16.05.2007 · Seine Frau hat Sarkozy nicht zum Präsidenten gewählt. Und Ségloène Royal soll ihren Mann erpresst haben, damit der auf die eigene Kandidatur verzichtet. Die Presse hat es früh gewusst - und lange geschwiegen. Die Medien und die Macht: Nachspiele zur Präsidentenkür.
Von Jürg AltweggNicolas Sarkozy ist ohne die Stimme seiner Frau Cécilia zum französischen Staatspräsidenten gewählt worden. Ist diese Tatsache eine politische Nachricht? Oder ist sie rein privater Natur? Dass Sarkozy im Wahllokal nicht von seiner Gattin begleitet wurde, konnten die Franzosen im Fernsehen mitverfolgen. Das „Journal du Dimanche“ hat recherchiert: Cécilia Sarkozy ging überhaupt nicht zur Wahl. Und am Abend des Sieges gab es eine verbale Auseinandersetzung zwischen dem Ehepaar, die von Kameras gefilmt wurde. Der Artikel wurde auf der Redaktionskonferenz angekündigt und abgesegnet - mit einer Vorgabe: Der Chefredakteur Jacques Espérandieu wollte, dass man eine Stellungnahme der Betroffenen einholte. Cécilia Sarkozy verweigerte jeglichen Kommentar.
Nur was danach geschah, ist Gegenstand unterschiedlicher Darstellungen. Beim „Journal du Dimanche“ hätten Sarkozys Berater interveniert, berichtete das von ehemaligen „Libération“- Journalisten begründete Internetportal „Rue89.com“. Am Schluss habe Arnaud Lagardère, Besitzer des Hachette-Medienkonzerns, persönlich befohlen, den Beitrag zu löschen. Dieser Version widerspricht Espérandieu, der die Entscheidung selber gefällt haben will: aus Rücksicht auf die Privatsphäre. Die Journalistenverbände sprechen von Zensur. Lagardère ist wie alle Besitzer der Medienkonzerne mit Sarkozy befreundet. Er hatte ihm den Chefredakteur von „Paris-Match“ geopfert und Espérandieu gar keine Wahl, als die Verantwortung auf sich zu nehmen.
Zwischen Informationspflicht und Gefälligkeit
Auch das Paar Royal/Hollande steht im Zentrum der medialen Wahlbewältigung. Zwei Starjournalistinnen von „Le Monde“ haben ein Buch herausgebracht, in dem sie im Nachhinein die Hintergründe von Ségolène Royals Kandidatur ausbreiten: „La Femme fatale“. Eigentlich hätte Parteichef Hollande antreten sollen. Doch als Ségolène Royal das Verhältnis ihres Lebenspartners mit einer Journalistin entdeckt habe, rächte sie sich: Entweder ich - oder er sieht seine vier Kinder nicht mehr. So steht es im Buch - und „Le Monde“ geriet wieder einmal in den Verdacht, monatelang wichtige Informationen verschwiegen zu haben.
Die „Ombudsfrau“ der Zeitung versuchte, das Verhalten der Redaktion den Lesern zu erklären. Über Cécilia Sarkozys Abwesenheiten habe man sehr wohl berichtet, wehrte sie sich gegen die Vorwürfe. „Weiter gingen wir nicht, weil wir keine Beweise hatten - und die Betroffenen, die wir sehr wohl befragten, keine Auskunft gaben.“ Über das Paar Royal/Hollande habe man ebenfalls berichtet - das, was im Buch stehe, sei im Wesentlichen auch den Zeitungslesern mitgeteilt worden. Aber eben: bis auf das Wesentliche schlechthin.
„Wo beginnt die Politik, wo hört das Privatleben auf?“, schreibt die „Ombudsfrau“ von „Le Monde“: „Wo verläuft die Grenzen zwischen den gestellten Fotos mit Frau und Kindern am Abend des ersten Wahlgangs und der Geheimliste der Geladenen, mit denen Sarkozy im ,Fouquet' feierte?“ Die Besitzer der Medienkonzerne jedenfalls waren dabei - auch Vincent Bolloré, der zusammen mit „Le Monde“ eine Gratiszeitung betreibt und der Sarkozys Kurzurlaub (mit Frau und Kind) finanzierte.
Der heftige Wahlkampf, sagen Politologen und Soziologen, hat die Franzosen mit der Politik versöhnt. Das Unbehagen an den Medien und ihrer Nähe zur Macht bleibt.
Auf dem Schiff konnte sie nicht weglaufen, ha, ha, ha..
Friederine Teich-Erdmann (Teich-Erdmann)
- 15.05.2007, 21:41 Uhr
Faire Presse
Alfred Freudenberger (Forgetit)
- 17.05.2007, 13:39 Uhr