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„Mix Up Art“ bei Sky : Schau zu, mach Kunst

  • -Aktualisiert am

Gewagte Mischung: Wolfgang Flatz, Christine Neubauer und ihr Freund José Campos bei der „Mix Up Art“-Vernissage von Sky Arts Bild: obs

Der Sender Sky probiert sich an „Mix Up Art“: Christine Neubauer trifft den Aktionskünstler Wolfgang Flatz, Lady Bitch Ray den „Werner“-Zeichner Rötger Feldmann. Was sagt uns das?

          Das Große klein und das Kleine groß zu machen, darauf versteht sich die „Mix Up Art“-Reihe des Abosenders Sky. Das Konzept klingt wie aus dem Fluxus-Lehrbuch: Man nehme zwei Menschen, die sich vorher noch nie gesehen haben, versetze sie für zwei Tage in eine kreative Umgebung und feiere das Werk, das in dieser Zeit entsteht. Man weiß nicht, was in der Redaktion von Sky gereicht wurde, als die Idee entstand, den Aktionskünstler Wolfgang Flatz mit der Schauspielerin Christine Neubauer in ein Remake von „Nur 48 Stunden“ zu werfen. Allein, es ist äußerst unterhaltsam, den beiden zuzuschauen. Das Kunstwerk, das am Ende entsteht – ein Foto-Tryptichon nach historischen Vorlagen mit Renn-Ducati und Neubauer – ist sichtbarer Ausdruck dafür, dass die Schauspielerin etwas mit Kunst anfangen kann und Flatz nichts zu trivial ist, dass es nicht in seinen „Fressen Ficken Fernsehen“-Kosmos (großes Schild in seiner Wohnung) passen würde, samt riesigem Dachgarten, dessen Mittelpunkt ein äußerlich abgewrackter Oldtimer bildet, in dem beide auf grünem Leder hocken und darüber flachsen, ob der Geist von Elvis, dem die Rostlaube einst gehörte, Neubauer nun das Singen lehrt.

          Flatz und Neubauer sind die Pioniere dieses Formats. Ihr Kunstwerk konzeptueller Fotografie entstand schon 2016. Nun, beim „Art Event“ von Sky in der Alten Münchner Kongresshalle, stellten sie es vor. Wobei Christine Neubauer ein wenig das Lächeln gefror, da Flatz sie als „Gesichtsverleiherin“ ansprach. Mit einer Rolle aber habe sie ihn beeindruckt – einer Leidensgeschichte auf einem Bergbauernhof, in die er sich als Bergbauernsohn aus dem Bregenzer Wald habe hineinversetzen können.

          „Der Anspruch ist ja nicht, dass wir große Kunst machen“

          Sky hat bizarre Begegnungen eingefädelt. Lady Bitch Ray trifft den „Werner“-Zeichner Rötger Feldmann, Udo Walz hat es mit Milo Moiré zu tun, Laith Al Deen mit Elvira Bach, den verstorbenen Sänger Gunter Gabriel sehen wir mit dem Designer Ralf Metzenmacher zu Werke gehen. Der Moderator Max Moor geht mit der Künstlerin und Sängerin Marlene Schnabel-Marquardt in Weimar erst einmal einen Kaffee trinken. Dann lassen sie verflüssigte Gummibärchen auf Leinwände laufen. Was sagt uns das?

          „Der Anspruch ist ja nicht, dass wir große Kunst machen“, sagt Moor. Aber beim nächsten Mal wolle er „mit einer fast arroganten Selbstsicherheit sagen: Ich bin auch Künstler.“ Die Bilder der beiden, für die „gefällig“ wohl die richtige Beschreibung sei, passten indes „gut in eine Bankhalle“. Eine echte Verwandlung hat der Schönheitschirurg Werner Mang vollzogen. Nach zwei Tagen mit dem Bildhauer Clemens Brocker ist er sehr angetan von der Arbeit mit der Kettensäge statt dem Skalpell. Er droht, wenn das gemeinsame Kunstwerk „black/white“, ein doppelgesichtiger Kopf aus Holz, gut ankomme, sich abermals freizunehmen, um mit Brocker noch künstlerisch tätig zu werden.

          Mit der Anmutung des Werks, das Rötger Feldmann und Lady Bitch Ray fertigstellen, musste man derweil fast rechnen: ein Baumstamm, dessen Form an eine Vagina erinnert, ergänzt um „Werner“-Korken und Metallbügel. Der steht nun zur Versteigerung bei Ebay, wie alle Werke der „Mix Up Art“-Aktion. Über das von Sky vorgegebene Mindestgebot von zweihundert Euro sind die Preise aber bislang nicht weit hinausgekommen. Die Versteigerung schließt am Sonntag. Für Sky-Arts-Senderchef Christian Asanger wäre ein magerer Erlös ein echter Wermutstropfen in der Geschichte von „Mix Up Art“. Er hat für die Reihe schon die dritte Staffel aufgelegt, sie soll am 20. April mit der Schauspielerin Suzanne von Borsody, dem Blogger Riccardo Simonetti und dem Rapper Moses Pelham beginnen. Vom 23. März an sind freitags um 20.15 Uhr die ersten beiden Staffeln zu sehen. Der Erlös der Mix-Kunst (www.sky.de/mixupart) fließt karitativen Zwecken zu.

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