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Nahostkonflikt im Netz Tweets, Bomben und Raketen

 ·  Wer zuerst twittert, gewinnt die Meinungsschlacht: Mit dem Angriff der Israelis auf Gaza bildet sich der Nahostkonflikt auch in 140 Zeichen ab.

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© Israelische Armee Vergrößern Im Internet sieht der Krieg einem Videospiel täuschend ähnlich. Auch bei der israelischen Armee

Der Krieg zwischen Israel und der Hamas findet auch online statt. Und er zeigt, dass die Kombattanten auf dem neuesten Stand sind. Nicht mehr Videofilme von Kriegshandlungen, die im Fernsehen oder im Internet laufen, verfügen über die schnellste, vordergründige Überzeugungskraft, der kürzeste der digitalen Nachrichtenwege macht das Rennen: Twitter. Seit dem vergangenen Mittwoch tobt dort der Kampf um die Deutungshoheit, spätestens, seit die israelische Armee auf ihrem Twitter-Account am Morgen des 14.November verkündet hat, man habe „mit einer Großoffensive gegen Terror-Einrichtungen und -Verursacher auf dem Gaza-Streifen begonnen“, dabei gehe es in der Hauptsache darum, die Hamas und den „Islamischen Dschihad“ zu treffen.

Eine Kriegserklärung per Twitter sozusagen, vielleicht sogar die erste, das allerdings kann man nur sagen, wenn man die vorhergegangenen Ereignisse ausblendet - die vielen hundert Raketen, die vom Gaza-Streifen aus permanent auf Israel abgeschossen werden und über welche die israelische Armee auch per Twitter seit geraumer Zeit informiert. Die Zahl der abgesetzten Tweets lag am Donnerstag bei mehr als 7500.

Tausende Jubelmeldungen

Es ist also beileibe nicht der Auftakt zur digitalen Propagandaschlacht. Die israelische Armee bestückt stetig das Arsenal der Online-Kommunikation, sie informiert bei Facebook, in einem Blog, ist bei Youtube vertreten und eben bei Twitter. Über Twitter bat der israelische Außenminister am Donnerstag auch zu einer Pressekonferenz.

„Würden Sie Ihre Kinder in dieser Nachbarschaft großziehen“, fragt die israelische Armee und zeigt ein Video, in dem Mitglieder der Al-Quds-Brigaden Raketen auf Israel abfeuern. Ein anderer Beitrag erläutert, warum Israel das Recht habe, sich zu verteidigen. Dafür sorgten allein die Grundsätze und Ziele der Hamas, die das Existenzrecht Israels leugnet und - entsprechend handelt.

Die Gegenseite ist nicht ganz, aber fast so professionell, auch verfügt sie (bei Twitter) über weniger Follower, sendet aber auch ohne Unterlass. Die Al-Qassam-Brigade zum Beispiel verfügt über eine professionell ausgestaltete Webseite und verfasst zu jedem Raketenabschuss gen Israel eine Jubelmeldung und kommt damit auf mehr als viertausend Tweets.

Der „Rocket Counter“ zählt mit

Von zivilen Opfern ist dabei nie die Rede, sondern allein von militärischen Einrichtungen, die getroffen würden. Die israelische Armee bemüht sich wenigstens zu erklären, dass sie versuche, Zivilisten zu verschonen. Dass das nicht gelingt, kann man bei den jeweils anderen nachlesen, wobei Al Qassam in der Überzeugung, einen Befreiungskrieg zu führen, das „besetzte“ Tel Aviv schon einmal vorsorglich in Tel El Rabee umbenennt.

Ist die Sprache von Al Qassam schon propagandistisch-deutlich, tobt sich bei Unterstützern der Palästinenser (#GazaUnderAttack, #PrayForGaza) der reine Judenhass aus: „No more Israel, no more war, no more people injured, no more kids killed,“ ist dort zu lesen - die Raketen auf Israel scheinen nicht der Rede wert. „Wenn ich einmal wirklich an der Macht bin, dann wird die Vernichtung der Juden meine erste und wichtigste Aufgabe sein,“ schreibt eine Twitterin bei #PrayForGaza.

Auf dem Blog der israelischen Armee gibt es einen „Rocket Counter“, der die vom Gaza-Streifen aus auf Israel abgeschossenen Raketen zählt: 651 waren es im vergangenen Jahr, in diesem Jahr sind es 822 (bis Donnerstagnachmittag) gewesen, davon allein 138 seit dem 14. November. Allein darin deckt sich - erstaunlich - die Darstellung mit der Gegenseite ungefähr.

Die gegnerische Moral brechen

Über den Krieg wird heute also in maximal 140 Anschlägen langen Fragen und Antworten geredet. Doch liegt natürlich nicht nur darin eine Verkürzung. Bevor der erste Kriegsberichterstatter einen Beitrag abgesetzt hat, sind die Einschläge hüben wie drüben tausendfach kommentiert worden. Es braucht auch gar keinen alerten Verkäufer mehr, wie der zum Medienstar aufgestiegene ehemalige Nato-Sprecher Jamie-Shea 1999 während des Kosovo-Krieges einer war. Es gilt vielmehr, den Ticker zu füttern, nicht den der Nachrichtenagenturen, sondern den eigenen, um so zum Sieg beizutragen, von dem Clausewitz sagte, er werde „nicht durch Vernichtung erreicht, sondern durch das Zerbrechen der gegnerischen Moral“.

„Wir empfehlen“, schreibt die israelische Armee, „dass sich Hamas-Aktivisten in den nächsten Tagen nicht auf der Bildfläche zeigen“. Bei den Al-Qassam-Brigaden heißt es: „Unsere gesegneten Hände werden Eure Anführer und Soldaten erreichen, wo immer sie sind. Ihr habt die Tore der Hölle geöffnet.“

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