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Nico Hofmann über „Rommel“ Für mich ist er kein Held

 ·  Strohtrockene Pädagogik kann nicht der einzige Weg der Annäherung sein: Ein Gespräch mit Nico Hofmann, dem Produzenten des heute Abend im Ersten ausgestrahlten Films über Erwin Rommel.

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Herr Hofmann, pflegen wir in Deutschland noch immer einen falschen Umgang mit Figuren wie Erwin Rommel?

Ich glaube, diese deutsche Distanziertheit ist hier falsch. Wir haben jahrzehntelang mit strohtrockener Pädagogik über den Nationalsozialismus geredet. Es wird Zeit, auch Psychologie und Gefühl in einer historischen Auseinandersetzung zuzulassen.

Wie Sie selbst sagen, soll Rommel in Ihrem Film als „nachspürbare, komplexe Persönlichkeit“ gezeigt werden. Der Drehbuchautor und Regisseur Niki Stein hat bei einer Vorführung des Films in Berlin sogar gesagt, er sehe in Rommel einen „tragischen Helden“.

Ein Held ist er für mich nicht. Wie am Ende des Films zu sehen, hat er doch eher etwas Einsames: Diese letzten Auftritte bei Hitler - da bleibt von den sogenannten soldatischen Tugenden nichts mehr.

Zumindest dramatisiert der Film aber einen komplexen historischen Stoff, konzentriert ihn auf das Gewissensdilemma einer einzelnen Figur.

Klar, das ist ja eine große und wichtige Frage seit Jahren: Darf und soll man Persönlichkeiten und historische Ereignisse des „Dritten Reichs“ im Film emotionalisiert darstellen? Ich sage dazu ganz entschieden ja - und übrigens hat diese Frage auch schon Joachim Fest in Ihrer Zeitung bejaht, in einem Essay zur Fernsehserie „Holocaust“ in den siebziger Jahren.

Das Drehbuch von Niki Stein behandelt bewusst nur Rommels letzte sieben Monate. Es ist kein „Wüstenfuchs“-Film, die Vorgeschichte wird hier vorausgesetzt.

Das war eine ganz bewusste Entscheidung von Niki Stein und mir, zu der ich stehe. In diesem Film sollte es vor allem darum gehen, ganz exemplarisch die Moral von Befehl und Gehorsam auszuloten. Deshalb steht ihm auch ein Hannah-Arendt-Zitat voran: „Wir sind auch für unseren Gehorsam verantwortlich.“

Was sagen Sie zu den Vorwürfen des Historikers und Holocaust-Leugners David Irving, Teile des Drehbuchs seien aus seiner Rommel-Biographie übernommen?

Die Vorwürfe sind haltlos. Bereits im Vorfeld möglicher weiterer Entscheidungen hat ein Potsdamer Gericht bereits ein entsprechendes Urteil getroffen. Es gibt keine Urheberrechtsverletzungen, da wir uns ausschließlich auf allgemein zugängliches Forschungsmaterial beziehen, das jeweils durch zwei Quellen belegbar ist.

In einer Kritik des „Stern“ war jüngst zu lesen, Rommel werde in Ihrem Film als „Hitlers Pop-General“ dargestellt und zum „Unterhaltungshelden“ gemacht.

Das ist absurd. Wir zeigen Rommel nahezu in jeder Szene in seiner ganzen Ambivalenz - es geht ausschließlich um Widersprüche, um Entmystifizierung, nicht um das angeblich Heldenhafte. Ich finde, dass dem Film die schwierige Balance eines anspruchsvollen, intelligenten Stücks im Hauptabendprogramm der ARD gelingt.

„Rommel“ läuft heute Abend um 20.15 im Ersten. Die Fragen stellte Jan Wiele.

Quelle: F.A.Z.
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