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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Neue amerikanische Serien Dein Geld hat Schluss gemacht

 ·  Hipster, Oberschichtsgören und Underdogs: Die Serien „2 Broke Girls“ und „Southland“ markieren Amerikas sozialen Status quo.

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© Pro 7 Gebrochene Charaktere: Max (Kat Dennings, links) und Caroline (Beth Behrs) servieren ihre Gäste auch ganz gern mal ab

„Hey, Baby!“, sagt der Typ mit der Wollmütze, dem Fünftagebart und dem kunstvoll gefledderten T-Shirt. „Gibt’s hier keinen Service?“ Dann schnippt er ungeduldig mit den Fingern. Das war ein Fehler, denn der junge Mann ist ein Hipster, und Hipster sind das erklärte Feindbild von Max (Kat Dennings). Wohlhabende Vorortkids, die sich ihrer Mittelschichtsherkunft schämen und sich mit den Insignien der Arbeiterklasse schmücken, um hip, also authentisch und zugleich modisch zu sein - mit solchen Zynikern macht die Kellnerin aus Brooklyn kurzen Prozess. Die Standpauke, die sie dem arroganten Schönling hält, gehört zu den besten Momenten der ersten Staffel von „2 Broke Girls“, die Szene ist auch auf Youtube ein Hit. „Du trägst Tattoos, weil du deinen Vater schocken willst. Mein Vater weiß noch nicht mal, dass er eine Tochter hat“: So klingt der Humor dieser Sitcom, und das ist auch die Grundidee: Dass jenseits der schicken Welt der Informationsgesellschaft gelebt und vor allem gearbeitet wird, und zwar ganz unironisch und quasi industriell.

„Schau dir diese Bilder an!“, sagt die junge Frau und packt stolz die Fotografien aus, die sie bei einem Spaziergang durch ein Elendsviertel von Los Angeles gemacht hat. Dann legt sie eine Reihe Porträts auf den Tisch: muskelbepackte Männer, kahl rasierte Köpfe, Tätowierungen, die Mitglieder einer Gang.

Soziale Wirklichkeiten mit moralischer Agenda

Ein schwerer Fehler, denn ihr Mann ist Polizist. „Bist du wahnsinnig geworden!“, blafft er sie an, „das sind registrierte Kriminelle! Sie hätten dich umbringen können!“ Die Szene ist in „Southland“ zu sehen, einer exzellenten Polzeireihe, die ebenfalls heute Abend startet. Auch sie trennt scharf zwischen den Milieus und ihren Haltungen und lässt zugleich keine Zweifel darüber aufkommen, auf wessen Seite die Binde- und Integrationskräfte von Kollektiven zu finden ist. Die Kreativen, die Intellektuellen und Artisten sind die Dekoration einer Gesellschaft, ohne Leute wie Detective Bryant (Shawn Hatosy) aber läuft nichts. „Jeden Tag gehe ich raus und schaue der Gefahr ins Gesicht, um unsere Straßen zu sichern“, sagt der Cop im Trailer zur Serie. „Denn ich bin ein Hüter des Gesetzes.“

Comedy also und Action, zwei Genres, die soziale Wirklichkeiten abbilden, aber diese auch gemäß einer bestimmten moralischen Agenda ausmalen. Weil Serienzuschauer nicht mit plumper Agitation zu unterhalten sind, darf es dramaturgisch dann doch ein wenig aufwendiger sein. In „2 Broke Girls“ erhält Max einen Widerpart: Caroline (Beth Behrs), die Oberschichtsgöre aus Manhattan. Leider hat der Vater, ein korrupter Investmentbanker, das Vermögen verzockt, jetzt muss die Tochter als Bedienung ran. Die beiden Frauen werden Arbeitskolleginnen und sogar WG-Partnerinnen, und natürlich gibt es eine education sentimentale in beide Richtungen. Der Underdog muss lernen, dass nicht alle bürgerliche Ästhetik böse ist, und die Schickse, dass merkantile Praxis dort an ihre Grenzen stößt, wo es um Freundschaft und Liebe geht.

„Ich liebe Geld“

In „Southland“ wird die schlichte Idee eines Working-Class-Heldentums aufgemischt mit diffizilen Herkunfts- und Haltungsfragen. Der Polizeinovize Ben (Benjamin McKenzie) zum Beispiel schießt wie John Wayne und schuftet wie Sisyphos, aber warum eigentlich? Sein Vater ist ein reicher Anwalt, er selbst hat einen Juraabschluss in Yale. Gerade deshalb macht ihm sein Vorgesetzter (Michael Cudlitz) das Leben schwer: Ein High-Society-Bürschchen kann im Getto-Dschungel von L.A. kaum von Nutzen sein. Es kommt natürlich anders, aber der Tenor beider Reihen insgesamt ist klar: Nicht den privilegierten Existenzen verdankt ein Gemeinwesen seine Strukturen, sondern den Männern und Frauen an der Basis - sei es im Diner oder im Streifenwagen.

Dass beide Serien zurzeit in Amerika so erfolgreich sind, passt zur Lage. Immer größere Teile des Mittelstands sind von Armut bedroht; der Schuldenberg, den junge Akademiker aufgrund immenser Studiengebühren anhäufen, überragt mittlerweile das landesweite Kreditkartensoll. So mancher, der sich noch als Teil der offiziellen Eliten begreift, studiert mittlerweile einer Dienstleistungsexistenz entgegen. Und auch jene, die Arbeit haben, lernen anhand der beiden Reihen ihre Lektion: Heul nicht, reiß dich zusammen, schau dir den Cop an, der für wenig Geld täglich seine Haut riskiert - womöglich sogar um die Kapitaleigner vor dem Mob zu retten, aber allzu weit in die systemischen Widersprüche der Marktgesellschaft kann sich die Reihe dann doch nicht vorwagen.

Nimm dir ein Beispiel an der Kellnerin, ihr Pragmatismus ist eine Schule der Krisenbewältigung, und mit Humor lässt sich die weiter um sich greifende Ressourcen- und Chancenknappheit auch besser ertragen. „Ich liebe Geld“, sagt Caroline einmal. Alex: „Ja, schade dass ihr nicht mehr zusammen seid.“ 

Southland beginnt in der Nacht auf diesen Mittwoch um null Uhr bei Kabel 1, 2 Broke Girls um 21.15 Uhr bei Pro Sieben.

Quelle: F.A.Z.
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