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Neuer Saarland-„Tatort“ Im Billighotel laufen die Dinge aus dem Ruder

 ·  Die neuen Kommissare von der Saar gehen an die Arbeit: Devid Striesow und Elisabeth Brück haben mit den Dreharbeiten zum runderneuerten saarländischen „Tatort“ begonnen.

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© dpa Das sind die Neuen: Devid Striesow spielt Kommissar Stellbrink, Elisabeth Brück ist seine Kollegin Lisa Marx. Er liebt seine Vespa, sie eher Lederkluft

Die Luft steht, es ist drückend. Vor der Pförtnerloge im Klinikum Saarbrücken riecht es nach Desinfektionsmitteln. Nicht beißend und aufdringlich, aber deutlich wahrnehmbar. Draußen hängen die Wolken tief, Regenschauer ziehen durch. Das Laub der Birken rauscht im Wind. Ein trostloser Herbsttag mitten im Juli. Horst Jordan betritt den Raum in Begleitung einer Ärztin. Vom Pförtner will er sich Videoaufnahmen der Überwachungskamera zeigen lassen. Er hofft, mit dem Material einen Verbrecher zu überführen.

Jordan ist kein Unbekannter. Seit 2006 gehört der von Hartmut Volle gespielte Leiter der Spurensicherung zum Ermittlerstab des nun rundum erneuerten „Tatorts“ aus dem Saarland. Jordans Kollegen Kappl (Maximilian Brückner) und Deininger (Gregor Weber) sind nicht mehr dabei. Der neue Hauptkommissar heißt Jens Stellbrink und wird von Devid Striesow gespielt. Elisabeth Brück übernimmt die Rolle der Hauptkommissarin Lisa Marx. Ein ungleiches Team. Stellbrink fährt Vespa, handelt nach klaren moralischen Prinzipien und ist laut Christian Bauer, dem „Tatort“-Redakteur im Saarländischen Rundfunk, ein „liebenswerter, eher weicher Typ“. Sein hervorstechendstes Merkmal ist sein trockener Humor. Ganz anders Lisa Marx: Sie trägt Lederkluft, fährt Motorrad und fungiert als „Gegenentwurf zu Stellbrink“. Der dritte Neuzugang ist die Staatsanwältin Nicole Dubois (Sandra Steinbach), eine karriereorientierte Frau, die sich gerne in laufende Ermittlungen einmischt.

Erinnerungen an Kafka

Beim saarländischen „Tatort“ hat sich, abgesehen von Jordan, also alles gewandelt. Meint man. Denn die Neuerungen sind auch an dieser Figur nicht vorbeigegangen. „Horst Jordan“, so Bauer, „kommt in eine neue Lebensphase. Wir haben bei ihm das Spießbürgerliche etwas weggenommen.“ Das fängt bei der lässigen Garderobe an, geht aber noch weiter. „Er traut sich mittlerweile, seine Meinung zu sagen, er prescht vor und ist psychologisch interessanter als bisher“, erklärt der dynamisch wirkende Hartmut Volle in einer Drehpause. Gerade jetzt, am Anfang der Zusammenarbeit, bekommt das neue Ensemble noch Zeit, sich zu entwickeln. Für Striesow ist es besonders reizvoll, „langfristig eine Figur zu kreieren“. Der Regisseur Hannu Salonen sieht ein wichtiges Ziel darin, „die Beziehungen zwischen den Figuren lebendig zu gestalten“. Einundvierzig Tage lang dreht Salonen momentan die ersten beiden neuen „Tatort“-Folgen aus Saarbrücken - sie heißen „Melinda“ und „Ende der Straße“ -, acht „Tatorte“ für verschiedene Sender liegen bereits hinter ihm. „Melinda“ erzählt die Geschichte eines arabischen Mädchens, das von Stellbrink in einem Baumarkt aufgelesen wird. Melinda führt ihn ins Zimmer eines Billighotels. Schnell merkt Stellbrink, dass etwas nicht in Ordnung ist. Doch dann geraten die Dinge völlig außer Kontrolle.

Zu Beginn der Dreharbeiten wurde in einem vor Jahren aufgegebenen, morbiden Flur der Kinderklinik gefilmt; heute erfolgen die Aufnahmen im Institut für Strahlentherapie. Obwohl am saarländischen „Tatort“ alles neu ist, erscheint die Szenerie geradezu anachronistisch. Die Wände des Raums sind weiß gefliest, von der holzvertäfelten Decke hängen verchromte Kugelleuchten, in der Pförtnerkanzel Lamellenvorhänge aus Stoff. Und erst der Pförtner! Er trägt ein hellblaues Hemd mit dunkelblauer Krawatte und sitzt kerzengerade an seinem Arbeitsplatz. Hinter ihm steht ein grauer Archivschrank, auf dem Tisch eine silberne Thermoskanne. Man bekommt den Eindruck, als habe sich hier seit der Einweihung des Krankenhauses vor über vierzig Jahren nichts verändert. Das hat durchaus Charme. Atmosphärisch erinnert die reduzierte und sterile Umgebung an Büroszenen bei Kafka.

Horst Jordan steht inzwischen neben dem Pförtner und schaut auf das Videomaterial. „Stopp, zurückspulen bitte, stopp“, sagt er aufgeregt, in seinen Augen funkelt es. Plötzlich entdeckt er, wonach er gesucht hat. Seine Beharrlichkeit hat sich ausgezahlt, der Täter ist identifiziert. Auch Salonen gefällt, was er hinter der Kamera auf seinem Monitor sieht. Er nickt, wirft einen zufriedenen Blick in die Runde und ruft: „Sehr gut, danke!“ Genaue Sendetermine stehen noch nicht fest, geplant ist die Ausstrahlung beider Folgen für das erste Quartal des kommenden Jahres.

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