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Nachrichtenagenturen Thomson-Reuters verdrängt Bloomberg

08.05.2007 ·  Jetzt ist es offiziell: Der kanadische Informationsdienstleister Thomson will die britische Nachrichtenagentur Reuters für 12,9 Milliarden Euro übernehmen. Das neue Unternehmen mit dem Namen „Thomson-Reuters“ wäre weltweit die Nummer eins.

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Das internationale Geschäft mit Finanzmarktdaten ordnet sich neu. Durch die geplante Fusion von Reuters und Thomson Financial, die beide Unternehmen am Dienstag in London und Toronto ankündigten, entsteht ein neuer Branchenführer. Die beiden Unternehmen hätten im vergangenen Jahr rechnerisch 34 Prozent des Weltmarktes dominiert. Damit hätten sie den amerikanischen Konkurrenten Bloomberg überholt, der dieses Segment bislang mit einem Marktanteil von 33 Prozent anführt (siehe Graphik).

Wnn die Fusionsgespräche zwischen Reuters und Thomson zum Erfolg führen, wird ein neuer Konzern mit einem Börsenwert von insgesamt mehr als 33 Milliarden Euro entstehen, der in aller Welt fast 49 000 Mitarbeiter beschäftigt. An der Spitze des neuen Anbieters „Thomson-Reuters“ soll der bisherige Reuters-Chef Tom Glocer stehen. Der 47 Jahre alte Rechtsanwalt aus New York führte den britischen Traditionskonzern während seiner sieben Jahre dauernden Amtszeit mit harten Sparprogrammen aus der Krise. Auch im Verbund mit Thomson sollen binnen 3 Jahren mindestens 500 Millionen Dollar (367 Millionen Euro) im Jahr an Fixkosten über Abstriche in der Verwaltung oder durch Abbau von Doppelaktivitäten in den Außenbüros wegfallen, teilte Reuters am Dienstag mit.

Die Führungsrolle wieder übernehmen

Die Transaktion soll zunächst durch eine Übernahme von Thomson durch Reuters abgewickelt werden. Danach ist der Konzern aus Toronto bereit, 697 Pence für jede Aktie von Reuters zu bezahlen. Die bisherigen Aktionäre des britischen Medienkonzerns erhalten dabei 352,5 Pence in bar sowie 0,16 Anteile an Thomson. Zu Großaktionären des neuen Konzerns avancieren die Nachfahren der Gründerfamilie Thomson mit rund 53 Prozent. Weitere Investoren des kanadischen Finanzdaten-Anbieters sind bei „Thomson-Reuters“ künftig mit 23 Prozent beteiligt. Der Rest entfällt auf die ehemaligen Anteilseigner von Reuters, zu denen auch die Stiftung „Reuters Founders Share Company“ gehört. Bisherige Versuche, das vor 156 Jahre von Paul Julius Reuter gegründete Unternehmen zu übernehmen, scheiterten an Blockaden dieser Institution, die über „goldene Aktien“ verfügt. Doch Stiftungs-Chef Pehr Gyllenhammar ließ jüngst erkennen, dass er sich einer „freundlichen Übernahme“ nicht verschließen wolle.

Mit der Fusion will Reuters wieder die Führungsrolle auf dem Markt für Finanzdaten zurückerobern, die der Konzern lange inne hatte. Das vorwiegend wegen seiner Nachrichtenagentur bekannte Medienunternehmen, dessen Umsatz aber zu drei Fünfteln auf dem Datengeschäft beruht, war erst vor einigen Jahren von Bloomberg überholt worden. Bloomberg generiert schätzungsweise fast neun Zehntel seines Umsatzes mit Finanzmarktdaten.

Zementierung des Duopols

Es gibt indes erste Kritik an der Zementierung des Duopols von Bloomberg und Reuters im Markt. Einige Kunden hatten gehofft, dass Thomson mit der Übernahme kleinerer Firmen ein Gegengewicht zu den beiden Marktführern schaffen würde, sagte David Anderson, Chefredakteur des Informationsdienstes Inside Market Data Reference (IMDR).

Nach jüngsten Angaben von IMDR lag Reuters im vergangenen Jahr mit einem Weltmarktanteil von 23 Prozent hinter Bloomberg auf dem zweiten Platz. Thomson war mit 11 Prozent die Nummer drei der Branche. Der Rest des Weltmarktes verteilt sich auf kleinere Anbieter. Das vom New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg gegründete gleichnamige Unternehmen wächst indes stärker als Reuters und Thomson. Insgesamt ist der Markt für Finanzmarktdaten nach Angaben von IMDR im vergangenen Jahr in aller Welt um 11 Prozent auf 12,5 Milliarden Dollar gewachsen.

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Von Hubert Spiegel

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