http://www.faz.net/-gqz-9278p

Öffentliche-Rechtliche im Netz : Zeitgemäßer Auftrag im Internet für ARD und ZDF

  • -Aktualisiert am
„Mit dem Verbot der „Presseähnlichkeit“ öffentlich-rechtlicher Online-Angebote hat man auf eine Begrifflichkeit aus der analogen Welt zurückgegriffen“: Hermann Eicher.
„Mit dem Verbot der „Presseähnlichkeit“ öffentlich-rechtlicher Online-Angebote hat man auf eine Begrifflichkeit aus der analogen Welt zurückgegriffen“: Hermann Eicher. : Bild: obs

Hinzu kommt, dass die textliche Darstellungsform von Informationen, insbesondere von Nachrichten, nach eigens dazu angestellten wissenschaftlichen Untersuchungen den Präferenzen der Nutzer von Online-Angeboten am ehesten entspricht. Soll also der öffentlich-rechtliche Rundfunk gezwungen werden, seine Angebote entgegen dem präferierten Nutzungsverhalten auszugestalten? Letztlich muss doch dem Beitragszahler ein Online-Angebot unterbreitet werden, das dem Medium entspricht und das auch adäquat zu den damit korrelierenden Nutzererwartungen ausgestaltet ist.

Längst geht es im medienpolitischen Disput aber schon nicht mehr darum, das Verbot der Presseähnlichkeit für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufzuheben. Im Gegenteil: Es liegen inzwischen Vorschläge auf dem Tisch, dieses Verbot auf Betreiben der Zeitungsverleger noch zu verschärfen. Vermutlich freuen sich gleichzeitig globale Player wie Google oder Facebook diebisch darüber, wie sich Anbieter von Qualitätsjournalismus in Deutschland immer weiter gegenseitig in die Haare geraten und darüber die globale Entwicklung nach und nach aus dem Blick gerät.

Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn der Nachrichtenkonsum künftig vorwiegend über die sozialen Netzwerke befriedigt wird und damit am Ende weder eine Zeitung gelesen noch ein hintergründiger Beitrag des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks gehört oder gesehen wird? Es hängt doch nicht wirklich kausal mit den Online-Angeboten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zusammen, dass es offensichtlich besonders schwierig ist, im Netz entsprechende Bezahlmodelle zu etablieren.

Nur einen Fingertipp entfernt: Um die App der „Tagesschau“ haben Presseverlage (darunter der Verlag der F.A.Z.) und die ARD vor Gericht gerungen. Die Auseinandersetzung ist noch nicht vorbei.
Nur einen Fingertipp entfernt: Um die App der „Tagesschau“ haben Presseverlage (darunter der Verlag der F.A.Z.) und die ARD vor Gericht gerungen. Die Auseinandersetzung ist noch nicht vorbei. : Bild: dpa

EU-Kommissar Günther Oettinger hat in der vergangenen Woche ARD und ZDF scharf kritisiert: Die Sender sorgten für ein „kostenloses und umfassendes journalistisches Angebot im Netz“, das für die privat finanzierten Verlagshäuser eine „eindeutige Konkurrenz“ darstelle. Wieder reibt man sich die Augen: Oettinger selbst hatte noch als Ministerpräsident von Baden-Württemberg an genau den rundfunkstaatsvertraglichen Regelungen mitgewirkt, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Netz den Auftrag gaben, allen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an der Informationsgesellschaft zu ermöglichen. Wie anders sollte dieser Auftrag zu verstehen sein, als ein qualitativ hochwertiges journalistisches Angebot im Netz zu machen?

„Wer den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf lineares Programm und begleitende Telemedien beschränken will, schafft ihn mittelfristig ab“, sagt Wolfgang Schulz, Direktor des renommierten Hans-Bredow-Instituts in Hamburg. Umgekehrt ist aber auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht taub, wenn es um die Sorgen der Zeitungsverleger geht. So hat zum Beispiel der Südwestrundfunk seine neue Nachrichten-App allen Chefredakteuren der Zeitungsverlage in seinem Sendegebiet vor dem Start vorgeführt. Einhelliges Urteil: Mit gedruckter Presse (Presseähnlichkeit) hat das nichts zu tun. Vielleicht wäre also doch das einfache Prinzip gegenseitiger Rücksichtnahme die bessere Variante zu einem kräftezehrenden und zermürbenden Zwist, bei dem am Ende der Qualitätsjournalismus der einzige Verlierer ist.

Hermann Eicher ist Justitiar des Südwestrundfunks. Er war maßgeblich an der Entwicklung des Modells des Rundfunkbeitrags beteiligt.

Quelle: F.A.Z.

Weitere Themen

Comic sucht Verleger Video-Seite öffnen

Buchmesse 2017 : Comic sucht Verleger

Frankreich - die Grande Nation des Comic zu Gast: Warum in Frankreich viel mehr Comics gelesen werden, wie Comics das Kino erobern und warum eine gute Bildergeschichte in Deutschland noch keinen Verleger hat.

Comiczeichner spielen Ping-Pong Video-Seite öffnen

Buchmesse 2017 : Comiczeichner spielen Ping-Pong

In der Mitte des französischen Pavillons befindet sich das Digitalatelier: hier treffen sich im Rahmen des Programms „Ping-Pong“ französische und deutsche Zeichner zum Austausch: es entstehen Zeichnungen von der Buchmesse, über die Buchmesse und Anderes.

Topmeldungen

Irakische Soldaten dringen am Montag nach Angaben des Staatsfernsehens in das von kurdischen Peschmerga-Einheiten kontrollierte Gebiet der Provinz Kirkuk vor.

Regierung gegen Kurden : Trump: Bleiben im Irak-Konflikt neutral

Die militärische Eskalation im Nordirak weckt Ängste vor einem neuen Bürgerkrieg in der Region. Die EU fordert ein Ende der Gewalt, Amerikas Präsident Trump will seine Soldaten aus den Gefechten raushalten. Beide fürchten, dass der eigentliche Gewinner der IS sein könnte.
Jordi Ciuxart, Vorsitzender des katalanischen Kulturvereins Omnium Cultural, und ANC-Chef Jordi Sànchez vor dem Gerichtstermin in Madrid.

Krise in Katalonien : Führende katalanische Separatisten inhaftiert

Die spanische Staatsanwaltschaft hat zwei katalanische Separatistenführer festnehmen lassen. Auch gegen Polizeichef Josep Lluís Trapero wurde Untersuchungshaft beantragt, er kam gegen Kaution jedoch vorerst frei.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.