Ein geschickter Strippenzieher ist Hans Michael Strepp nicht. Denn sonst hätte er sich nicht an die Strippe gehängt, um einem Nachrichtenredakteur des ZDF weismachen zu wollen, es gebe über den Parteitag der bayerischen SPD nichts zu berichten. Die damit verbundene Absicht - Einfluss nehmen, Zensur ausüben - stritten Strepp und der CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt am Mittwoch noch ab, tags darauf trat Strepp zurück.
Die Intention des Anrufs sei eindeutig gewesen, sagte zuerst der ZDF-Chefredakteur Peter Frey, sagte dann der Intendant Thomas Bellut und ergänzte: „Das ZDF lässt keine politische Einflussnahme auf seine Sendungen zu.“ Quod erat demonstrandum, könnte man sagen: Ein Politiker ruft einen ZDF-Nachrichtenredakteur im Großraumbüro an, damit es auch ja alle mitkriegen, und lässt durchblicken, dass über den politischen Gegner besser nicht berichtet werde.
Er ruft auch noch das Münchner Büro des Senders an und einen Korrespondenten des Bayerischen Rundfunks, nur um die Berichterstattung über die Konkurrenz zu unterbinden, die man den Umfragen nach gerade weit hinter sich lässt. Und natürlich wird berichtet, zuerst im Fernsehen über die SPD und dann allüberall über die Affäre. Mehr Unabhängigkeit geht nicht. Und mehr brutalstmögliche Eselei auch nicht.
Bärendienst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Was für eine Vorlage, was für eine Gelegenheit, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in puncto „politische Einflussnahme“ in ein milderes Licht zu rücken, als es angebracht ist. Denn selbstverständlich nimmt die Politik, nehmen die Parteien, die Regierungen in Land und Bund Einfluss - und zwar alle. In den Aufsichtsgremien und nicht zuletzt im Verwaltungsrat des ZDF, in dem sich unter Vorsitz von Kurt Beck fünf Ministerpräsidenten versammeln, darunter auch Horst Seehofer. Wer wirklich Einfluss nehmen will auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der setzt hier an, im persönlichen Gespräch mit den Chefs und - vor allem - bei der Bestellung des Spitzenpersonals, in der Hoffnung, dass sich die Dinge dann von allein regeln.
Im Falle des Unionskomplotts gegen den früheren ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender ist das eskaliert und einmal offen zutage getreten. Ein Parteisprecher hingegen, der auf derart plumpe Weise vorgeht, die alle, die den CSU-Mann Strepp kennen, ihm gar nicht zutrauen und nicht erklären können, tut dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk den denkbar größten Gefallen.
Ein paar Tage zuvor hatte sich das ZDF noch dafür entschuldigen müssen, dass im „heute journal“ fehlerhafte Bilder zum Europa-Schlagabtausch zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück im Bundestag aufgetaucht waren - gezeigt wurde ein gestikulierender Jürgen Trittin, der aber nicht, wie es im Text hieß, auf Steinbrück reagierte, sondern auf Rainer Brüderle.
Doch das ist schon der Schnee aus dem Schneideraum von gestern. Heute gilt: Der Angriff der Politik wurde abgewehrt. Auch wenn es nur ein plumpes Manöver war. Die echten Strategen machen das anders.
Wenn ich frische Nachrichten will,
Carsten Berg (Carberg)
- 27.10.2012, 13:36 Uhr
harmlos?
Markus Baumüller (Iluma3)
- 27.10.2012, 10:13 Uhr
Plaudern Sie doch mal aus Ihrem Nähkästchen,
Rudolf März (maerkur)
- 26.10.2012, 15:50 Uhr
Die willkommene Gelegenheit für das ach so pluralistische ZDF, von
der Bildermanipulation abzulenken
Hugh Greene (hughgreene)
- 26.10.2012, 15:13 Uhr
Das Ganze hat System
Carsten Zimmermann (Maltegreif)
- 26.10.2012, 10:08 Uhr