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Veröffentlicht: 17.04.2017, 10:00 Uhr

Nachwuchs bei den Teletubbies Wohl nicht nur Winke-Winke, was?

Die Teletubbies gibt es seit zwanzig Jahren. Jetzt haben sich kleinere Wesen zu ihnen gesellt, die weniger reden und sich weniger bewegen können. Sie bieten Anlass zu gewagten Spekulationen.

von Stefan Niggemeier
© picture alliance/United Archives Kinder und Kindeskinder: Zu den Teletubbies haben sich die Tiddlytubbies gesellt

Ach, Erwachsene. Denen fällt natürlich nichts besseres ein, als naseweis zu fragen, wo denn jetzt nur diese neuen Miniatur-Teletubbies auf Kika herkommen, die mit einem Mal bei den von vor zwanzig Jahren bekannten Standard-Teletubbies wohnen. Was lief denn da, zwischen Laa-Laa und Tinky-Winky? Wohl nicht nur Winke-Winke, sondern auch Knick-Knack, was?

Ach, Journalisten. Die schreiben natürlich jetzt Artikel, über denen „Hatten die Teletubbies etwa Sex“ steht, behaupten, dass im Netz „gefachsimpelt“ werde, woher diese kleinen Tiddlytubbies kommen, und kommen sich wahnsinnig klug vor, wenn sie darauf hinweisen, dass die Teletubbies doch eigentlich selbst noch kleine Kinder sind.

Das An-den-Kopf-fass-Spiel

Eben. Und die Zielgruppe der Teletubbies versteht das vermutlich sofort, zum Beispiel, weil in der Folge, in der die Tiddlytubbies zum ersten Mal auftauchen, ein Film läuft, in dem ein kleiner Junge mit seiner noch kleineren Schwester spielt und erzählt, wie viel Spaß ihm das macht. Der Film läuft dann, wie es üblich ist bei den Teletubbies, direkt im Anschluss noch einmal – angeblich zum Vorteil der kleinsten Zuschauer, in Wahrheit wohl, damit es auch Erwachsene und sogar Journalisten verstehen.

Dann gehen die Teletubbies rüber in die Ecke, wo die Tiddlytubbies rumkrabbeln, und spielen mit ihnen das An-den-Kopf-fass-Spiel, das darin besteht, dass man sich an den Kopf fasst.

Eine Frage der Phantasie

Andererseits steht ja sicher irgendwo im pädagogischen Begleitmaterial, dass ein Ziel der Vorschulreihe ist, die Phantasie der Kinder anzuregen. Warum soll es etwas Schlechtes sein, wenn das bei den Erwachsenen auch gelingt? (Und reden wir im Zusammenhang mit schmutzigen Phantasien bitte gar nicht erst von Noo-Noo, dem freundlichen Staubsaugerelefanten, der in der ersten Folge mit den Tiddlytubbies diverse Tubby-Pudding-Flecken von dem Tubby-Pudding aus der Tubby-Pudding-Maschine wegrüsselt.)

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Eine Frage der Phantasie: Wer hätte sich im Jahr 1997, als alle verblüfft, entsetzt, ratlos oder bekifft vor den ersten „Teletubby“-Folgen saßen, vorstellen können, dass jemand zwanzig Jahre später sagen würde: Im Prinzip schön, aber da brauchen wir jetzt noch ein paar Figuren, die weniger reden und sich weniger bewegen können, kurz: die noch weniger erwachsen sind als diese Babyfiguren hier? Und sie sollen Daa-Daa, Umpie Pumpie, Ba, Ping, RuRu, Duggle Dee, Mimi und Nin heißen? Ach Phantasie.

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