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Medien Monika Piel wird WDR-Intendantin

17.11.2006 ·  Die Wahl ist zwar noch nicht gelaufen, doch es steht schon fest, wer sie gewinnt: Monika Piel wird am Montag zur Intendantin des Westdeutschen Rundfunks gekürt. Das steht fest, weil sie die einzige verbliebene Kandidatin ist.

Von Michael Hanfeld
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Die Wahl ist zwar noch nicht gelaufen, doch es steht schon fest, wer sie gewinnt: Monika Piel wird am Montag zur Intendantin des Westdeutschen Rundfunks gekürt. Das steht fest, weil sie die einzige verbliebene Kandidatin ist. Am Donnerstag abend hatten sich sich die drei Fraktionen im Rundfunkrat für sie entschieden - die CDU-nahen, die SPD-Leute und die Unabhängigen, die sogenannten „Grauen“. Am Freitag morgen gab darob der zweite Kandidat, der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, bekannt, daß er sich zurückziehe. Für eine „rein kosmetische Wahl“ stehe er nicht zur Verfügung, sagte Brender. Zudem halte er Monika Piel für „eine gute Kandidatin“. Der dritte Bewerber, NDR-Justitiar Werner Hahn, zog sich am Freitagnachmittag zurück. „Ich freue mich darüber, daß Monika Piel jetzt am Montag alle Chancen hat. Sie wird den WDR bestens leiten“, sagte Hahn im Gespräch mit dieser Zeitung. Es gibt am Montag für den WDR also nur eine Wahl: Monika Piel.

Ausschlaggebend für die Entscheidung war das Treffen der „Grauen“ am Donnerstag, bei dem sich die Mehrheit für Piel abzeichnete. Da habe der SPD-Freundeskreis nicht hintanstehen wollen, sagte der SPD-Medienpolitiker Jan Eumann. Doch muß man wissen, daß die Roten ihre Rotgrauen durchaus vorgeschickt hatten.

Verquere Vorbereitung

Daß sich die Reihen vor der Wahl gelichtet haben, ist das Ergebnis einer verqueren Vorbereitung. Verquer deshalb, weil verschiedene Gruppen versucht hatten, ihren Wunschkandidaten zu befördern, möglichst unauffällig natürlich. Anfangs wollten einige in der CDU den Intendanten Pleitgen zum Weitermachen bewegen, doch scheiterte dies an der SPD und vor allem an dem sozialdemokratischen Rundfunkratsvorsitzenden Reinhard Grätz. Er hat die Wahl insgeheim zur Chefsache erklärt, zu seiner Chefsache, und hatte als Kandidaten den NDR-Mann Hahn und den künftigen ARD-Vorsitzenden Fritz Raff im Blick. Doch Raff zog sich Anfang der Woche schon zurück, weil er sich einer Kampfabstimmung mit ungewissem Ausgang nicht stellen konnte. Der Rundfunkratschef Grätz hatte in der Sommerpause mit einigen der zunächst sieben Kandidaten gesprochen, der Wahlvorbereitungsausschuß, den der Rundfunkrat zum Zweck der Sondierung berufen hatte, blieb außen vor. So kam es vor drei Wochen zum Eklat, weil klar war, daß nichts klar war - keine Kandidaten, keine Kriterien.

Zerredet wurde währenddessen ganz en passant, seitens CDU und SPD, die Kandidatur von Nikolaus Brender. Ihm gereicht zum Nachteil, was sein großer Vorzug ist: Der Mann ist unabhängig und meidet jede Parteilichkeit. Einen ganz und gar unberechenbaren Intendanten aber wünschen sich beide großen Parteien nicht, sie müssen zumindest den Eindruck haben, sie wüßten, wie der Mann, jetzt die Frau, an der Spitze des WDR tickt. Und sie sind stets darauf aus, die berüchtigten „Paketlösungen“ zu schnüren. Will heißen: Wer rückt nach der Intendantenwahl auf die Posten der Programmdirektoren - im Hörfunk wie im Fernsehen? Der Intendant schlägt Kandidaten für diese Spitzenjobs vor, der Rundfunkrat stimmt ab. Der Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf wird im Frühjahr Hauptstadtstudiochef. Ihn - und Monika Piel - könnten der Fernsehchefredakteur Jörg Schönenborn oder der jetzige Berlinchef Thomas Roth beerben. So spielt der Rundfunkrat nach der Intendantenwahl wieder eine große Rolle. Von dem Exkandidaten Brender ist bekannt, daß er sich auf Personalspielchen nicht einläßt. Es nützte ihm auch nicht, daß er der Wunschkandidat des Intendanten Pleitgen und mancher Mitarbeiter des WDR war.

Rache genießt man kalt

Keinen Ausschlag gegen Brender hat dem Vernehmen nach der Krach um die Stasi-Dokumentation des ZDF gegeben. In ihr wurde der Wiener Korrespondent Michael Schmitz zunächst - fälschlicherweise - in die Nähe einer IM-Tätigkeit für die Stasi gerückt. Zu der harschen Kritik, die Schmitz an Brender äußerte (siehe: Interview: Michael Schmitz (ZDF) über die Stasi-Affäre), muß man wissen, daß Schmitz vor Jahren - nicht nur Brender - unangenehm aufgefallen ist, weil er die Irrungen der vorletzten Intendantenwahl im ZDF mitbefördert hatte, indem er dem damaligen Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye ein Papier zufaxte, in dem verzeichnet war, auf welchen Posten im ZDF mißliebige konservative Journalisten säßen. Das ging Brender mächtig gegen den Strich und - ist sicher ein Grund für die harte Kritik, die Schmitz nun an Brender übt. Aus dem Französischen stammt der Spruch, daß Rache ein Menü sei, das man kalt genießt.

So sind also bei der Intendantenwahl im WDR jene Kandidaten ausgeschieden, die sich die größten Hoffnungen machen durften. Je länger der Hickhack währte, desto besser lief es für Monika Piel. Sie blieb in der Hinterhand, während die anderen gegeneinander ausgespielt wurden.

„Eine andere, ebenfalls erstklassige Wahl“

Nun geben sich alle zufrieden. Der WDR-Intendant Pleitgen sagte, er könne die Entscheidung von Brender nachvollziehen: „Er wäre sicher eine erstklassige Wahl gewesen. Andererseits bin ich überaus zufrieden, daß es nun auf Monika Piel hinausläuft. Sie genießt meine große Wertschätzung. Bei ihr bin ich sicher, daß sie den WDR gut und vor allem unabhängig führen wird.“ Daß Pleitgen Monika Piel für „eine andere, ebenfalls erstklassige Wahl“ halte und „sehr froh“ über die Entwicklung sei, ergänzte die WDR-Sprecherin Gudrun Hindersin auf Nachfrage, habe er ja schon angedeutet, als er Monika Piel gebeten hatte, seine Nachfolge in der Moderation des „Presseclubs“ anzutreten.

Der SPD-Politiker Jan Eumann sagte dem Evangelischen Pressedienst, der WDR-Rundfunkrat habe „in einer schweren Situation“ bewiesen, daß er „Herr des Verfahrens“ sei und zwar - kleiner Seitenhieb auf Parteifreund Grätz - „in seiner Gesamtheit“. Diese Gesamtheit wird Eumann bald selbst anführen, gilt es zwischen den großen Parteien doch als ausgemacht, daß er der nächste Rundfunkratschef ist. Auf welche Posten sich die CDU Hoffnung macht, wissen ihre Leute wohl ganz allein, sie haben sich selber ausgedribbelt. Die Rundfunkrätin Erika Bock-Rosenthal, vom Landtag entsandt, sich aber den „Grauen“ zurechnend, verriet, daß sie Brender als „profilierten Journalisten“ zunächst bevorzugt, sich aber dann für Monika Piel entschieden habe. Sie wünscht der Kandidatin „breite Schultern“, um „den Begehrlichkeiten der Parteien“ entgegenzutreten. Die wird sie wirklich haben müssen.

Quelle: F.A.Z., 18.11.2006, Nr. 269 / Seite 45
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Jahrgang 1965, Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Medien“.

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