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Neuer BBC-Chef Tim Davie Vor dem Aufräumen ein goldener Handschlag

 ·  Während sich George Entwistle mit einem vollem Jahressalär verabschiedet, bemüht sich die BBC, unter dem Übergangschef Tim Davie verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

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© Reuters Vergrößern Neuer Übergangs-Chefs der BBC: Tim Davie

Nach dem Rücktritt von George Entwistle hat die BBC unter der Leitung ihres Übergangs-Chefs Tim Davie am Montag erste Schritte unternommen, um einige der redaktionellen Mängel zu beheben, die zu der verheerenden Entscheidung führten, einen Politiker der Konservativen fälschlich der Pädophilie zu beschuldigen, ohne sich abzusichern. Der aus der Marketingbranche kommende Davie, der bislang für die BBC-Radiosender verantwortlich war und die Leitung von BBC Worldwide, dem kommerziellen Arm des Senders, übernehmen sollte, versprach, eine klare Befehlskette zu schaffen und die Krise „in Griff“ zu bekommen, um das Vertrauen wieder herzustellen.

Die Nachrichtenchefin Helen Boaden und ihr Stellvertreter sind bis auf weiteres von ihren Posten abberufen worden. Ein interner Bericht über die Hintergründe des stümperhaften „Newsnight“-Beitrages hat nach der Befragung der Beteiligten vor allem die unklare Verantwortungsstruktur für das Versagen verantwortlich gemacht. Die Zukunft der „Newsnight“-Redaktion scheint vorerst gesichert, trotz der Vermutungen, dass die Sendung, wie einer ihrer Moderatoren sagte, „erledigt“ sei. Disziplinarische Maßnahmen werden allerdings nicht ausgeschlossen.

„Ehrenwerter“ Rücktritt

„Newsnight“ hatte den Beitrag zusammen mit dem „Bureau of Investigation“ erstellt, einer Organisation, die bekundet, im Auftrag britischer Medien Recherchen im öffentlichen Interesse zu unternehmen. Der Chefredakteur der Organisation ist am Montag entlassen worden.

Unterdessen ist der Aufsichtsrat der BBC wegen der hohen Abfindung des zurückgetretenen Generaldirektors abermals unter Beschuss geraten. Der Aufsichtsrat gewährt Entwistle ein volles Jahressalär in Höhe von 450 000 Pfund, obwohl ihm vertraglich bloß die Hälfe zusteht. Das sei unter den gegebenen Umständen schwer zu rechtfertigen, stimmten ein Sprecher des Premierministers und die Kulturministerin in den Chor der Kritiker ein.

Der Aufsichtsratsvorsitzende Lord Patten rechtfertigte die Entscheidung damit, dass Entwistle den „ehrenwerten“ Schritt getan habe, freiwillig zu gehen. Andernfalls habe man eine Kündigung mit dem Anspruch auf ein Jahresgehalt erwägen müssen, schrieb Patten an den Vorsitzenden des parlamentarischen Kulturausschusses.

Die Forderungen nach Pattens Rücktritt verstummen nicht, zumal sich herausgestellt hat, dass der Aufsichtsratsvorsitzende anders als der Generaldirektor über die umstrittene „Newsnight“-Reportage unterrichtet war. Patten sei davon ausgegangen, dass Entwistle ebenfalls Bescheid gewusst habe, nachdem der Chefredakteur des „Bureau of Investigation“ mit einem Tweet die Spekulationen in Gang gesetzt hatte, die dazu führten, dass der „hochrangige Konservative“ namentlich identifiziert wurde.

Er droht jetzt mit Verleumdungsklagen gegen alle, die ihn im Internet genannt haben. In Hinblick darauf wird vielfach bemängelt, dass die Leveson-Untersuchung der Ethik und Regulierung der Presse, deren Befunde bald veröffentlicht werden, sich auf die Druckmedien beschränkt hat.

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