http://www.faz.net/-gqz-99gpg

Netflix-Roadmovie „Kodachrome“ : Das wird sein letzter Film

Freunde des Analogen unter sich: Vater, Kamera, Sohn. Bild: AP

Die Farben, die das digitale Zeitalter nicht mehr kennt: Ein Roadmovie zu einem Filmentwicklungslabor führt Vater und Sohn zusammen.

          Es war im Jahr 2009, als Kodak verkündete, dass es nach mehr als siebzig Jahren den Diafilm Kodachrome nicht mehr produzieren würde. Die letzte Rolle, die in der Fabrik in Rochester vom Band lief, erhielt der berühmte Fotograf Steve McCurry, der vor allem für seine Aufnahmen für „National Geographic“ bekannt ist. Ein Jahr später wurde die letzte Rolle bei Dwayne’s Photo in Kansas entwickelt. Es kam in den letzten Tagen zu ziemlichen Volksaufläufen vor diesem Laden.

          Kodachrome verlangte, anders als andere Farbfilme, eine besondere Entwicklungsprozedur. Es war ja auch nicht irgendein Film, seine lebendigen Farben wurden sogar von Paul Simon besungen: „Kodachrome / They give us those nice bright colors / They give us the greens of summers“. Es ging also nicht nur um das Ende irgendeines Produkts, es ging um einen kulturhistorischen Einschnitt, über den weltweit berichtet wurde. Und diese Schlagzeile fiel den Produzenten Shawn Levy und Dan Levine in die Hände, die sie wiederum an den Drehbuchschreiber Jonathan Tropper weitergaben, ob ihm dazu etwas einfiele. Tropper brauchte zwei Tage.

          Von 1935 bis 2009 produziert: Diafilm Kodachrome.

          Nach Kodachrome, dem Film, nun also „Kodachrome“ – der Film. Ed Harris spielt darin den Fotografen Benjamin Ryder, der grob an Steve McCurry angelehnt ist: Afrika, Afghanistan, überall war er schon, viele Kriege hat er begleitet. Er versucht nun seinen Sohn Matt (Jason Sudeikis), den Manager eines Plattenlabels, der seine erfolgreichsten Zeiten auch schon hinter sich hat, dazu zu bringen, mit ihm und seiner Krankenpflegerin Zoe (Elizabeth Olsen) nach Kansas zu fahren. Er will dort vier lange liegengebliebene Rollen Kodachrome entwickeln lassen. Leider drängt die Zeit: Noch eine Woche, dann wird die Entwicklungsmaschine für immer angehalten. Benjamin Ryder ist zudem todkrank, was der Sache eine existentielle Dimension gibt.

          Von hier aus entwickelt sich nun ein Roadmovie der allerklassischsten Art. Vater und Sohn, beide ziemlich ekelhaft zueinander, müssen sich zusammenraufen. Pflegerin Zoe und Matt finden sich durchaus anziehend. Man fährt, man macht sich Vorwürfe, besucht Matts Onkel, bei dem er aufwuchs, als der Vater in aller Welt unterwegs und die Mutter gestorben war. Dinge werden ans Licht gezerrt, lang Verschwiegenes ausgesprochen. Und nebenbei bemüht sich Matt, seinen Job zu retten, indem er eine Band für sein Label zu gewinnen sucht.

          Das ist erst einmal eine fürchterlich konventionelle Schmonzette. Weshalb man „Kodachrome“ dennoch gerne anschaut, das liegt zum einen am ziemlich gut geschriebenen Drehbuch mit niemals ins peinliche abgleitenden Dialogen. Und zum anderen an den hervorragenden Schauspielern. Jason Sudeikis, bei „Saturday Night Live“ groß geworden und bisher eher im Komödienfach zu Hause, gibt ziemlich überzeugend den Mittvierziger, der bis dahin noch nicht allzu viel erreicht hat und eine Menge Groll mit sich herumträgt. Ed Harris spielt den Vater, der möglichst würdevoll noch ein paar letzte Dinge regeln will, bevor der Krebs ihn endgültig umhaut. Elizabeth Olsen steht zwischen beiden, hat für eine Pufferzone aber doch recht klare Ansichten.

          Am Ende werden die vier Filmrollen entwickelt, Matt steckt die Dias in den runden Halter eines Kodak Carousel, noch so eine Legende der Technikgeschichte, und lässt sie durchlaufen. Da ist es wieder, das echte Analoggefühl, das etwas anderes ist als der Elektrostaub, der „electronic dust“, mit dem Vater Benjamin sich nie anfreunden konnte. Umso ironischer ist die Volte, dass dieser Film eben nicht auf der großen Kinoleinwand läuft, sondern an den Streaminganbieter Netflix verkauft wurde, wo er momentan zu sehen ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          4:2 gegen Kroatien : Blau, Weiß, Gold

          Le jour de gloire est arrivé! Deutschlands Nachfolger kommt aus dem Nachbarland: Frankreich ist zum zweiten Mal nach 1998 Fußball-Weltmeister. Im torreichsten Finale seit 1958 sind die Kroaten der etwas unglückliche Verlierer.

          Reaktionen auf #FRACRO : Liberté, Égalité, Mbappé

          Die Équipe Tricolore holt sich den zweiten WM-Titel, und das Spiel wirft Fragen auf: Warum der Schiedsrichter „ungerechtfertić“ ist, Flitzer nicht mehr nackt flitzen und Macron Ähnlichkeit mit Elvis hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.