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Veröffentlicht: 17.01.2016, 12:11 Uhr

Sabotage bei Twitter Mit der Maschine Meinung machen

Beim Nachrichtendienst Twitter werden über „Bots“ massenhaft Kommentare verbreitet. Sie gaukeln vor, da sprächen echte Menschen. Solche Fälschungen gibt es bei Wladimir Putin, Hillary Clinton und Donald Trump. Was tut Twitter dagegen?

von Adrian Lobe
© AFP Von Maschinenbotschaften überspült: der Kommunikationsdienst Twitter

Als der russische Regierungskritiker Boris Nemzow im Februar 2015 auf offener Straße erschossen wurde, twitterte ein Nutzer namens „JulianAmaya16“: „Die Ukrainer töteten Nemzow aus Eifersucht.“ Das Besondere an diesem Tweet war, dass er nicht von einem Menschen, sondern einem Computer geschrieben wurde. Dem amerikanischen Journalisten Alec Luhn war aufgefallen, dass genau der gleiche Inhalt von mehreren Accounts gleichzeitig verschickt wurde. Das Gerücht war gesetzt. Sogenannte Bots generieren millionenfach Tweets auf dem Kurznachrichtendienst. „Astroturfing“ nennt man die Methode, bei der mittels Algorithmen und automatisierten Skripts konzertierte Kommentare lanciert werden. Russlands Präsident Wladimir Putin beschäftigt eine ganze Twitter-Armee, die den Kurznachrichtendienst systematisch mit propagandistischen Beiträgen bombardiert. Und er ist nicht der einzige.

Politiker entdecken Twitter-Bots als Werkzeug, um ihr Image aufzubessern oder missliebige Beiträge zu unterdrücken. Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto soll dem Vernehmen nach 75.000 Fake-Accounts auf Twitter aktiviert haben, um Oppositionelle und Regierungskritiker zum Schweigen zu bringen. Die Journalistin Erin Gallagher und der Blogger Alberto Escorcia stellten fest, dass die mit dem Hashtag #YaMeCanse („Ich bin müde“) verschlagworteten Suchergebnisse, in denen sich Aktivisten über das mysteriöse Verschwinden von 43 Studenten austauschen, mit Spam-Tweets geflutet wurden und in der Folge aus den „Trending Topics“ flogen. Gallagher und Escorcia analysierten daraufhin weitere Hashtags und identifizierten ähnliche Bots, die den kritischen Diskurs auf Twitter sabotierten. Forscher fanden heraus, dass Peña Nieto schon bei den Wahlen 2012 Bots eingesetzt hatte (sogenannte „Peñabots“), um Beiträge seiner Partido Revolucionario Institucional in den „Trending Topics“ von Twitter zu plazieren: der Roboter als Spin-Doktor. Der venezolanische Staatspräsident Nicolás Maduro versuchte, mit Fake-Accounts seine miserablen Popularitätswerte (teils unter zwanzig Prozent) aufzuwerten. Bots machten ihn zeitweise zur Person mit den drittmeisten Retweets weltweit. Allein, die digitalen Pappkameraden gereichten ihm nicht zur Schützenhilfe - Maduro verlor die Parlamentswahl im Dezember 2015 und könnte bald abgewählt werden.

Fast zehn Prozent der Nutzer sind Bots

Die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton soll laut einer Analyse von „Twitteraudit“ unter ihren Followern auf Twitter mehr als eine Million Fake-Accounts haben - ebenso viele wie Donald Trump. All diese Fälle deuten auf die Dimension des Phänomens. Einer Untersuchung der amerikanischen Börsenaufsicht SEC zufolge handelt es sich bei 8,5 Prozent aller Twitter-Nutzer um Bots. Und das ist eine recht konservative Schätzung. In Wahrheit dürfte die Zahl weit höher liegen. Eine ganze Armada von Fake-Accounts flattert durchs Twitter-Universum. Zwar kann man mit speziellen Softwaretools wie „BotOrNot“ Pseudoprofile filtern. Twitter löscht auch regelmäßig Fake-Accounts. Doch die Bots werden für das Unternehmen zunehmend zum Problem.

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