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Mohammed-Karikaturen Kein Panikraum

03.01.2010 ·  Jetzt bloß nicht überreagieren: Dänemarks Zeitungen hatten den Streit über die Mohammed-Karikaturen als Kampf um das Erbe der Aufklärung gedeutet. Nach dem Attentatsversuch auf den Karikaturisten Kurt Westergaard reagieren sie auffällig defensiv.

Von Matthias Hannemann
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Es gibt Stunden, in denen alles gesagt und doch noch vieles unausgesprochen ist. Der Chefredakteur der dänischen Tageszeitung „Jyllands-Posten“, Jørn Mikkelsen, hat auf den Angriff gegen Kurt Westergaard, seinen Karikaturisten, mit auffällig kargen Worten reagiert. Mikkelsen will das Thema, so sagte er dieser Zeitung, nicht weiter kommentieren und nur als „reine Polizei-Angelegenheit“ betrachtet wissen. Der jahrelangen Diskussion um die von „Jyllands-Posten“ im September 2005 abgedruckten Mohammed-Karikaturen, die heftige antidänische Reaktionen in der muslimischen Welt zur Folge hatten, sei kaum noch etwas hinzuzufügen. „Diese furchteinflößende Begebenheit für Kurt Westergaard“, schrieb Mikkelsen, nachdem es Westergaard am Freitag nur knapp gelungen war, sich im Badezimmer vor dem Angreifer zu verschanzen, „fügt sich ins Bild der Drohungen, die in den letzten vier Jahren gegen ihn und ,Jyllands-Posten‘ gerichtet wurden.“ Die Zeitung wolle sich an die Sicherheitshinweise von Polizei und Geheimdienst halten.

Letzteres mag wie ein Nebensatz klingen. Und doch ist gerade der Verweis auf die eigene Sicherheit hier die Botschaft eines Blattes, das die Auseinandersetzung um die Mohammed-Karikaturen immer wieder pointiert als Kampf um das Erbe der Aufklärung und die Meinungsfreiheit deutet. Jetzt bloß nicht überreagieren, heißt das. Jetzt erst mal durchatmen.

Im Zufluchtsraum

Der politische Kommentator des Blattes freilich, Ralf Pittelkow, konnte nicht stillhalten. Die Kritik, die seine Zeilen vom Sonntag enthielten, richtete sich freilich gegen den Westen, nicht die islamische Welt. Der Anschlag auf Westergaard sei „ein extremer Ausdruck“ eines Kampfes um die Freiheit, der „zwischen der islamischen Welt und dem Westen“ geführt werde. Wie es um diese Meinungsfreiheit bestellt sei, habe unlängst Roland Emmerichs Katastrophenfilm „2012“ gezeigt. Emmerich lasse alle religiösen Symbole der Welt in Staub und Asche versinken. Nur für die Kaaba in Mekka mache er aus Angst vor Verfolgung eine Ausnahme.

Aber auch die Verteidigungslinien in Dänemark brechen ein. Die Online-Ausgabe von „Jyllands-Posten“ enthielt einen Artikel der Theologin Katrine Winkel Holm, die sich in der „Gesellschaft für Pressefreiheit“ engagiert. Er war wohl als Jahresrückblick gedacht, erschien über Nacht aber in neuem Licht. Unter der Überschrift „Nackte Brüste, ja, Bomben im Turban, nein“ erinnerte sie an eine interne E-Mail, mit der der Chefredakteur der Boulevardzeitung „Ekstra Bladet“ im November seine Mitarbeiter gebeten hatte, sich nicht auf einen solidarischen Neu-Abdruck von Westergaards Karikatur einzulassen (sie sei „ohne künstlerische Bedeutung“, hieß es in einem Leitartikel kurz darauf). Zuvor hatte das „Ekstra Bladet“ versucht, „Schulter an Schulter mit ,Jyllands-Posten‘“ die Krise durchzustehen – auch noch 2008, als ein erster Anschlag auf Kurt Westergaard vereitelt worden war. Wird sich Dänemark nun also erst recht in einen nordischen „Panic Room“ zurückziehen? Die Sicherheit eines solchen gesicherten Zufluchtsraums, warnt das dänische Blatt „Berlingske Tidende“ sei eine trügerische – und exklusive.

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