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Neues ZDF-Nachrichtenstudio Hurra, hurra, das Kraftwerk brennt

18.07.2009 ·  Die Nachrichten des ZDF kommen von nun an aus einem hypermodernen, virtuellen Studio. In dem ging am Freitag das AKW Krümmel in Flammen auf. Die von Steffen Seibert moderierte „heute“-Sendung selbst blieb unfallfrei.

Von Michael Hanfeld
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Braucht man das? Ja man braucht es. Das ZDF braucht es, jeder Sender wird es brauchen, wir werden bald nichts anderes mehr kennen: ein Nachrichtenstudio, in dem sich Informationen im Nu und ganz selbstverständlich in 3D-Graphiken darstellen lassen. Es muss nicht unbedingt gleich dreißig Millionen Euro kosten, die das ZDF für seinen neuen Studiokomplex „N“ hergab, aber ohne eine derartige Investition in die Computertechnik werden Nachrichten sehr schnell sehr alt aussehen. Das bisherige Nachrichtenstudio des ZDF kommt einen schon einen Tag, nachdem zum letzten Mal aus ihm gesendet wurde, wie ein Museumsstück vor.

Dabei sind die Veränderungen, die das ZDF mit einer landesweiten Werbekampagne begleitet hat, die eine weitere Million Euro gekostet haben dürfte, gar nicht so augenfällig. Bei den „heute“-Nachrichten und dem „heute journal“ wirkt nun alles vor allem heller, lichter und großzügiger. Doch muss man auch sagen: Es ist zu licht, zu hell und zu weit. Am ersten Abend mit den ZDF-Nachrichten aus dem neuen Studio fühlte man sich bemüßigt, die Helligkeit und die Farbigkeit des Fernsehbilds zu justieren, das neue Erscheinungsbild der Nachrichten made in Mainz wirkt vor allem: ausgeblichen, pre-washed, zu sehr auf Online getrimmt. Und die Moderatoren wirken zwar präsenter, doch zugleich vor dem virtuellen Hintergrund wie ausgeschnitten: Origami-Männchen in 3D.

Geteiltes Echo

Zum Auftakt hatten sich die Graphiker des ZDF natürlich etwas einfallen lassen, um zu demonstrieren, was möglich ist: Wo sonst ein herkömmlicher Beitrag über das Atomkraftwerk Krümmel und dessen Sicherheitsmängel gelaufen wäre, wanderte Steffen Seibert nun durch eine AKW-Projektion, als seien wir bei einer Betriebsbesichtigung. Einer mit Schall und Rauch allerdings, schließlich kokelte das Kraftwerk zum richtigen Zeitpunkt schön vor sich hin. Das sah putzig aus, einprägsam ist es auf jeden Fall, doch ob es angemessen ist, Nachrichten im Fernsehen in dieser Weise aufzubereiten, lässt sich nur von Fall zu Fall entscheiden. Die Sitzverteilung im Landtag von Schleswig-Holstein, die das ZDF auch noch in 3D ins Studio warf, unterschied sich derweil kaum von dem, was wir bei solchen Gelegenheiten bislang zu sehen bekamen.

Das Rad hat das ZDF nicht neu erfunden, am Zuschnitt der Nachrichten selbst ändert sich wenig. Acht Themen werden in einer Sendung angesprochen, schon der dritte Beitrag - vom Parteitag der CSU - ist ein Langweiler, bei dem nur die hartgesotten an Politik Interessierten nicht wegzappen. Das Echo der Zuschauer im Online-Forum des ZDF war geteilt. Lange wird man sich über die Veränderungen nicht aufregen. Ob es dem Sender hilft, dem Zuschauerschwund, der die meisten Fernsehnachrichtensendungen erfasst hat, Paroli zu bieten, ist eine ganz andere Frage.

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