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Neue Suchergebnisdarstellung Googles großer Bilderklau

Google kündigt eine neue Darstellung der Bildersuchergebnisse an. Sie rückt die Fundstücke noch weiter von den Fundorten weg und macht es unnötig, Google zu verlassen.

© Google Vergrößern Gezeigt an unverfänglichen Bildern: die künftige Darstellung der Bildersuchergebnisse bei Google

Was regen sich die Leute denn so auf? Gut sieht sie doch aus, und schnell wie nie soll sie sein, die neue Ergebnisseite, die Google seinen Nutzern nach der Bildersuche künftig zeigen will: Vor dunklem Hintergrund werden die Fundstücke in einheitlicher Höhe zu Streifen angeordnet, im Zentrum des Browserfensters öffnet sich groß das ausgewählte Bild, und rechts davon werden Angaben zu Fundort und Bildgröße gezeigt. Diese Zeilen sind zum Teil verlinkt, von hier aus können die Nutzer zum Fundort der Bilder kommen, auf Seiten also, die den Rahmen, den Kontext bilden für das Bild — und die vielfach selbst über Werbung finanziert werden. Hierhin werden die Nutzer geleitet, wenn sie das noch wollen.

Das aber ist die Sorge der Betreiber von Websites, die gegen die Ankündigung dieser Neuerung Sturm laufen, das ist der Eindruck, mit dem sich Künstler, Fotografen, Illustratoren im Internet Aufrufen wie „Verteidige dein Bild“ anschließen: dass ihnen ihr Werk sozusagen aus der Hand genommen und in einem Zusammenhang gezeigt wird, der mit ihnen, ihrer eigenen Internet-Präsenz direkt überhaupt nichts mehr zu tun hat. Und dass kein Nutzer mehr den vier Links folgen wird, mit denen Google der Beschreibung nach künftig auf den Fundort des Bildes verweisen will. Auch wenn Google in seinem Webmaster Central Blog noch so begeistert davon berichtet, dass man diese Neuerung zusammen mit Nutzern und Webmastern entwickelt habe, dass Testnutzer sogar häufiger als bisher die Seiten aufgerufen hätten, auf denen das Bild gefunden wurde. Die Präsentation der Bildersuchergebnisse auf Smartphones folgt bereits diesem Prinzip der zusammenhanglosen Darstellung.

Wie entlastend, wenn keiner mehr klickt!

„Wir Künstler sind keine rechtsfreien Sklaven eines Konzerns, der zwar immer ,Tue nichts Böses‘ faselt, sich selbst aber nicht an seinen Image-Slogan hält“, empört sich der Fotograf Michael Schilling aus Düsseldorf, der auf Google+ gegen die Pläne des Konzerns zu Felde zieht.

Bislang lädt Google im Hintergrund die Herkunftsseite eines gefundenen Bildes. Künftig wird diese Seite nicht mehr direkt angezeigt — auch nicht wie bei der konkurrierenden Suchmaschine Bing, an deren seit etwa einem Jahr eingesetzte Ergebnisseite der neue Entwurf von Google auffällig erinnert, unterhalb der Bilderreihen. Das würde die Server der Herkunftsseite doch entlasten, jubelt Google in seinem Blog. Wirklich: Wie entlastend, wenn keiner mehr klickt!

Schritt für Schritt wird der Besuch einer Website unnötig

Schon um die alte Bildersuche von Google hatte es einen Rechtsstreit gegeben, der im April 2010 vor dem Bundesgerichtshof mit dem Urteil endete, die Abbildung von Bildersuchergebnissen im Kleinformat, als Thumbnails, sei zwar weder durch das Zitatrecht noch durch ein konkludent eingeräumtes Nutzungsrecht gedeckt. Google begehe dennoch keine rechtswidrige Urheberrechtsverletzung, weil die Klägerin die Bildwiedergabe nicht blockiert, ihre technischen Möglichkeiten, diesen Zugriff zu verhindern, also nicht genutzt habe. Ebendieser Schritt wird den unwilligen Bildurhebern auch jetzt wieder nahegelegt. Geklagt hatte damals eine Künstlerin, die ihre Arbeiten im Internet veröffentlicht hatte.

Mit Umstellungen wie der jetzt angekündigten stülpe Google das Netz gleichsam nach innen, deutet Roland Reuß das Verfahren des Konzerns, Schritt für Schritt den Besuch einer Website durch die Darstellung der Suchergebnisse unnötig zu machen. Der Heidelberger Germanist, der in seinem Buch „Ende der Hypnose“ beschreibt, wie Google und Facebook den (naiven) Nutzer ausnehmen, rechnet schon mit dem nächsten Schritt, das Enteignungsverfahren über die Bildersuche hinaus auf alle Inhalte auszuweiten. „Und ganz am Ende wird Google dann nichts Interessantes mehr weiterverwursten können, aber das kümmert die jetzige Generation der Firmenleitung nicht.“

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Quelle: F.A.Z.

 
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