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Veröffentlicht: 21.01.2013, 16:50 Uhr

„Mega“ von Kim Schmitz Sammeln und Tauschen

Kim Schmitz ist wieder da. Die amerikanische Justiz ist immer noch wegen Datenhandels im großen Stil hinter ihm her. Mit dem neuen Portal „Mega“ glaubt er sich aber auf der sicheren Seite.

© AP Sieht ein bisschen nach Nordkorea aus. Kim Schmitz feiert seine Wiederkehr heilsbringermäßig.

Die Geschichte des aus Kiel stammenden geschäftstüchtigen Hackers Kim Schmitz bleibt spektakulär. Bekannt ist er heute als „Kim Dotcom“, berühmt war er jedoch schon als „Kimble“, der ein „Kimpire“ regierte. Dass er sich dieses nur ausdachte, gehört zu seinen Marotten, wie auch sein Tatendrang, sich selbst mit dem amerikanischen Präsidenten anzulegen.

Im Juli vergangenen Jahres drohte Schmitz Barack Obama mit einer Kampagne gegen dessen Wahlkampf, sollte sein vor einem Jahr abgeklemmtes Filesharing-Netzwerk „Megaupload.com“ nicht wieder online gehen dürfen. Rund 175 Millionen Dollar habe Schmitz in sieben Jahren mit ihm umgesetzt, obendrein amerikanischen Filmstudios einen Schaden von einer halben Milliarde Dollar beschert, klagten Vertreter der Branche. Die Seite blieb offline, Schmitz als der Verlierer am zurückliegenden Wochenende von Obamas Amtseinführung aber nicht tatenlos.

Am Jahrestag der Razzia geht Schmitz in die Offensive

Ein Jahr nachdem 76 Polizisten sein Anwesen in Neuseeland durchsuchten, Technik beschlagnahmten und Schmitz samt Mitstreitern, die sich zu seinem Geburtstags am 21.Januar bei ihm einfanden, festnahmen, stellte Schmitz am Wochenende seine neue Geschäftsidee vor: einen juristisch sicheren und Privatsphäre schützenden Onlinespeicher, der sich natürlich auch für Filesharing eignet. Diesmal habe man aber alles richtig gemacht, sagte Schmitz bei der pompösen Presseparty auf seinem Anwesen in Neuseeland, in dem er unter Hausarrest steht.

„Mega“ sei kein Neustart von „Megaupload“, sondern gänzlich neu. „Wir haben die Software von Grund auf neu geschrieben“, sagte Schmitz. Inwieweit dabei auch auf rechtliche Vorgaben geachtet wurde, verriet er im Detail nicht. Seinen „Anwalt für amerikanische Angelegenheiten“ begrüßte er jedoch mit auf der Bühne.

Ob „Mega“ aber überhaupt anders als „Megaupload“ funktionieren muss, um rechtlichen Vorgaben zu entsprechen, ist bis heute kaum geklärt. Zwar gab es zahlreiche Klagen, doch aus dem Ermittlungsverfahren gegen Schmitz und „Megaupload“ hat sich bis heute kein Strafverfahren entwickelt. Stattdessen mehren sich seit mehren Monaten die Zweifel, dass es noch dazu kommt. Formfehler der Ankläger und ungeklärte Zuständigkeiten lassen das Verfahren seit Beginn stocken.

Online-Dienste für Musik und Filme sollen folgen

Hinzu kommen Fehler der Polizei, die beispielsweise das bei der Razzia aufgenommene Video nicht mehr finden kann. An die Schreckensnacht, wie Schmitz die Erstürmung seines Anwesens umschreibt, erinnerte er am Wochenende selbst. Er ließ seine Pressekonferenz von einem tief fliegenden Hubschrauber, Sirenen und sich von Häuserwänden abseilenden Ermittlungskräften stören. Beendet wurde die kleine Showeinlage von Schmitz, der darum bat, „diesen Unfug“ zu unterlassen.

Erfolg bescherte ihm das andauernde Spektakel um seine Person offenbar auf ganzer Linie. Schon nach einem halben Tag habe man eine halbe Million registrierte Benutzerkonten bei „Mega“, sagte Schmitz. Es gebe den Wunsch nach Innovation, schlussfolgerte er daraus. Weitere Webdienste speziell für Musik und Filme kündigte er für dieses Jahr an. Das Internet sei dazu da, die Wünsche der Bürger zu erfüllen, sagte Schmitz. Es gehöre weder den „spionierenden Regierungen“ noch den „geldgierigen Unternehmen“.

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Die Anschuldigung der Piraterie gegen ihn wies Schmitz mit dem Hinweis zurück, dass nicht einzelne Dienste wie seiner, sondern das Internet im Allgemeinen zum Sammeln und Tauschen von Daten da sei und andernfalls schon die Postkutschen hätten verboten werden müssen. Schmitz’ Publikum lachte. Er hatte es neunzig Minuten lang gut unterhalten.

Hinter der Gründung von „Mega“ steckten trotz allem aber ernste politische Aussagen pro Privatsphäre und Kommunikationsfreiheit, beteuerte Schmitz. Zunächst aber geht es ihm wieder ums Geld. Um seine privaten Unterstützer auszuzahlen, plant Schmitz als Nächstes den Gang an die Börse.

Quelle: F.A.Z.

 

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