20.11.2006 · Die Deutschen tun sich mit Humor ja angeblich etwas schwer. Das soll sich ab Januar 2007 ändern. Dann will das MTV Networks-Porgramm „Comedy Central“ die Fernseher des Landes erobern
Von Sabine SasseDie Deutschen tun sich mit Humor ja angeblich etwas schwer. Nicht umsonst kursiert der Scherz von den drei dünnsten Büchern der Welt: britische Kochkunst, italienisches Heldentum und deutscher Humor. Das ist schon deshalb nur begrenzt lustig, weil deutsche Comedy-Shows diese Einschätzung immer wieder bestätigen. Da bestaunt man immer wieder Comedians, die Humor mit Kalauern verwechseln, und: sie haben Erfolg damit.
Vom 15. Januar 2007 an soll das ein bißchen anders werden. An diesem Tag startet MTV Networks, zu dem neben MTV auch Viva und der Kinderkanal Nick gehören, auf den Frequenzen des auslaufenden Senders Viva plus ein vierundzwanzigstündiges Programm: Comedy Central.
Mehr Facetten für den deutschen Humor
In den Vereinigten Staaten ging Comedy Central bereits 1991 mit großem Erfolg auf Sendung, 1995 wurde es in Großbritannien gelauncht. Nun, zwölf Jahre später, hofft man auf einen ähnlichen Erfolg auf dem deutschen Markt. „Wir wollen zeigen, daß es auch im deutschen Humor mehr Nuancen und Facetten gibt“, sagt Markus Andorfer, der sowohl für Nick als auch für Comedy Central den Geschäftsbereich Entertainment Channels verantwortet. Dafür wurde in den letzten Monaten bereits eine ganze Reihe neuer Shows produziert, mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen.
Offenbar gibt es noch eine ganze Reihe komischer Talente, die man auf RTL oder Sat.1 nicht zu sehen bekommt. Zum Beispiel „Para-Comedy“, in der körperlich behinderte Comedians ahnungslose Passanten gezielt in die Irre führen und damit spielen, daß man körperlich Behinderte auch gern für geistig ein wenig beschränkt hält. Oder „Bullzeye“, eine Sketchreihe mit schrägen und politisch völlig unkorrekten einäugigen Puppen. „Night Wash“ mit Knacki Deuser, das lange Jahre im WDR seinen Stammplatz hatte, kann man ab Januar ebenso bei Comedy Central sehen wie die Duos „Badesalz“, „Mundstuhl“ und „Kargar trifft den Nagel“, aber auch viele noch Unbekannte.
Neue Formate und bekannte Serien
Man will Talenten eine Plattform bieten. „Die großen Sender können ja kaum noch Talente fördern, wenn sie Comedy mit Marktanteilsvorgaben von fünfzehn Prozent ins Rennen schicken“, sagt Markus Andorfer. „Wir hingegen können Formate senden, an die sich bisher noch niemand herangetraut hat. Das haben auch die ersten Kontakte mit Comedy-Produzenten gezeigt. In deren Schubladen lagerten Formate, die woanders keine Chance hätten.“ Aber nicht, weil sie mangelhaft wären, sondern zu unkonventionell.
Hinzu kommen Serien aus den Vereinigten Staaten und Großbritannien, viele davon mehrfach preisgekrönt, in Deutschland zu Unrecht unbekannt, wie „Reno 911!“, „Hier kommt Bush!“, „Creature Comforts“ oder „Extras“ mit Gastauftritten bekannter Schauspieler wie Samuel L. Jackson, Kate Winslet oder Ben Stiller. Einen „gut zweistelligen Millionenbetrag“ investiert MTV in den Sender, zum Start wird eine technische Reichweite von mehr als einundzwanzig Millionen Haushalten erreicht.
Nicht witzig
Robert Klemme (rklemme)
- 20.11.2006, 17:03 Uhr