http://www.faz.net/-gqz-75zap
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 24.01.2013, 17:01 Uhr

Neue ZDF-Serie „Heldt“ Schimanski 2.0

Cool, smart, todesmutig und ein Frauenversteher: Der neue Held im ZDF-Vorabendprogramm heißt Heldt und soll das junge Publikum begeistern.

von
© dapd Haben Sie mal Feuer? Nikolas Heldt (Kai Schumann) zündelt gern.

Das kennen wir doch irgendwoher: Cooler Polizist, django- und schimanskimäßig unangepasst in jeder Hinsicht; nörgelnder, leicht peinlicher Chef; fesche Staatsanwältin (mit Model-Vergangenheit); Handlungsort Ruhrgebiet; auf Pointe gesetzte Dialoge, flotter Schnitt, zu jeder Stimmung eingepasste Pop-Musik; Flirtfaktor, disziplinarische Kuratel durch Innendienst - so sieht die zeitgemäße Krimi-Komödie aus.

Michael Hanfeld Folgen:

Nur läuft dieselbe nicht bei Sat.1 und heißt nicht „Der letzte Bulle“, sondern kommt vom ZDF und nennt im Titel den Namen der Hauptfigur, der den Charakter zugleich auf den Nenner bringt: „Heldt“. So heißt die neue, auf zunächst sechs Folgen angelegte Vorabendserie mit Kai Schumann in der Hauptrolle.

Alle brauchen Heldt

Und der kann in jeder Episode zeigen, warum er sich aus der zweiten in die erste Reihe gespielt hat. Er gibt diesen Nikolas Heldt als smarten Typen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn, ist charmant zu den Damen und ein Frauen- und Familienversteher zugleich, ein wagemutiger Teufelskerl, der den Vorgesetzten auf der Nase herumtanzt. Einen korrekten Abschlussbericht bringt er nicht zustande, die Teambuilding-Sitzung schwänzt er, aber er löst den Fall, im Alleingang, gegen alle Widerstände, auch und vor allem aus den eigenen Reihen.

Mehr zum Thema

Gleich in der ersten, heute laufenden Folge schießt Heldt übers Ziel hinaus - er wirft dem Großkriminellen und Menschenhändler, den er endlich einbuchten will, eine Handgranate unters Auto. Den Knalleffekt lässt ihm die neue Staatsanwältin Ellen Bannenberg (Janine Kunze macht einen weiteren Schritt von der Comedy ins halbernste Fach) nicht durchgehen. Doch schon bald stellt sich, wie nicht anders zu erwarten, heraus, dass es in dem Fall ohne Heldt nicht weitergeht. Da kann sein auf die Dienstvorschrift pochender Chef Detlev Grün (Timo Dierkes) machen, was er will. Die Bochumer Polizei, ja, eigentlich die ganze Welt, braucht diesen heldenhaften Heldt (davon gibt sich auch das Presseheft des ZDF überzeugt).

Für die jungen Zuschauer

Zu sehen gibt es also eine muntere, nicht zu anspruchsvolle Vorabendserie, gemacht von und mit Profis und Routiniers in Regie und Drehbuch, die für das aufs Betuliche abonnierte ZDF jedoch einen Quantensprung darstellt. Denn bis dato liefen auf diesem Sendeplatz Serien der Marke „Der Landarzt“ und „Forsthaus Falkenau“, die langsam ausgemistet werden (den „Bergdoktor“ gibt es aber noch). Die Veränderungen, die sich der Programmdirektor Norbert Himmler vorgenommen hat, um auch jüngere Zuschauer daran zu erinnern, dass es für das Zweite einen Knopf auf der Fernbedienung gibt, nehmen peu à peu Gestalt an. Und mit Kai Schumann gelingt die Akzentverschiebung in recht ansehnlicher Weise.

Was der Mann wirklich kann, werden wir aber erst demnächst auf dem „Der letzte Bulle“-Sender Sat.1 sehen. Dann nämlich, wenn Schumann als Franz Ferdinand von und zu Donnersberg in „Der Minister“ aufspielt. Auch das ist ein Charakter, der in jeder Hinsicht aus der Rolle fällt.

Heldt läuft an diesem Donnerstag um 19.25 Uhr im ZDF.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Smart Brabus Für Freunde des entfesselten Kleinstwagens

Smart lässt den Brabus los. Ein Dreizylinder mit 109 PS soll Frühlingsgefühle im automobilen Winzling wecken. Mehr Von Holger Appel

28.04.2016, 11:15 Uhr | Technik-Motor
Spieletrailer Far Cry Primal

Far Cry Primal gibt es für PS4, Xbox One und PC. Mehr

04.04.2016, 18:32 Uhr | Feuilleton
TV-Kritik Jetzt schau doch nicht so tiefgründig

Vor der Kamera versteinert: Der ZDF-Krimi Die Toten vom Bodensee ist ein totaler Reinfall. Die Kamera saugt sich am Antlitz der Hauptdarstellerin fest, als gäbe es sonst nichts zu zeigen. Gibt es auch nicht. Mehr Von Heike Hupertz

18.04.2016, 18:40 Uhr | Feuilleton
Triumphs and Lament Streetart verändert das Stadtbild von Rom

Historische Kunst gibt es in Rom zuhauf – jetzt verändert immer mehr Streetart das Stadtbild. Das riesige Graffito-Wandgemälde Triumphs and Laments am Tiberufer zeigt auf 550 Metern die Geschichte Roms. Das Ziel: Das Flussufer im Stadtzentrum aufzuwerten. Ein ähnliches Projekt gibt es im Stadtteil Tor Marancia. Mehr

23.04.2016, 09:50 Uhr | Feuilleton
Formel-1-Pilot Daniil Kwjat Mit Attacken auf Vettel

Formel-1-Pilot Daniil Kwjat wird der erste russische Grand-Prix-Sieger, sagt sein Team. In Sotschi muss sich der Ferrari-Star vor ihm in Acht nehmen – wie schon beim letzten Rennen. Mehr Von Christoph Becker, Sotschi

01.05.2016, 13:09 Uhr | Sport
Glosse

Wenn das ins Auge geht

Von Dietmar Dath

Alphabet (Google) hat ein Patent für eine radiofrequenzenergiekompatible Flüssigkeit angemeldet. Man träufelt sie ins Auge und kann das eigene Sehen anschließend fremdsteuern lassen. Mehr 0