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Modelegende Diana Vreeland Stellen Sie sich das vor!

Sie war eine der bedeutendsten Frauen der Modewelt im 20. Jahrhundert. Dieses Jahr wäre die legendäre Moderedakteurin 110 Jahre alt geworden. Zeit, sie gebührend zu vermissen.

Viel besser können Bücher nicht beginnen: „Ich verabscheue Nostalgie. Eines Abends beim Dinner bei den Oscar de la Rentas in Santo Domingo wandte sich Swifty Lazar, der Literaturagent, an mich und sagte, ,Das Problem mit dir, Dollface’ - so pflegt er mich zu nennen -, ,ist, dass dein ganzes Leben nostalgisch ist.’ ,Hör mal, Swifty’, sagte ich, ,wir alle haben unsere eigene Weise, unseren Lebensunterhalt zu verdienen, also halt die Klappe!’ Dann schlug ich ihm auf die Nase. Er war ziemlich verblüfft. Er nahm einen Porzellanteller und schob ihn sich unter sein Dinnerjacket, um sein Herz zu schützen. Also boxte ich gegen den Teller! Nostalgie - stellen Sie sich das vor! Ich glaube an nichts vor Penicillin.“

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So beginnt die Autobiographie „D.V.“ von Diana Vreeland, die sie mit Hilfe von George Plimpton schrieb. (Genauer: Sie diktierte ihm ihr Leben, er schrieb.) Sie wurde 1984 veröffentlicht, ist immer noch zu kaufen und sei allen empfohlen, die sich für gutes Entertainment interessieren. Es sei allerdings dazugesagt, dass es ihre Protagonistin mit so etwas Langweiligem wie der Wahrheit nicht allzu genau nahm beziehungsweise in voller Absicht sehr ungenau. Diana Vreeland - von 1939 bis 1962 Moderedakteurin bei „Harper’s Bazaar“, von 1963 bis 1971 Chefredakteurin der amerikanischen „Vogue“ - war eine Autorität in Sachen Suggestion. Sie glaubte so sehr daran, dass man kraft seiner Vorstellung die Wirklichkeit lenken und verändern kann, bis die Wirklichkeit schließlich nachgab.

Ihr größtes Werk war sie selbst

Im September kam ein Dokumentarfilm über sie in die amerikanischen Kinos, den Lisa Immordino Vreeland gemacht hat, die mit einem Enkel Vreelands verheiratet ist: „The Eye Has to Travel“. Er erzählt sehr stimmungsvoll und wunderbar augenzwinkernd vom Aufstieg einer unbekannten New Yorkerin namens Diana Dalziel zur mächtigsten Frau der Modewelt des 20. Jahrhunderts. Der Fotograf Richard Avedon sagte, sie habe den Beruf der Moderedakteurin überhaupt erst erfunden: „Vor ihr setzten Damen der Gesellschaft anderen Damen der Gesellschaft Hüte auf.“ Gut, Moderedakteure haben nie die Welt aus den Angeln gehoben, aber Vreeland hat den Geist ihrer Zeit ästhetisch mitgeprägt. Sie hat aus Modefotografie eine Kunstform gemacht, die heute in Museen gezeigt wird, hat eleganten Frauen das Leben erleichtert, indem sie flache Schuhe und lose fallende Kleider für salonfähig erklärte, und nebenbei entdeckte sie auch noch Lauren Bacall. Doch ihr größtes Werk war sie selbst.

Geboren wurde sie am 29. September 1903 in Paris. „Das Erste, was man tun muss, mein Lieber, ist, dafür zu sorgen, dass man in Paris geboren wird. Alles Weitere folgt dann ganz natürlich.“ So erzählte sie es ihrem Biographen, George Plimpton. Und was ihren Geburtsort angeht, sagte sie sogar die Wahrheit. So ziemlich alles andere aber wurde von Vreeland sorgsam der Legende angepasst, die sie schon als Teenager von sich entwarf. So wurde sie zwar in Paris geboren, als Tochter einer begehrten New Yorkerin und eines recht erfolglosen Engländers - allerdings hat sie entgegen ihrer Behauptung, dort aufgewachsen zu sein, nur die ersten sieben Monate ihres Lebens in der französischen Hauptstadt verbracht.

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