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Veröffentlicht: 04.05.2017, 18:29 Uhr

„American Gods“ bei Amazon Die Götter des Gemetzels warten auf uns

Mehr Sex and Crime ist kaum drin: Bei Amazon gerät ein Klassiker der Fantasy-Literatur zum Blutrausch. In der Serie „American Gods“ gehen archaische und moderne Mythen aufeinander los.

von
© © Starz Entertainment, LLC So verführerisch wie gefährlich: Die Königin von Saba, Bilquis (Yetide Badaki), pflegt ihre Liebhaber zu verschlingen

Die alten Götter haben ein Problem. Denn das in ihrem Fall schon auf etliche Schultern verteilte erste Gebot lassen die Menschen nicht mehr gelten. Sie hängen neuen Göttern an und bringen ihnen Opfer dar. Nicht mehr Odin ist der Chef im Ring, sondern „Mr. World“, nicht mehr Kobolde streifen umher, „Media“ zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, und „Der Technische Junge“ schafft mit Pixeln, Bits und Bytes eine ganz neue Welt, in der auch „Die Unsichtbaren“ als Götter des Finanzmarkts die Strippen ziehen. Was sollen Old Schooler wie Odin, Tschernibog, der slawische Gott der Finsternis, Ostara, die germanische Göttin der Morgenröte, oder Bilquis, die legendäre Königin von Saba, gegen die Götzen der Gegenwart schon ausrichten?

Michael Hanfeld Folgen:

Wer die ersten Szenen der Serie „American Gods“ sieht, vermag sich schwer vorzustellen, dass der Autor und Produzent Neil Gaiman hier im Verein mit Bryan Fuller und Michael Green seinen Roman umsetzt, mit dem er 2001 einen Klassiker der Fantasy-Literatur schrieb. Denn hier, in der Serie, wird erst einmal gemetzelt, bis kein Körperteil beim anderen bleibt: Eine Gruppe Wikinger hat Amerika erreicht, will aber, angesichts des mörderischen Empfangs in der Neuen Welt, gleich wieder fort. Doch dafür müsste Göttervater Odin etwas Wind machen. Dazu lässt er sich erst herab, nachdem sich die Nordmänner einander gegenseitig die Augen ausgestochen und sich reichlich dezimiert haben. Ihre eilig geschnitzte Götterstatue lassen sie am Strand zurück.

Von Mittwochsvögeln und anderen Gestalten

Ein paar Jahrhunderte später stemmt Shadow Moon (Ricky Whittle) im Gefängnishof schweres Eisen. Fünf Tage noch, dann hat er seine Strafe für einen Raubüberfall, zu dem ihn seine Frau überredete, abgesessen. Auf die Überraschungsparty könne er sich freuen, flötet Laura (Emily Browning) ins Telefon. Aus dem Knast kommt Shadow aber schon am nächsten Morgen – seine Frau ist mit seinem besten Freund bei einem Unfall ums Leben gekommen. Dass die beiden nicht als sittsame Beifahrer das Unglück ereilte, weiß Shadow selbstverständlich noch nicht, als ihm der seltsame Mr. Wednesday (Ian McShane) über den Weg läuft beziehungsweise sich neben ihn in den Flieger setzt und ihm einen ominösen Job anbietet.

46182680 © Amazon Video Vergrößern Was da alles herumhängt: Mr. Wednesday (Ian McShane, links) und Shadow Moon (Ricky Whittle) betreten altehrwürdiges Neuland.

Shadow will einfach nur seine Frau beerdigen, andere Pläne hat er nicht. Er versteht auch nicht, warum Mad Sweeney (Pablo Schreiber), ein hünenhafter Kobold, sich auf Teufel komm raus mit ihm prügeln will. Und wieso Mr. Wednesday so genau über seine persönlichen Verhältnisse orientiert ist, wird sich Shadow erst allmählich erschließen. Vorahnungen hat er im Traum, in dem er sich in einem Wald voller Skelette verirrt und ihm ein weißer Bison erscheint, dem es aus der Nase brennt. Er kann vielleicht von Glück sagen, dass er nicht Bilquis (Yetide Badaki) über den Weg läuft, die, wie uns eine mit Explizität nicht geizende Szene vor Augen führt, ihre Liebhaber verschlingt. „Der Technische Junge“ (Bruce Langley) wiederum hetzt Shadow seine wie aus dem 3D-Drucker geformten, gesichtslosen Killer auf den Hals, nachdem er von Shadow zu erfahren trachtete, was Mr. Wednesday vorhat, bei dem sich Shadow inzwischen dann doch als Fahrer und Bodyguard verdingt. Dabei weiß der Gepeinigte noch nicht einmal, wer dieser komische alte Mittwochsvogel ist.

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