlich nur Gutes und natürlich „nichts Böses“ tut?“

Den vollständigen Brief von Axel Springer-Chef Mathias Döpfner lesen Sie in der Mittwochsausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und schon jetzt im E-Kiosk.

Quelle: FAZ.NET

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Google-Debatte Mehr Mut, Europa!

Die Europäische Union hat Angst vor Google? Dagegen helfen keine Anwälte, wohl aber Ehrgeiz, Selbstbewusstsein und Innovationen. Mehr

08.07.2014, 06:20 Uhr | Feuilleton
Kartellverfahren Ein Weltbild von Googles Gnaden

Ob bei den Reaktionen auf ein Fußballspiel oder beim Abbilden der Konkurrenz: Was uns die Suchmaschine von der Wirklichkeit zeigt, ist manipuliert. Die Politik muss dringend etwas dagegen tun. Mehr

11.07.2014, 22:36 Uhr | Feuilleton
Klarnamenpflicht Google+ gibt nach und entschuldigt sich

Drei Jahre nach dem Start von Google+ hat das Unternehmen die Klarnamenpflicht für seine Nutzer abgeschafft. Seit der Gründung hatte es deswegen Kritik gehagelt. Mehr

16.07.2014, 12:54 Uhr | Feuilleton

Lernen, was schweigen heißt

Von Jürgen Kaube

Aldi Talk? Warum sich Karl Albrecht nicht als Sprachrohr des Unternehmens, das er schuf, verstand liegt auf der Hand: Weil er dies gar nicht musste! Vom schweigenden Kommunizieren des deutschen Unternehmers. Mehr 3