Home
http://www.faz.net/-gqz-764w0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Neue Suchergebnisdarstellung Googles großer Bilderklau

Google kündigt eine neue Darstellung der Bildersuchergebnisse an. Sie rückt die Fundstücke noch weiter von den Fundorten weg und macht es unnötig, Google zu verlassen.

© Google Vergrößern Gezeigt an unverfänglichen Bildern: die künftige Darstellung der Bildersuchergebnisse bei Google

Was regen sich die Leute denn so auf? Gut sieht sie doch aus, und schnell wie nie soll sie sein, die neue Ergebnisseite, die Google seinen Nutzern nach der Bildersuche künftig zeigen will: Vor dunklem Hintergrund werden die Fundstücke in einheitlicher Höhe zu Streifen angeordnet, im Zentrum des Browserfensters öffnet sich groß das ausgewählte Bild, und rechts davon werden Angaben zu Fundort und Bildgröße gezeigt. Diese Zeilen sind zum Teil verlinkt, von hier aus können die Nutzer zum Fundort der Bilder kommen, auf Seiten also, die den Rahmen, den Kontext bilden für das Bild — und die vielfach selbst über Werbung finanziert werden. Hierhin werden die Nutzer geleitet, wenn sie das noch wollen.

Fridtjof Küchemann Folgen:

Das aber ist die Sorge der Betreiber von Websites, die gegen die Ankündigung dieser Neuerung Sturm laufen, das ist der Eindruck, mit dem sich Künstler, Fotografen, Illustratoren im Internet Aufrufen wie „Verteidige dein Bild“ anschließen: dass ihnen ihr Werk sozusagen aus der Hand genommen und in einem Zusammenhang gezeigt wird, der mit ihnen, ihrer eigenen Internet-Präsenz direkt überhaupt nichts mehr zu tun hat. Und dass kein Nutzer mehr den vier Links folgen wird, mit denen Google der Beschreibung nach künftig auf den Fundort des Bildes verweisen will. Auch wenn Google in seinem Webmaster Central Blog noch so begeistert davon berichtet, dass man diese Neuerung zusammen mit Nutzern und Webmastern entwickelt habe, dass Testnutzer sogar häufiger als bisher die Seiten aufgerufen hätten, auf denen das Bild gefunden wurde. Die Präsentation der Bildersuchergebnisse auf Smartphones folgt bereits diesem Prinzip der zusammenhanglosen Darstellung.

Wie entlastend, wenn keiner mehr klickt!

„Wir Künstler sind keine rechtsfreien Sklaven eines Konzerns, der zwar immer ,Tue nichts Böses‘ faselt, sich selbst aber nicht an seinen Image-Slogan hält“, empört sich der Fotograf Michael Schilling aus Düsseldorf, der auf Google+ gegen die Pläne des Konzerns zu Felde zieht.

Bislang lädt Google im Hintergrund die Herkunftsseite eines gefundenen Bildes. Künftig wird diese Seite nicht mehr direkt angezeigt — auch nicht wie bei der konkurrierenden Suchmaschine Bing, an deren seit etwa einem Jahr eingesetzte Ergebnisseite der neue Entwurf von Google auffällig erinnert, unterhalb der Bilderreihen. Das würde die Server der Herkunftsseite doch entlasten, jubelt Google in seinem Blog. Wirklich: Wie entlastend, wenn keiner mehr klickt!

Schritt für Schritt wird der Besuch einer Website unnötig

Schon um die alte Bildersuche von Google hatte es einen Rechtsstreit gegeben, der im April 2010 vor dem Bundesgerichtshof mit dem Urteil endete, die Abbildung von Bildersuchergebnissen im Kleinformat, als Thumbnails, sei zwar weder durch das Zitatrecht noch durch ein konkludent eingeräumtes Nutzungsrecht gedeckt. Google begehe dennoch keine rechtswidrige Urheberrechtsverletzung, weil die Klägerin die Bildwiedergabe nicht blockiert, ihre technischen Möglichkeiten, diesen Zugriff zu verhindern, also nicht genutzt habe. Ebendieser Schritt wird den unwilligen Bildurhebern auch jetzt wieder nahegelegt. Geklagt hatte damals eine Künstlerin, die ihre Arbeiten im Internet veröffentlicht hatte.

Mit Umstellungen wie der jetzt angekündigten stülpe Google das Netz gleichsam nach innen, deutet Roland Reuß das Verfahren des Konzerns, Schritt für Schritt den Besuch einer Website durch die Darstellung der Suchergebnisse unnötig zu machen. Der Heidelberger Germanist, der in seinem Buch „Ende der Hypnose“ beschreibt, wie Google und Facebook den (naiven) Nutzer ausnehmen, rechnet schon mit dem nächsten Schritt, das Enteignungsverfahren über die Bildersuche hinaus auf alle Inhalte auszuweiten. „Und ganz am Ende wird Google dann nichts Interessantes mehr weiterverwursten können, aber das kümmert die jetzige Generation der Firmenleitung nicht.“

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Werbeunterdrückung im Netz Auch Privatsender unterliegen vor Gericht gegen Adblock Plus

Darf Adblock Plus die Ausspielung von Werbung im Internet verhindern und den Anbietern frei zugänglicher Seiten das Geschäft vermiesen? Privatsender haben sich gewehrt; das Landgericht München hat entschieden. Mehr Von Fridtjof Küchemann

28.05.2015, 14:27 Uhr | Feuilleton
Neuer Sicherheitschef Österreicher kämpft gegen Datendiebe bei Google

Der neue Google-Sicherheitschef Gerhard Eschelbeck will die Privatsphäre der Nutzer mit mehr Verschlüsselung schützen. Der Österreicher kämpft gegen staatliche Trojaner und private Datendiebe – und er sieht den oft kritisierten Online-Riesen beim Thema Datenschutz gut gerüstet. Mehr

21.04.2015, 16:59 Uhr | Technik-Motor
Werbeblocker Adblock Plus entwickelt eigenen Browser

Adblock Plus war bislang eine Zusatzsoftware etwa für den Firefox. Nun gibt es sie auch als eigenständigen Browser. Das dürfte nicht jedem gefallen. Mehr

20.05.2015, 13:28 Uhr | Wirtschaft
Amerika Amazon darf Drohnen testen

Neben dem Online-Händler experimentieren auch Google und die Deutsche Post mit Drohnen, um ihre Pakete künftig mit den Mini-Fluggeräten auszuliefern. Mehr

20.03.2015, 11:01 Uhr | Wirtschaft
Neue Street View-Aufnahmen In der Schweiz lebt kein Mensch

Google hat für seinen Dienst Street View die Schweiz noch einmal fotografiert. Ein Gericht erzwang, Personen und Orte zu verpixeln. Geklappt hat das nicht: Nun gibt es eine künstliche Panorama-Welt. Mehr Von Jürg Altwegg

21.05.2015, 15:59 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 29.01.2013, 22:51 Uhr

Phrasenherzen

Von Andreas Rossmann

Hasenherziges Philosophiefest: Die phil.Cologne hat den umstrittenen Philosophen Peter Singer erst ein- und kurzfristig wieder ausgeladen. Die Begründungen wirken fadenscheinig. Mehr 6 5