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„neoManiacs“ bei ZDFneo : Irre gewagt

Schauspieler Lars Fricke realisiert, dass die Selbsteinweisung in die Nervenklinik keine gute Idee war: Dr. Mankow (Alex Böhm), Leiter einer Nervenheilanstalt, ist selbst ein pathologischer Fall. Bild: ZDF/Alexander Potlitz

Wenn ein Schauspieler im Irrenhaus lernt, verrückt zu spielen: Mit dem Comedyformat „neoManiacs“ zeigt ZDFneo von heute Abend an Durchgedrehtes aus der Anstalt.

          Sich den eigenen Arbeitsplatz als Irrenhaus vorzustellen, mag wohlfeil sein, soll aber angelegentlich dabei helfen, milde lächelnd verschiedenste Meinungszweierlei zu ertragen. Ob man selbst Patient oder Personal ist, spielt eigentlich keine Rolle. In der neuen ZDFneo-Comedy „neoManiacs“ führt die dünne, weil nebensächliche, Rahmenhandlung den Schauspieler Lars Fricke (er spielt sich selbst) in eine geschlossene Anstalt. Dort soll er innerhalb von drei Tagen lernen, wie man verrückt spielt. Für einen Werbedreh, bei dem ringförmige Frühstückscerealien eine Rolle spielen, braucht er eine glaubhafte Spur des schizophrenen Herr-der-Ringe-Charakters Gollum in der Stimme. Fricke probiert „Embedded Acting“, wenn man so will.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Hinter „neoManiacs“ stecken die Gewinner des „TVLabs“ 2015 von ZDFneo, bei dem Zuschauer anhand von Pilotfolgen darüber abstimmen, was auf Sendung geht. Das Team „Dwing“, bestehend aus Lars Fricke, Petra Mayer, Michael Schulte und Alexander Böhm, setzte sich durch. Ins Rennen geschickt hatte sie die kleine Produktionsfirma „HitchOn“ – und präsentiert nun etwas, das formal wie inhaltlich nach allen Seiten ausbüchst. Formal, weil es neben den zunächst drei halbstündigen Fernsehfolgen im Netz reichlich Bonusmaterial gibt. Inhaltlich, weil Gag- und Referenztechnisch aus allen Rohren gefeuert wird.

          Hinreißend billiger Slapstick à la „Die nackte Kanone“

          Es wird zitiert, was das Zeug hält: schlechte und deshalb beliebte Actionfilme („Tango und Cash“), Serien („Game of Thrones“) und Memes. Aufgeladen wird alles durch teils hinreißend billigen Slapstick im Stil der achtziger und neunziger Jahre – man denke an „Die nackte Kanone“. Das zündet in seiner Überdrehtheit, wenn der Fußballverrückte, der eine brennende Zigarette aus der Kaffeetasse zieht, um danach genüsslich aus ihr zu trinken, erzählt, wie man früher Fußball gespielt habe. Szenischer Blick zurück: In leichten beigefarbenen Windjacken, mit langen Haaren, Stirnbändern, gebrochenem Schienbein, einer Schusswaffe in der Hand und natürlich dauerrauchend.

          Solche Szenen sind Gold wert. Leider sind Lars Frickes Mit-Insassen mäßig originell und den von Zeichentrick-Komödien wie „Family Guy“ abgekupferten Rückblenden fehlt oft das Gespür für das richtige Timing. Doch obwohl viele Witze zu Tode inszeniert sind: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Immerhin lässt „neoManiacs“ erkennen, dass man auch in Deutschland wenigstens einen Hauch von „Monty Python“ verströmen kann. Oder doch wenigsten von „Klimbim“.

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