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Öffentliche-Rechtliche im Netz : Zeitgemäßer Auftrag im Internet für ARD und ZDF

  • -Aktualisiert am
„Mit dem Verbot der „Presseähnlichkeit“ öffentlich-rechtlicher Online-Angebote hat man auf eine Begrifflichkeit aus der analogen Welt zurückgegriffen“: Hermann Eicher.

Hinzu kommt, dass die textliche Darstellungsform von Informationen, insbesondere von Nachrichten, nach eigens dazu angestellten wissenschaftlichen Untersuchungen den Präferenzen der Nutzer von Online-Angeboten am ehesten entspricht. Soll also der öffentlich-rechtliche Rundfunk gezwungen werden, seine Angebote entgegen dem präferierten Nutzungsverhalten auszugestalten? Letztlich muss doch dem Beitragszahler ein Online-Angebot unterbreitet werden, das dem Medium entspricht und das auch adäquat zu den damit korrelierenden Nutzererwartungen ausgestaltet ist.

Längst geht es im medienpolitischen Disput aber schon nicht mehr darum, das Verbot der Presseähnlichkeit für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk aufzuheben. Im Gegenteil: Es liegen inzwischen Vorschläge auf dem Tisch, dieses Verbot auf Betreiben der Zeitungsverleger noch zu verschärfen. Vermutlich freuen sich gleichzeitig globale Player wie Google oder Facebook diebisch darüber, wie sich Anbieter von Qualitätsjournalismus in Deutschland immer weiter gegenseitig in die Haare geraten und darüber die globale Entwicklung nach und nach aus dem Blick gerät.

Was bedeutet es für unsere Gesellschaft, wenn der Nachrichtenkonsum künftig vorwiegend über die sozialen Netzwerke befriedigt wird und damit am Ende weder eine Zeitung gelesen noch ein hintergründiger Beitrag des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks gehört oder gesehen wird? Es hängt doch nicht wirklich kausal mit den Online-Angeboten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zusammen, dass es offensichtlich besonders schwierig ist, im Netz entsprechende Bezahlmodelle zu etablieren.

Nur einen Fingertipp entfernt: Um die App der „Tagesschau“ haben Presseverlage (darunter der Verlag der F.A.Z.) und die ARD vor Gericht gerungen.

EU-Kommissar Günther Oettinger hat in der vergangenen Woche ARD und ZDF scharf kritisiert: Die Sender sorgten für ein „kostenloses und umfassendes journalistisches Angebot im Netz“, das für die privat finanzierten Verlagshäuser eine „eindeutige Konkurrenz“ darstelle. Wieder reibt man sich die Augen: Oettinger selbst hatte noch als Ministerpräsident von Baden-Württemberg an genau den rundfunkstaatsvertraglichen Regelungen mitgewirkt, die dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Netz den Auftrag gaben, allen Bevölkerungsgruppen die Teilhabe an der Informationsgesellschaft zu ermöglichen. Wie anders sollte dieser Auftrag zu verstehen sein, als ein qualitativ hochwertiges journalistisches Angebot im Netz zu machen?

„Wer den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf lineares Programm und begleitende Telemedien beschränken will, schafft ihn mittelfristig ab“, sagt Wolfgang Schulz, Direktor des renommierten Hans-Bredow-Instituts in Hamburg. Umgekehrt ist aber auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht taub, wenn es um die Sorgen der Zeitungsverleger geht. So hat zum Beispiel der Südwestrundfunk seine neue Nachrichten-App allen Chefredakteuren der Zeitungsverlage in seinem Sendegebiet vor dem Start vorgeführt. Einhelliges Urteil: Mit gedruckter Presse (Presseähnlichkeit) hat das nichts zu tun. Vielleicht wäre also doch das einfache Prinzip gegenseitiger Rücksichtnahme die bessere Variante zu einem kräftezehrenden und zermürbenden Zwist, bei dem am Ende der Qualitätsjournalismus der einzige Verlierer ist.

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