Auf Models, Promis, alle nur möglichen Unterhalter, Sportler und Hausfrauen wirkt Reality-TV wie ein unwiderstehlicher Magnet. Und es sieht auch weiter nicht danach aus, dass dem trashig florierenden Genre so schnell die Selbstdarsteller ausgingen. Als Berufsziel Reality-TV-Star anzugeben ruft inzwischen keine Überraschung mehr hervor. Darum war es vielleicht auch unvermeidlich, dass demnächst das Silicon Valley in der angeblichen Fernsehwirklichkeit zu besichtigen ist.
Mark Zuckerberg will zwar nicht mitspielen, aber seine Schwester Randi mischt als eine Produzentin der Serie mit, die gegenwärtig für den Bezahlsender Bravo in und um San Francisco aufgezeichnet wird. Randi Zuckerberg hat sich damit im Silicon Valley nicht nur Freunde gemacht. Gebloggt und getwittert wird gegen ihre Pläne von Nerds, Geeks und einflussreichen Unternehmensgründern, die fürchten, ihre Technowelt könnte in den Niederungen der Unterhaltung schlimm banalisiert werden. Noch in den Knochen steckt ihnen da „The Social Network“, der Filmhit, der die Mark-Zuckerberg-Story mit sentimentalen Zutaten anreicherte. Das Fernsehen dürfte die Schraube noch etwas sensationsträchtiger anziehen.
Den amerikanischen Traum verwirklichen helfen
Wenn Vorberichten zu glauben ist, werden wir etwa ein Geschwisterpaar aus England antreffen, das nach Geldgebern für eine Fitness-App sucht und sich selbst vor der Kamera ins Training stürzt. Nachdem die beiden die erste halbe Million zusammenhaben, ziehen sie offenbar in ein Haus, dessen Monatsmiete von 17 000 Dollar sie mit drei weiteren Technoabenteurern teilen. Einer soll den Gebrauchtwagenhandel digital revolutionieren wollen, ein anderer eine absolut geniale Abmagerungskur entwickeln. Der Sender Bravo stellt uns in einem Trailer die angehende Internetunternehmerin Kim Taylor vor, die erklärt: „Silicon Valley ist wie High School, aber nur die gescheiten Kids sind dabei, und jeder hat einen Haufen Geld.“
Bei Randi Zuckerberg und natürlich über Facebook klingt das so: „Mehr Leute dazu zu inspirieren, ihren unternehmerischen amerikanischen Traum zu verwirklichen, kann nur eine gute Sache sein.“ Und der Skandalquotient? „Wir fangen nur die Wirklichkeit ein“, so Miss Zuckerberg. Das scheinen ihr nicht viele zu glauben. In der Tat wäre es eine Sensation, wenn die Serie sich als halbwegs seriöse Anleitung zum Unternehmenserfolg à la Zuckerberg, Brin, Page und Co entpuppte. Viel eher dürfte sie eine Clique von jungen Leuten vorführen, die schnell mal eine Idee in ein paar Milliarden verwandeln und nebenbei kräftig dem Highlife zusprechen wollen.