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Missbrauchsskandal beim BBC Tote sprechen nicht

 ·  Die BBC steckt ob der Missbrauchsvorwürfe gegen den verstorbenen Moderator Jimmy Savile in der Krise. Der Stuhl des neuen Chefs wackelt schon.

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Jimmy Savile kann weder belangt werden noch der Öffentlichkeit Rede und Antwort stehen zu den erschütternden Vorwürfen der Kinderschändung, die jetzt gegen den vor einem Jahr gestorbenen ehemaligen BBC-Moderator erhoben werden. Selten hat ein Toter postum eine derartige Wirkung entfaltet wie der vor einem Jahr im Alter von 84 Jahren gestorbene Savile. Die Tragweite seiner mutmaßlichen Untaten geht dahin, dass die Zukunft von George Entwistle als Generaldirektor der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt schon einen Monat nach seinem Amtsantritt in Frage steht. Er wird am Dienstag vom parlamentarischen Ausschuss für Kultur, Medien und Sport vernommen.

Hunderte von Männern und Frauen haben sich in den vergangenen zwei Wochen, seit die Vorwürfe gegen Savile offenbart wurden, bei der Polizei gemeldet mit der Behauptung, sie seien als Minderjährige von Savile und anderen noch lebenden Tätern missbraucht worden. Der Moderator populärer Jugendsendungen wie „Top of the Pops“ steht im Verdacht, Mittelpunkt eines Pädophilen-Rings gewesen zu sein, dessen Mitglieder den Glanz seines Ruhmes ausnutzten. Scotland Yard hat Strafermittlungen eingeleitet und geht mehr als vierhundert Hinweisen nach. Es wird mit baldigen Festnahmen gerechnet.

Die Geschichte war „nicht stark genug“

Die BBC wird als Saviles ehemaliger Arbeitgeber an zwei Fronten angegriffen. Zum einen wird ihr vorgeworfen, nicht agiert zu haben, obwohl Gerüchte über Savile zu dessen Lebzeiten im Umlauf waren. Die ehemalige Berufungsrichterin Dame Janet Smith ist mit einer Untersuchung der Umstände betraut worden, die Saviles Missbräuche ermöglicht hätten. Sie wird ihre Arbeit allerdings erst nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen aufnehmen können.

Zum anderen mehren sich die Hinweise, dass die jetzige Führung der BBC den Fall heruntergespielt hat. Unmittelbar nach Saviles Tod haben Reporter des BBC-Magazins „Newsnight“ eine Recherche über die Gerüchte um Savile angestrengt. Der für Anfang Dezember letzten Jahres vorgesehene Beitrag wurde, wie ein Beitrag des Senders ITV enthüllte, jedoch zu den Akten gelegt. Weil, so wird unterstellt, für das Weihnachtsprogramm geplante Würdigungen Saviles danach nicht mehr tragbar gewesen wären.

George Entwistle, der damals Leiter der Programmproduktion war, entgegnete, er sei über den Inhalt der „Newsnight“-Untersuchungen nicht informiert gewesen. Der „Newsnight“-Beitrag sei nicht gesendet worden, weil die Staatsanwaltschaft erklärt habe, dass sie 2007, als Missbrauchsvorwürfe gegen Savile erhoben wurden, ihn wegen mangelnder Beweise nicht strafrechtlich verfolgt hätten. Der „Newsnight“-Chefredakteur Peter Rippon habe die Recherche eingestellt, weil die Geschichte „nicht stark genug“ gewesen sei.

Dem Ansehen der BBC geschadet

Für diesen Montagabend hat die BBC jedoch eine Sonderausgabe der Sendung „Panorama“ geplant, die diesen Aussagen widersprechen und das eigene Management bloßstellen soll. Die Sendung „Jimmy Savile - What the BBC Knew“ versucht mittels elektronischer Mitteilungen und Aussagen von Mitarbeitern nachzuweisen, dass die offiziellen Verlautbarungen der BBC-Führung nicht stichhaltig seien. Am schwerwiegendsten ist die Behauptung, Helen Boaden, Nachrichtenchefin des Senders, habe Entwistle in einem kurzen Gespräch gewarnt, dass er das Weihnachtsprogramm mit den Würdigungen Saviles wegen der „Newsnight“-Untersuchung womöglich verändern müsse.

Zudem beruft sich „Panorama“ auf eine Mitteilung, in welcher der „Newsnight“-Reporters Meiron Jones seinen Chefredakteur darauf hinweist, wie sehr es dem Ansehen der BBC schaden werde, träte auf die eine oder andere Weise zutage, dass sie die Untersuchung gegen Savile eingestellt habe.

Noch vor der Ausstrahlung von „Panorama“ ist Peter Rippon mit sofortige Wirkung vorübergehend von seinem Posten als „Newsnight“-Chefredakteur zurückgetreten. Seine Darstellung der Vorgänge sei „in mancher Hinsicht ungenau und unvollständig“, teilte die BBC mit. Über Rippons Zukunft wird entschieden, wenn Nick Pollard, der ehemalige Chef von Sky News, seine Untersuchung zum Umgang mit der „Newsnight“-Recherche abgeschlossen hat.

Die Magazine „Newsnight“ und „Panorama“ sind seit jeher Rivalen. Jetzt sieht es aus, als sei bei der BBC auch noch ein Bruderkrieg ausgebrochen. John Simpson, der altgediente Auslandsreporter, spricht von der größten BBC-Krise seit fünfzig Jahren.

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