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Neuer Frauensender Arbeitstitel „FemTV“

06.11.2009 ·  Die Sendergruppe Pro Sieben Sat.1 arbeitet an einem neuen Programm. Im Sommer des nächsten Jahres könnte das Werben um die wertvollste Zuschauerzielgruppe beginnen. Den letzten privaten Frauensender gab es vor acht Jahren.

Von Michael Hanfeld
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Einen „Familiensender“ hat die Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 seit jeher. Sat.1 stellt sich als solcher auf, mit einem entsprechend moderat ausgelegten Programm, das ein mehrheitlich weibliches Publikum anspricht. Mit dem europäischen Fußball, den der Sender seit dieser Saison überträgt, haben sich die Schwerpunkte allerdings ein wenig verschoben. Doch jetzt soll es ein Gegengewicht geben: einen eigenen Frauensender, der unter dem Arbeitstitel „FemTV“ firmiert; ein Online-Portal mit Namen „Fem.com“ gibt es schon, dieses hatte die Sendergruppe im Sommer des vergangenen Jahres erworben.

Zum Portal kommt nun der Sender, im zweiten Quartal 2010 könnte das Programm starten, übertragen über digitales Kabel und Satellit. Es soll frei empfangbar, also kein Abokanal sein und könnte Sendungen und Serien aller bisherigen Sender kombinieren, die „Desperate Housewives“ von Pro Sieben werden sich hier wiederfinden genauso wie Wiederholungen von „Verliebt in Berlin“ oder „Anna und die Liebe“, neue Formate kämen hinzu. Es ist ein interessantes Experiment, für das es ein - allerdings gescheitertes - historisches Vorbild gibt.

Besser dastehen als der Markt

Der im Frühjahr ins Amt gekommene neue Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat.1, Thomas Ebeling, hatte von Beginn an erkennen lassen, dass er auf der Suche nach neuen Vermarktungsmöglichkeiten ist. Bei der Verkündung der Zahlen für das dritte Quartal bestätigte er am vergangenen Donnerstag, dass Pro Sieben Sat.1 auf der Suche nach neuen Umsatzquellen sei. „Dazu gehören Free-TV, aber auch zusätzliche Pay-TV-Modelle, Video-on-Demand oder mobile Dienste.“ Ebeling setzt also auf - alles dagewesene und noch ein bisschen mehr. Einige Tage zuvor hatte es Trubel um eine falsch kolportierte Geschichte gegeben, der zufolge Pro Sieben Sat.1 seine großen Sender kostenpflichtig machen wolle, woran in der Gruppe allerdings niemand denkt.

Im Interview mit der F.A.Z. hatte Ebeling vielmehr schon im September darauf verwiesen, dass er die Gruppe auf eine breitere Vermarktungsbasis stellen will. Es geht ihm um zusätzliche Quellen, nicht darum, die bestehenden Sender, die sich nach Markanteilen gut behaupten, zu rasieren. Kosten sparen muss die Gruppe jedoch weiterhin, im dritten Quartal sank ihr Umsatz um knapp acht Prozent auf rund 560 Millionen Euro. Das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verbesserte sich zwar um knapp zwei Prozent auf 94,4 Millionen Euro, doch stieg unter dem Strich der Verlust von 10,7 Millionen Euro im Jahr zuvor auf 12,7 Millionen Euro.

„Wir laufen besser als der Markt“, hatte Ebeling der F.A.Z. gesagt, gleichwohl darauf verwiesen, dass dieser im Augenblick schrumpfe. Um dem entgegenzutreten will der Vorstandschef den Anteil der Einnahmen, die nicht auf Werbung basieren, von im Augenblick fünfzehn auf dreißig Prozent steigern. Der Konzern ächzt unter der rund 3,4 Milliarden Euro schweren Schuldenlast, die bei der Übernahme durch die Finanzinvestoren KKR und Permira entstanden sind, gäbe es diese nicht, wären die Sender allesamt echte Gewinnbringer.+

Der letzte Frauensender hieß „tm3“

Mit dem neuen Frauensender richtet sich Pro Sieben Sat.1 darauf ein, sein Programmvermögen mehrfach zu verwerten. Orientierung geben die Frauensender der skandinavischen SBS-Gruppe, mit der Pro Sieben Sat.1 verschmolzen ist.

Das letzte Experiment mit einem deutschen Frauensender im deutschen Fernsehen liegt acht Jahre zurück. „tm3“ hieß der Kanal, aus dem nach einigen Eigentümerwechseln schließlich im September 2001 der Geldspielkanal „9live“ wurde, der wiederum - kleine Ironie der Geschichte - seit vier Jahren zu Pro Sieben Sat.1 gehört. Bei läppischen und für die Zuschauer teuren Anrufspielchen wird Pro Sieben Sat.1 mit „FemTV“ wohl kaum zusteuern. Das Konzept dürfte sich vielmehr am Erfolg des ebenfalls zu Pro Sieben Sat.1 zählenden Kabel 1 orientieren. Dort laufen - ohne allzu großen Kostenaufwand - Serien zweiter Ordnung oder solche, die in den Hauptprogrammen von Pro Sieben und Sat.1 erfolgreich waren.

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