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Neue RTL-Comedies : Das ist der „Mädelsabend“

  • -Aktualisiert am

Diana Amft will in ihrer Rolle als „Christine“ nicht beim Einkaufen erkannt werden. Bild: RTL

Der Sender RTL setzt auf Sitcoms. Drei neue Komödien auf einen Streich kommen nun ins Programm. Die besten Vorlagen stammen wie eh und je aus Amerika.

          Vor einiger Zeit begann man hierzulande zu begreifen, wie Sitcom geht, wie mit guten Büchern, der richtigen Besetzung, Timing und Wortwitz sich querköpfige Charaktere in überzeichneten Alltagssituationen verhalten müssen, damit man mit ihnen und nicht nur über sie lacht. Die Promotion zur „lustigsten Frau Deutschlands“ trifft nun Anke Engelke und Martina Hill abwechselnd. Ihre Verdienste bei der Auflockerung des krimigeprägten und fernsehspielgestählten Publikums sind nicht zu bestreiten. Christoph Maria Herbst hat in „Stromberg“ als übler Chef brilliert, Diana Amft für „Doctor’s Diary“ einen Grimme-Preis gewonnen. Wo früher der Humor „Seinfelds“, der legendären amerikanischen Sitcom über nichts, sich einem Spezialistenkreis erschlossen hat, ist der Boden bereitet für Sketchshows wie „Durchgedreht!“ oder eine Serie wie „Christine. Perfekt war gestern!“ mit Diana Amft.

          Wobei die alltagsphilosophische Dimension des Witzes bei „Seinfeld“ durchaus nicht mit den Nöten und Freuden einer alleinerziehenden Mittdreißigerin, deren Unbeschwertheit bessere Tage gesehen hat, verglichen werden soll. Weisheitspotential aber kann man auch Christine, von Diana Amft hinreißend verkörpert, nicht absprechen. Wie weiland Bridget Jones kämpft sie mit der Frage, ob die praktische oder die erotische Zweckbindung der Unterwäsche entscheidend ist, über banales Kalorienzählen ist sie hinaus. Sie führt auch kein Tagebuch, sondern spricht sich nachts „Zu-erledigen-Listen“ auf den Anrufbeantworter (“Ratgeber für alleinerziehende Mütter schreiben, warum man auch ohne schnarchenden Mann nachts nicht schlafen kann“).

          Patente und gesetzte Christine

          Christine ist so patent, als ob diese Eigenschaft für sie erfunden wurde, und bisweilen so hektisch wie ein Jongleur, dem gerade alle Bälle entglitten sind. Ihre Spezialität sind das Reagieren auf Peinlichkeiten und das Retten von Situationen, aus denen man sich kaum mit Anstand zurückziehen kann. Haltung und Anstand zeichnen diese Christine aus, Fitnessstudio-Leiterin mit vorbildlichem Ex-Mann Stefan (Janek Rieke), nichtsnutzigem Bruder Mark (Axel Schreiber) und bester Freundin Betty (Minh-Khai Phan-Thi), vor allem wenn sie die Horror-Vorzeigemütter Caro und Franziska (Brigitte Zeh und Elisabeth Baulitz) in die Schranken weist. Stets geht ihr erst hinterher auf, warum das jetzt gerade gar nicht ging. Ob ihr ausgelassenes Tanzen bei einer Party von den coolen Kids als „so Neunziger“ belästert wird oder der Gemüsethekenflirt sich als schwul entpuppt: Christine richtet den Blick voraus, weil der zurück nur Peinliches zeigen würde, und vergisst dabei, dass das Gute nah liegt - in Gestalt des Ex-Mannes, der mittlerweile eine neue Freundin namens Christine hat, was die Ex also zur alten Christine macht.

          Flankiert wird die Sitcom „Christine“ von zwei anderen neuen RTL-Serien, die sich auch sehen lassen können. „Doc meets Dorf“ versetzt „Doctor’s Diary“ in die Provinz und würzt die beruflichen Nöte und Liebeswirren der ehemaligen Spitzenherzchirurgin Dr. Fritzi Frühling (Inez Bjorg David) mit einer gehörigen Prise Landluft und derben, teils blutig ausgemalten Scherzen. Diese trotzdem romantische Komödie, launig und gelegentlich rüde getextet, richtet sich an ein deutlich jüngeres weibliches Publikum als die gesetztere, lebensnähere Christine.

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