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Neue „Dallas“-Reihe Die Rückkehr des glorreichen Fieslings

 ·  „Dallas“ ist wieder da. Die neue Generation ist mehr Körper als Charakter. Ein Glück, dass J.R. auch im Greisenalter seine Intrigenlust nicht verloren hat.

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Bobby Ewing ins Altersheim, um seinen Bruder J.R. zu besuchen: So beginnt die neue Staffel von „Dallas“ zwar nicht, aber es gibt diese Szene, und die Macher der Serie, die dank der Anwesenheit mehrerer Hauptfiguren des Original eher eine Fortsetzung denn ein eigenständiges Werk ist, bemühen die Altersdepression nicht nur als logischen Anschluss an J.R.s düstere Verfassung am Serienende, sondern auch als beißende Ironie. Larry Hagman, der mit J.R. Ewing den einprägsamsten Fiesling der Fernsehgeschichte spielte, ist fast 81 Jahre alt. Doch es ist seiner Präsenz und derjenigen des dreiundsechzigjährigen Patrick Duffy zu verdanken, dass das neue „Dallas“ überhaupt interessant ist. Larry Hagman scheint den Rollator, mit dem er als J.R. auf dem Rancherball unterwegs ist, zu schätzen. Die Lust an der Intrige aber hält diese Figur aufrecht – gebrechlich ist anders.

Wir sehen die Neufassung eines Fernsehklassikers fürs 21. Jahrhundert und eine Geschichte, die von den Rivalitäten in der dritten Generation der Familie Ewing handelt. Im Hintergrund schwelt weiterhin die Fehde zwischen Bobby und J.R. – und auf die kommt es an. Allein auf sich gestellt nämlich würden die Jungen – Bobbys Adoptivsohn Christopher (Jesse Metcalfe) und J.R.s Sohn John Ross III (Josh Henderson) – alt aussehen und dem Schicksal zahlloser Serien-Remakes von „Kojak“ über „Knight Rider“ bis zu „Charlie’s Angels“ entgegen sehen.

„Dallas“ ist nicht nur ein Klassiker. Die Serie um eine texanische Rancherfamilie mit riesigen Ölvorkommen auf ihren weitläufigen Ländereien, die 1978 als Miniserie bei CBS startete und nach vierzehn Staffeln 1991 zu Ende ging, war eine kulturelle Wasserscheide: fies und sexy, intrigant und gierig, eine Verdichtung der dunklen Seite der amerikanischen Seele zur Seifenoper im Abendprogramm, die das Amerika-Bild weltweit prägte wie keine zweite.

Damals saß ein Erdnussfarmer aus der Südstaatenprovinz im Weißen Haus, und auch „Dallas“ hatte, anders als später der „Denver Clan“, etwas entschieden Provinzielles: Die Ewings lebten auf einer geschmacklos dekorierten Ranch, die von einem Dutzend Spießern mit spießigen Problemen bevölkert war: Geltungssucht und Alkoholismus, Eifersucht, Gier und Niedertracht gaben der Handlung Schwung. Heute ist ein Anwalt mit internationaler Kinderstube im Präsidentenamt, die Mover und Shaker sitzen nicht auf texanischen Ölfeldern, sondern an der Wallstreet. Und bei „Dallas“? Da gibt es jetzt hohe Decken und gekachelte Böden auf der Ranch, Sue Ellen (Linda Grey) strebt souverän einen Gouverneursposten an, statt sich an ihrem Drink festzuhalten, und die jungen Leute, die geschäftlich mit der halben Welt vernetzt sind, zeichnen sich vor allem durch Modelkörper aus.

Ein Glück also, das J.R. zugegen ist und aus dem Altersheim mit altbewährtem Machtbewusstsein in das aktuelle Geschacher um South Fork eingreift: John Ross hat ein weiteres Ölvorkommen auf der Ranch gefunden, aber Bobby kommt der Ausbeutung der Millionenreserve mit der Ankündigung zuvor, die Ranch an eine Naturschutzstiftung verkaufen zu wollen. Allianzen werden geschmiedet, Intrigen gesponnen. Ein Glück auch, dass der zentrale Konflikt von „Dallas“ nicht unter die Räder geriet, obwohl der Serienerfinder David Jacobs bei der Konzeption der Neufassung außen vor blieb: Immer noch geht es im Kern um Zugehörigkeit zum Clan und deren Konsequenzen. Elena (Jordana Brewster), die Gefühle für John Ross als auch für Christopher hegt, fürchtet, für immer die Tochter der Köchin zu bleiben. Christopher, der trotz seiner Liebe zu Elena die (ebenfalls dunkle Pläne schmiedende) Rebecca (Julie Gonzalo) heiratet, muss sich von John Ross anhören, kein „echter Ewing“ zu sein. Und es ist viel von Geburtsrecht die Rede.

Auch Texas ist noch immer so, wie es schon in den Achtzigern erschien. „Beim nächsten Mal, Miss Ewing, erschießen sie ihn“, rät der Sherriff nach einem Einbruch Bobbys Frau Ann (Brenda Strong), und die entgegnet, mit der Flinte in der Hand: „Das werde ich.“ Auf Southfork führt Bobby – der kleine Bruder mit dem guten Herzen und den schwachen Nerven – das Szepter, aber J.R. ist nicht einmal im Altersheim zu unterschätzen, wie er John Ross grinsend warnt. „Bobby mag nicht blöd sein, aber ich bin verdammt viel smarter!“

Eine Generation fehlt

Leider wird mehr auf Lippenbekenntnisse denn auf ausgefeilte Dialoge gesetzt. „Ich weiß, was es bedeutet, Außenseiterin zu sein“, sagt Bobbys Frau Ann zu Rebecca, der Frischangetrauten von Christopher beim Gespräch in der Küche. Im alten „Dallas“ wären diese Worte im Rahmen einer handfesten Intrige gefallen. Das neue „Dallas“ versucht, allen zu gefallen: den nostalgischen Fans der alten Serie und der werberelevanten, jüngeren Zielgruppe.

In der Mitte fehlt seltsamerweise eine Generation – die Väter der rivalisierenden Cousins könnten leicht ihre Großväter sein. Die amerikanische Kritik hat das neue „Dallas“ denn auch mit gemischten Gefühlen aufgenommen. „Seelenlos“, nennt das Magazin der „New York Times“ die Serie, die „Huffington Post“ schreibt, Hagmans Augenbrauen hätten mehr Charakter als manche der Jungdarsteller. Zehn Folgen hat der amerikanische Sender TNT zunächst in Auftrag gegeben. Uns reicht für den Anfang die – natürlich vergebliche – Hoffnung Bobbys, „dass unsere Söhne nicht wie wir werden“, und das unvermindert bösartige Kichern des greisen J.R.

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