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Michelle Obama bei Jay Leno Ein Löffelchen für die First Lady

01.02.2012 ·  Jay Leno benimmt sich: Als Michelle Obama in seiner „Tonight Show“ zu Gast ist, isst der Fast Food liebende Talkmaster sogar brav das mitgebrachte Gemüse der First Lady.

Von Matthias Rüb
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Die Obamas kommen gerne zu Jay Leno, wenn sie in Südkalifornien sind. Im vergangenen Herbst war der Präsident in der „Tonight Show with Jay Leno“, um sich ein wenig Abwechslung vom Spendensammeln fürs Wahljahr bei reichen Gönnern in Hollywood zu gönnen. Und in der Nacht zu diesem Mittwoch war First Lady Michelle Obama zu Gast beim Mann mit dem markantesten Kinn im amerikanischen Fernsehen. Auch Michelle Obama ist in Kalifornien derzeit auf politischer Mission unterwegs: Sie hilft nicht nur ihrem Mann beim Geldsammeln für die Präsidentenwahl vom 6. November mit zwei Auftritten bei „Fundraisern“, sie wirbt vor allem für ihre vor knapp zwei Jahren ins Leben gerufene Kampagne „Let’s Move“ zum Kampf gegen Fettleibigkeit bei Kindern.

Die Obamas und Hollywood passen gut zusammen. Man teilt die politischen Überzeugungen. Man glänzt gewissermaßen natürlich. Kein Wunder, dass die First Lady ihr Heimspiel bei Leno ebenso meisterte wie es vor ein paar Wochen dem Präsidenten gelungen war.

Dauernd wird gesungen

Leno ist gut erzogen und respektvoll genug, um seine Rolle in dem vom Weißen Haus vorgegebenen Drehbuch perfekt auszufüllen.
Im Gespräch mit Michelle Obama ging es ums Leben im Weißen Haus, wo es die Töchter Sasha und Malia nach Auskunft von Mutter Michelle erstaunlich gut haben, denn sie leben unter einem strengen Mutterregiment. Internet unter der Woche gibt es nicht, denn es müssen Hausaufgaben gemacht werden. Allenfalls als Belohung für außerordentlichen Fleiß, und am Wochenende sind zusammen vier Stunden Surfen und Chatten erlaubt.

Dass der Präsident jüngst bei einem Auftritt im Apollo-Theater im New Yorker Stadtteil Harlem – zum Spendensammeln fürs Wahljahr übrigens – mit beachtenswertem Tremolo den Song „Let’s Stay Together“ von Al Green anstimmte, hat die First Lady nicht überrascht. „Er hat eine schöne Stimme, und er singt dauernd für mich“, erzählte Michelle Obama, und Al Greens Hit von 1972 ist oft dabei. Zudem singt Obama daheim Marvin Gaye und Stevie Wonder: „Er liebt die Klassiker.“

Der erste Apfel seit 1984

Wie sie Mitt Romneys Liedvortrag gefunden habe, der am Vorabend seines Triumphes bei den republikanischen Vorwahlen in Florida vom Dienstag „America the Beautiful“ gesungen hatte und stimmlich öfters daneben lag, wurde Michelle Obama von Jay Leno gefragt. Darauf log die First Lady ordnungsgemäß, es sei schön gewesen, schließlich sei es „Amerikas Lied, und es ist ein Lied, das von jedem Amerikaner gesungen werden sollte“.

Höhepunkt des Auftritts war aber freilich, was Michelle Obama dem bekennenden Liebhaber von Fleisch und Pommes Frites und Fast Food Jay Leno auftischte: Gemüsepizza, gebackene Süßkartoffel-Streifen und einen Apfel, versüßt mit dem Honig, für den die „First Bees“ in den Bienenstöcken im Garten des Weißen Hauses höchstselbst sorgen. Es soll nach der von Leno selbst geschaffenen Überlieferung sein erster Apfel seit 1984 gewesen sein. Gemüse hat Leno nach eigenen Angaben schon 1969 aufgegeben.

Lasst uns zusammenbleiben

Leno aß artig von den Speisen der First Lady, wie er überhaupt äußerst artig war. Er gab die erforderlichen Stichworte für Michelle Obama, die nicht nur vom Leben der First Family im Weißen Haus erzählte, sondern vor allem über ihren Einsatz für die Veteranen der Kriege in Afghanistan und im Irak sprach und natürlich für ihre Aktion „Let’s Move“ zur Verbesserung der Ernährung von Amerikas Kindern warb: weniger Salz in Speisen und weniger Zucker in Getränken, weniger Fett und Fleisch, mehr Gemüse und Obst. „Sie müssen auch Ballaststoffe zu sich nehmen“, mahnte Michelle Obama, denn schließlich sei Jay Leno „eine wunderbare Vorbildfigur“. Leno nickte und kaute.

Schließlich wollte Leno noch wissen, wie sich Barack und Michelle Obama auf einen gewiss hässlichen Wahlkampf vorbereiten würden. „Wissen Sie, darauf kann man sich mental gar nicht wirklich vorbereiten“, antwortete Michelle Obama: „Man nimmt jeden Tag, wie er kommt.“ Und im Übrigen würden sie und der Präsident jeden Morgen mit dem Gedanken daran beginnen, was das Beste für das amerikanische Volk sei. Da nickte Leno zustimmend, und alle Welt verstand die Botschaft: „Let’s Stay Together“ – die Obamas in Washington an der Ostküste im Weißen Haus und Hollywood an der Westküste für vier weitere Jahre.

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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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