18.01.2010 · Die Zeit der Gratis-Kultur bei der „New York Times“ ist anscheinend vorbei: Der Internetauftritt der Zeitung soll offenbar schon in Kürze kostenpflichtig gestellt werden. Demnach ist der Schritt nur noch eine Sache von Tagen oder Wochen.
Von Michael HanfeldDie „New York Times“ hat angeblich alle Vorbereitungen getroffen, um ihren Internetauftritt kostenpflichtig zu stellen. Nach einem Jahr heftiger interner Debatten stehe Arthur Sulzberger jun., der Verleger der „New York Times“, kurz davor, den Schritt zu verkünden, schreibt das „New York Magazine“. Es sei eine Frage von Tagen, maximal Wochen und werde vielleicht abgestimmt mit der Vorstellung des Computers im flachen Tablet-Format, den Apple für die nächsten Tage angekündigt hat. In diesem Frühjahr könne die „New York Times“ ihr Abo-System dann einführen.
Bei den internen Debatten sei es unter anderem um die Frage gegangen, in welcher Weise die „New York Times“ ihre Leser im Internet zur Kasse bitten will - mit einem generellen Bezahlzugang, wie ihn das „Wall Street Journal“ eingerichtet hat, oder mit einem abgestuften System, wie es die „Financial Times“ auszeichnet. Dort können Leser eine bestimmte Anzahl von Artikeln kostenlos einsehen, bevor sie aufgefordert werden, einen Abo-Zugang zur „Financial Times“ zu buchen. Regelmäßige Leser werden zu Abonnenten; diejenigen, die nur ab und an den Online-Auftritt der „New York Times“ frequentieren, finden derweil weiterhin einen kostenlosen Zugang - zu einem Teil des redaktionellen Angebots.
Entscheidung nicht unumstritten
Die „New York Times“ soll sich sowohl dagegen entschieden haben, mit dem Dienst „Journalism Online“ zusammenzuarbeiten als auch mit Rupert Murdochs News Corporation, die auf ein gemeinsames Vorgehen der Verlage im Internet gedrungen habe, etwa um bei Google und anderen Web-Aggregatoren bessere Konditionen auszuhandeln. Murdoch hat für seine Medien generell die Losung ausgegeben, nicht mehr alles kostenlos abzugeben.
In der Redaktion der „New York Times“ sei die Entscheidung nicht unumstritten, schreibt das „New York Magazine“. Der Chefredakteur Bill Keller befürworte ein Abo-System. Prominente Kolumnisten wie Maureen Dowd und Tom Friedman wiederum hätten Vorbehalte gehabt, angesichts sinkender Leserzahlen, die sie bei solchen Stücken verzeichneten, die schon seit einiger Zeit nur von Abonnenten einzusehen sind. Jetzt aber sage Friedman, er befürworte „ein bestimmtes Modell“ der Bezahlung: „An einem bestimmten Punkt müssen wir für unser Produkt einen Preis verlangen.“