Home
http://www.faz.net/-gsb-10er6
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Münte am Apparat Fingiertes Telefonat ist nicht zu stoppen

16.09.2008 ·  Das Telefonat, bei dem Andrea Ypsilanti einem Stimmenimitator alias Franz Müntefering auf den Leim ging, ist nicht zu stoppen. Bei Youtube kann ein Ausschnitt nach wie vor gehört werden. Ein Anwalt soll dafür sorgen, dass der Beitrag im Internet gelöscht wird.

Von Michael Hanfeld
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (21)

Das Gespräch, das Andrea Ypsilanti am vergangenen Mittwoch mit Jochen Krause, einem Stimmenimitator des niedersächsischen Privatsenders Radio ffn, geführt hat, der sich als Franz Müntefering ausgab, ist nicht zu stoppen. Sieben Minuten lang hat Krause die Möchtegern-Ministerpräsidentin in dem Glauben gelassen, sie spreche mit ihrem neuen, alten Parteichef und räsoniere über die politische Lage in Hessen, vor allem darüber, wie mit der Linken zu verfahren sei, bevor der Radiomann sein Alias aufgab.

Im Radio lief das Stückchen nicht, weil Andrea Ypsilanti ihre Einwilligung verwehrte und der Sender, wie die Programmchefin Ina Tenz auf Nachfrage bestätigt, zusicherte, es nicht zu senden. Doch wer hören will, ob sich Andrea Ypsilanti zuraten lässt, es eben doch nicht mit dem Sturz des Ministerpräsidenten Roland Koch zu versuchen und stattdessen einen Führungsposten in der Bundespartei zu übernehmen (dreimal darf man raten, was sie davon hält), der muss nur ins Internet gehen und bei Youtube nachschauen, dort ist ein Ausschnitt des Gesprächs von einer Minute und dreiundvierzig Sekunden Länge zu hören.

Beitrag bei Youtube soll gelöscht werden

Radio ffn hat einen Anwalt beauftragt, die Löschung des Beitrags bei Youtube zu veranlassen. Die hessische SPD hat, wie ihr Pressesprecher Frank Steibli sagt, den Sender aufgefordert, die Verbreitung des Gesprächs zu unterlassen, dafür zu sorgen, dass die Mitschnitte nicht weiter kursieren und darüber Auskunft zu geben, wie das Stück überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Wenn man diese Auskunft habe, behalte man sich weitere juristische Schritte vor, sagt Steibli.

Zu stoppen aber ist die Sache nicht. Kaum wird der Mitschnitt bei Youtube gelöscht, taucht er wieder auf, wenn nicht hier, dann anderswo im Internet. Irgendwer wird schon dafür sorgen, dass man hören kann, was Andrea Ypsilanti mit dem falschen Franz Müntefering bespricht, auch wenn es sich dabei um eine flagrante Verletzung des Persönlichkeitsrechts handelt. Youtube weist seine Nutzer sogar darauf hin, dass sie die Aufnahme löschen könnten, doch wäre das, schreibt das Internetportal, "nicht im Sinne der deutschen Wähler", denn die seien "dankbar für ungeschönte Einsichten in politisches Denken in Deutschland".

Korrektur: Der Hinweis, dass man den Mitschnitt des Gesprächs zwischen Andrea Ypsilanti und dem falschen Franz Müntefering auch löschen könne, dies aber nicht im Sinne der deutschen Wähler sei, stammt nicht von You Tube selbst, sondern von dem Nutzer, der das Stück eingestellt hat. Henning Dorstewitz, ein Sprecher von You Tube Deutschland, teilt zu dem Vorgang mit, dass man sich „grundsätzlich nicht zu spezifischen Videos auf unserer Plattform“ äußere. Er könne „allerdings mitteilen, dass an You Tube gemeldete Videos in dieser Sache von uns entfernt wurden. Dies geschah aufgrund eines Verstoßes gegen die You Tube-Nutzungsbedingungen (http://de.youtube.com/t/terms). Darüber hinaus setzen wir Technologien ein, die dabei helfen zu verhindern, dass Videos, die gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen, erneut auf You Tube hochgeladen werden können.“ Um einen Beitrag bei You Tube gelöscht zu bekommen - das muss man dazu sagen - bedarf es allerdings des Hinweises des Betroffenen, der sich in seinen Rechten verletzt sieht. Und da fleißige Nutzer den Ypsilanti-Mitschnitt offenbar weiter fleißig einstellen, gleicht der Versuch, dem vollständig Einhalt zu gebieten dem Wettlauf zwischen Hase und Igel. (Miha.)

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Wulffs Ensemble

Von Martin Otto

Schon Bertholt Brechts Dogsborough konnte Geschenke guter Freunde nicht ablehnen. „Dieses Landhaus hätt’ ich nicht nehmen dürfen“, bekennt die an Reichspräsident Hindenburg angelehnte Figur. Mehr 7 14