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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Medienkritik Die Redaktion antwortet nicht

 ·  Der Internetdienst „Perlentaucher“ hält gedruckten Zeitungen gern vor, ihre freien Mitarbeiter auszubeuten. Seine eigenen Produkte verkauft er unterdessen munter an Verlage weiter. Und was sehen deren Autoren vom erzielten Gewinn? Genau: nichts.

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Der Internetdienst perlentaucher.de kennt sich gut aus mit den Geschäftsmodellen und Mitarbeiterverträgen der deutschen Zeitungen, denn er kritisiert sie gern. (Was ich seltsam finde, denn schließlich erzeugen Zeitungen erst jene Perlen, nach denen der Dienst dann tauchen kann, aber gut, da bin ich Partei, und es gab ja, wie bekannt, schon diverse Gerichtsverfahren zwischen Zeitungen und den Tauchern.)

Nicht bekannt war bislang, wie der „Perlentaucher“ seine Autoren entlohnt, also jene Mitarbeiter, die die langen Artikel in den Zeitungen zu kurzen Texten zusammenfassen, die man dann auf der Website des Dienstes lesen kann. Nun fragte im sogenannten „Perlentaucher-Ententeich“, wie dort in Kopie des französischen „Canard Enchainé“ die Rubrik für eigene Sachen heißt, ein kritischer und branchenkundiger Leser: „Beteiligen Sie die Autoren, die für den Perlentaucher die Rezensionen in den Zeitungen zusammenfassen, an den Einnahmen, die Sie durch den Weiterverkauf dieser Zusammenfassungen an Buchhändler etc. erzielen?“

Am Ende der Verwertungskette

Antwort der „Perlentaucher“-Redakteurin Anja Seeliger: „Nein, das tun wir nicht.“ Um dann darauf hinzuweisen, dass man ihnen „wenigstens“ nicht sämtliche Rechte abkaufe, wie diese Zeitung. Die Reaktion des Fragenden klang einigermaßen erschüttert: „Sie verkaufen also die Zusammenfassungen der Rezensionen ohne Vertragsgrundlage weiter? Das nenne ich aber mal Ausbeutung. Sie verkaufen einfach munter in der Gegend herum, was Ihnen, eigenen Worten zufolge, gar nicht gehört. Na, wenn das mal kein gigantisches Eigentor wird, Frau Seeliger.“ In einem späteren Beitrag wurde die Sache wie folgt resümiert: „Sie reden von mageren Zeilenhonoraren bei Zeitungen und zahlen selbst fast nichts? Und verkaufen das dann an Online-Händler weiter, beuten also sowohl ihre Abstract-Schreiber, die Rezensenten der Zeitungen und diese selbst aus? Ihre neokapitalistische Doppelmoral ist atemberaubend.“

Darauf gab es dann erst einmal keine Antwort mehr von der „Perlentaucher“-Redaktion. Weise und wie zur Versöhnung schrieb ein anderer Leser: „Das Perlentaucher-System funktioniert nur so lange, wie Zeitungsverlage existieren, die Autoren für ihre Arbeit honorieren. Gibt es sie nicht mehr, hat auch der Perlentaucher ein Geschäftsproblem: Es gibt dann für seine Abstract-Schreiber nämlich nichts mehr zusammenzufassen, für die Leser des Perlentauchers nichts mehr zu lesen und folglich für die Werbepartner keinen Grund mehr zu werben.“

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Jahrgang 1966, verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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