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Unbekannter Heinz-Erhardt-Film : Noch’n Vertreter

Nur Bares ist Wahres: Heinz Erhardt als Vertreter Zatke in dem kürzlich aufgetauchten Film „Geld sofort“. Bild: NDR

Der NDR zeigt einen bislang unbekannten Kurzfilm mit Heinz Erhardt. Gerade einmal 35 Minuten lang, hat „Geld sofort“ aus den frühen sechziger Jahren einen über die Zeiten hinausweisenden Hintersinn.

          Nein, Heinz Erhardt hat sich keinen Scherz erlaubt. Er scheint es ernst zu meinen, ausnahmsweise, und so werden wir gut fünfunddreißig Jahre nach seinem Tod zu Zeugen einer kleinen Sensation. Denn den Heinz-Erhardt-Film, den der NDR an diesem Dienstag Abend zeigt, hat bisher noch kein Publikum gesehen - bis vor kurzem war auch völlig unbekannt, dass es diesen Film überhaupt gibt. In öffentlich zugänglichen Filmarchiven wird er nicht aufgeführt. In dem Nachlass, den die Enkelin von Heinz Erhardt, Nicola Tyszkiewicz, verwahrt und der unter anderem aus einer Unmenge Fotoalben besteht, die mit wunderbar vergilbten Zeitungsartikeln und Bildern beklebt sind, wird „Geld sofort“ ebenfalls nicht erwähnt. Und auch der NDR kann weder erklären, von wann genau er stammt, noch warum er in Vergessenheit geriet.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dabei spricht einiges dafür, dass der sechsunddreißig Minuten lange Film, der nun in einem Nachlass mit Material des Regisseurs Hübler-Kahla entdeckt wurde, in den frühen sechziger Jahren entstand. Erhardt hatte 1960 eine (letztlich nur wenige Jahre existierende) eigene Produktionsgesellschaft gegründet, die „Heinz Erhardt Productions“, und mit dem norddeutschen Sender eine Reihe von kurzen, jeweils etwas mehr als eine halbe Stunde dauernden Filmen gedreht, beispielsweise „Abenteuer in Norfolk“, „Willi Winzig“, „Der Kurpfuscher“ und „Eine gewisse Marietta“. In diesen novellenartig auf einen point culminant zulaufenden Kurzgeschichten tritt Erhardt mal als Buchhändler, Finanzbeamter oder Wunderheiler auf.

          Handelseinig: Oskar Sima (l.) und Heinz Erhardt in „Geld sofort“

          In „Geld sofort“ schlüpft er in die Rolle eines Vertreters - „ich reise in Vogelsand“ -, der in Geldnot geraten ist und hofft, beim „Finanzierungsbüro Ehrlich & Co.“ Bargeld zu bekommen. Da steht er also, wie man ihn kennt: Den Oberkörper beim Gehen leicht nach vorn gebeugt, die Augen hinter den runden Brillengläsern kindlich staunend, stets bereit, sich im Gespräch auf alle möglichen und unmöglichen Abzweigungen zu begeben: Sein Vogelsand, so erzählt er Direktor Ehrlich (Oskar Sima) gleich ungefragt, ist „echter Zoo-Vogelsand, er enthält Anis, Gama-Hexan, Milbentod und kohlensauren Kalk - den brauchen die Vögel so zum Aufbau ihres Knochengerüstes, nicht wahr“.

          Nicht ohne einen kleinen Spiegel

          Natürlich zeigt Direktor Ehrlich am Vogelsand aber wenig Interesse. Er möchte, bevor er den Kredit ausbezahlt, lieber selbst bezahlt werden - für das Anlegen einer Akte und das Verteilen von Stempeln beispielsweise. Und weil auf diese Weise recht früh, im Grunde schon von der ersten Minute an, klar ist, worauf dieser lange Sketch hinausläuft, ist es allein an Heinz Ehrhardt, dem Geschehen mit seiner Darstellung des gutgläubigen Herrn Zatke jenen Witz einzuhauchen, den das Drehbuch (Johann A. Hübler-Kahla, Franz Gribitz) eigentlich vorenthält. Das gelingt indes - sorry, Sir - nur bedingt.

          Denn natürlich sieht man wahnsinnig gerne, wie Heinz Erhardt den unbescholtenen Bürger gibt, der zwar immer irgendwie dusselig daherkommt, aber ebenfalls zu feiner und zuweilen spitzer Ironie fähig ist. Auch in „Geld sofort“ entlässt er die Fernsehzuschauer, für die der Film offenkundig gedreht wurde, nicht, ohne ihnen einen kleinen Spiegel vorzuhalten: Den Kredit braucht er jedenfalls, weil er mit seiner Verlobten schon mal das „Dringlichste“ für den Hausstand gekauft hat - einen Fernseher: „Man will ja schließlich ein bisschen Kultur in der Wohnung. Dafür hat man doch das Fernsehen erfunden!“ Das aber ist offenkundig nicht nur zu Erhardts Zeiten schon ein frommer Wunsch gewesen. Es bleibt in diesem kleinen Film auch der einzige Witz mit einem womöglich unfreiwillig, aber dennoch über die Zeiten hinausweisenden Hintersinn.

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